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Segelsport Mit der Kiste auf die Piste
Sport Segelsport Mit der Kiste auf die Piste
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19:00 29.06.2014
Von Paul Wagner
Der rasende Florian, das hölzerne „Einsatzfahrzeug“ der Jugendfeuerwehr Gaarden, wurde zur schönsten Seifenkiste gekürt. Quelle: F. Peter
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Kiel

Die Anspannung war ihnen anzusehen. Zumindest die jungen Piloten in der Kategorie „Junior“ gingen bei der Wiederauflage des Seifenkistenrennens zur Kieler Woche größtenteils zum ersten Mal an den Start. 50 Teilnehmer hatten sich mit 30 Kisten angemeldet – einige Konstruktionen rollten mit wechselnder Besetzung mehrmals die 230 Meter lange Strecke den Berg hinab. Notiert wurde dabei die jeweils beste Zeit. Neu war eine kleine Schikane, die die Rennleitung bereits kurz hinter der Startrampe aufgebaut hatte, und die von allen Rennwagen professionell befahren wurde.

 Die Stimmung war trotz Problemen mit der Lautsprechertechnik und einem einsetzenden Regenschauer gegen Ende des Rennens gut. Am Start sorgte die Big Band der Kieler Käthe-Kollwitz-Schule für die passende Begleitmusik, der Applaus und die anfeuernden Rufe der Zuschauer motivierten die Rennfahrer auf der Strecke.

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Es war ein Neustart mit einigen technischen Komplikationen – aber ohne ernste Unfälle. Nach zweijähriger Pause startete gestern wieder ein Kieler-Woche-Seifenkistenrennen auf der Bergstraße. Tausende Schaulustige verfolgten das Spektakel rund um die bunten Flitzer.

 Vor dem Start hatte zunächst der Tüv alle Hände voll zu tun. „Wir haben uns jede Kiste angesehen und auch die ein oder andere kleine Änderung vornehmen müssen“, sagte Dirk Ohler vom Tüv Nord, nachdem er ordnungsgemäß etwa 30 Plaketten verteilt hatte. So mussten teils Seilzüge nachjustiert oder Bremsen angezogen werden. Aus Sicherheitsgründen bekam der „Tiger vor one“, den der elfjährige Justin gemeinsam mit seinem Vater Reiner Pasternak vor dem Rennen gebaut hatte, ein Bremssegel aus Tigerfell verpasst. Die Rennleitung befürchtete, dass die Konstruktion aus zwei Klappfahrrädern sonst zu schnell werden könnte und eine sichere Kurvenlage schwierig werde. Und so gehörte der Tiger mit seinem langen Schwanz zwar nicht zu den schnellsten Flitzern des Tages, wohl aber zu den eindrucksvollsten. Immer wieder applaudierten die Zuschauer und riefen: „Das ist doch der Tiger.“

 „Insgesamt sind einige der Kisten auf einem sehr hohen Niveau“, sagte Tüv-Tester Ohler. Dazu gehörte sicher auch die Konstruktion von Cedric Efftinge. Der „Weiße Blitz“ – wie die hölzerne Seifenkiste mit der glänzenden Lackierung heißt – schaffte es in seinem schnellsten Rennen immerhin in 26,8 Sekunden den Berg hinunter und lag damit gerade einmal 2,5 Sekunden hinter dem schnellsten Flitzer des Tages, dem „Red Barrow“. „Angst hatte ich nicht“, versicherte der abgeklärte Cedric, der mit 8 Jahren zum ersten Mal auf der Kieler Woche starten durfte. Das gute Ergebnis seiner Seifenkiste kam nicht von ungefähr. Sei Großvater Wolfgang Efftinge hatte seit März an dem Flitzer geschraubt und der kommt als Maschinenbau-Ingenieur vom Fach. „Als die Ausschreibung raus kam, haben wir uns gleich angemeldet“, so der leitende Konstrukteur. „Auch beim nächsten Mal sind wir wieder mit dabei.“

 Organisiert wurde das Seifenkistenrennen von der Kfz-Innung Kiel-Neumünster, die eingesprungen war, nachdem sich die Förde Sparkasse im vergangenen Jahr als Sponsor weitgehend zurückgezogen hatte, diesmal jedoch noch Anmeldelisten und ihr Parkhaus zur Verfügung gestellt hatte. 60 Helfer aus den Reihen der Feuerwehr sicherten die Strecke ab und hatten etwa 1000 Strohballen besorgt. Die Vorbereitungen begannen bereits zu Beginn dieses Jahres.

 Ergebnisse: Platz 1: Alexander Friedrichs im „Red Barro“ (Gesamtzeit der beiden schnellsten Rennen: 49,41 Sekunden); Platz 2: Wolfgang Friedrichs im „Red Barrow“ (Gesamtzeit der beiden schnellsten Rennen: 49,86 Sekunden); Platz 3: Mats Ottilie im „Der wilde Kerl“ (Gesamtzeit der beiden schnellsten Rennen: 51,37 Sekunden); Schönste Seifenkiste: Der rasende Florian, das hölzerne „Einsatzfahrzeug“ der Jugendfeuerwehr Gaarden