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Segelsport 49erFX-Crew Lutz/Beucke: Alles neu für Anlauf Nummer drei
Sport Segelsport 49erFX-Crew Lutz/Beucke: Alles neu für Anlauf Nummer drei
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18:15 27.11.2019
Von Niklas Schomburg
Der größte Erfolg der gemeinsamen Skiff-Karriere: 2017 krönten sich Tina Lutz (re.) und Susann Beucke zu Europameisterinnen. Drei Jahre später soll sich auch der Olympiatraum endlich erfüllen. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Mitten in ihrer Olympiakampagne, nur ein Jahr vor den Spielen in Tokio, setzten Tina Lutz und Susann Beucke alles auf Null. Ausschlaggebend war der 12. Platz bei der Europameisterschaft der 49erFX im britischen Weymouth im Mai. „Das war nicht wirklich schlecht, aber auch nichts Gutes – das hat uns sehr geprägt und auch unheimlich frustriert“, sagt die Stranderin Beucke, Vorschoterin der Frauen-Crew, die seit 2007 gemeinsam auf dem Wasser unterwegs ist. „Wir haben gemerkt, dass Kleinigkeiten fehlen, dass wir viele Punkte ändern müssen, um die Top Ten zu erreichen.“ Dabei hatte das Jahr 2019 mit Platz sieben beim Trofeo Princesa Sofía auf Mallorca gut angefangen, der Weltcup-Ausrutscher bei der Flautenschlacht in Genua keine größere Bedeutung. Doch die EM wurde zum Scheidepunkt – nicht nur inhaltlich.

Neuer Trainer, verändertes Boot

Im Juni, auch bei der Kieler Woche, probierten sie viel aus, im Juli nahmen sie die ersten tief greifenden Veränderungen vor, im September dann folgte der wohl größte Schritt: Tina Lutz und Susann Beucke trennten sich vom deutschen Team, trainieren nicht mehr mit den Konkurrentinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz (Berlin) in der Nationalmannschaft, sondern gehen eigene Wege. „Entscheidend war eine Situation bei der EM, als Dave (49erFX-Bundestrainer Dave Evans, Anm. d. Red.) an einem sehr welligen, sehr windigen Tag bei der anderen Flotte auf dem Wasser war. Wir haben gemerkt, dass es Mist ist, nicht jederzeit eine Betreuungsperson zu haben“, erklärt Beucke. Nach dem Schnitt trainierten sie zunächst mit Klaus Lange, Sohn von Nacra-Olympiasieger Santiago Lange und mit Bruder Yago im 49er unterwegs, in Argentinien. Mittlerweile arbeiten sie unter der Ägide des Briten Ian Barker, dem „Trimm-König“, wie Beucke sagt, dem ehemaligen 505er-Weltmeister, 49er-Silbermedaillengewinner von Sydney 2000 und unter anderem Coach der irischen 49er-Nationalmannschaft.

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Ein Schritt in die richtige Richtung? „Es war alternativlos – jetzt oder nie“, sagt Beucke. „Es ist unser dritter Anlauf auf Olympia, wir haben keine Zeit mehr, neue Schritte zu scheuen. Es braucht diesen Mut, um gewisse Hürden zu überwinden.“ Die dritte gemeinsame Kampagne der Bayerin Lutz und der Stranderin Beucke – sie soll endlich den Traum von den Spielen erfüllen. Und es wird wohl die letzte sein. Nach Tokio 2020 werden sich die seglerischen Wege der beiden aller Voraussicht nach trennen. „Das setzt nochmal ganz andere Energien frei“, sagt Beucke. Energie, die es vielleicht braucht, um nicht ein drittes Mal in der nationalen Quali zu scheitern. Nachdem vor Rio 2016 die Berlinerinnen Jurczok/Lorenz schlicht zu stark waren. Und vor allem nach der dramatischen Ausscheidung von 2012.

Steckbrief: Tina Lutz und Susann Beucke (49erFX)

Tina Lutz; Position: Steuerfrau; Geboren: 25. Oktober 1990 in München; Wohnort: Innsbruck und Chiemsee; Verein: Chiemsee Yacht-Club; Größe: 1,70 Meter; Gewicht: 58 Kilogramm; Beruf: Studentin der Wirtschaftspsychologie.

Susann Beucke; Position: Vorschoterin; Geboren: 11. Juni 1991 in Kiel; Wohnort: Strande; Verein: Hannoverscher Yacht-Club; Größe: 1,75 Meter; Gewicht: 75 Kilogramm; Beruf: Sportsoldatin.

Als Crew im Boot seit: 2007; Trainer: Ian Barker; Größte Erfolge: Europameister 2017, Kieler-Woche-Sieg 2016 und 2013, 2. Platz Kieler Woche 2018, 1. Platz Medemblik 2013, 3. Platz Trofeo Princesa Sofía 2016, 8. Platz WM 2017, Junioren-Europameister 420er 2007; Lutz: Opti-Weltmeisterin 2005; Bilanz 2019: 7. Platz Portugal GP Vilamoura, 7. Platz Trofeo, 27. Platz WC Genua, 12. Platz EM, 5. Platz Kieler Woche.

Ausscheidung 2012 endete vor Gericht

Damals saßen Lutz und Beucke noch im 470er, kämpften mit Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher um das Ticket für London – eine Auseinandersetzung, die erst vor Gericht endete. In der dreiteiligen Qualifikationsserie war es damals beim WM-Finale vor Perth zu unschönen Match-Race-Szenen gekommen, als Kadelbach/Belcher sich nur noch darauf konzentrierten, Lutz/Beucke abzublocken, um so den eigenen Vorsprung zu retten. Mittlerweile ist derartiges „Nach-Hinten-Segeln“ in höchster Instanz vom Weltseglerverband zumindest teilweise verboten worden. Und doch spukt diese Erfahrung immer noch im Hinterkopf herum. „Wenn die Ausscheidung losgeht, denkt man schon nochmal daran“, sagt Beucke. „Das war wirklich sehr, sehr bitter – für irgendwas wird es gut gewesen sein, die Fehler haben wir als Lerneffekt mitgenommen. Es ist jetzt auch ganz anders, wir sind ganz anders.“

"Wir sind ganz andere Seglerinnen"

Nicht nur anders als vor sieben Jahren – „wir sind ganz andere Seglerinnen als noch im Juni“, sagt Beucke. „Wir sind schneller, selbstbewusster und dadurch auf dem Wasser auch entscheidungsfreudiger.“ Eines aber wird sich nicht ändern: „Nach fast 13 Jahren zusammen sind wir richtig dicke Freundinnen, das ist total schön. Und das, obwohl wir so unterschiedlich sind“, sagt Beucke. „Tina ist sehr analytisch und präzise, das bin ich gar nicht“, ergänzt die 28-Jährige lachend. „Ich bin die Emotionalere, verbreite gerne gute Laune – ich bin der Teamspirit.“

Diese Kombination aus Charaktereigenschaften, die Verbindung zweier Freundinnen soll den Weg nach Tokio bereiten – Schritt für Schritt. Bei der anstehenden Weltmeisterschaft in Neuseeland müssen die deutschen Skiff-Frauen erst noch das Nationenticket sichern, bei der folgenden WM in Australien im Februar startet die interne Qualifikation. Dazwischen steht für Lutz/Beucke ein Trainingslager in Argentinien an, für die Feiertage geht es auf Stippvisite in die Heimat. Und dann nimmt der dritte Anlauf auf Olympia so richtig Fahrt auf.

Frederike Loewe und Anna Markfort (470er)

Justus Schmidt und Max Boehme (49er)

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer (Nacra17)

Tina Lutz und Susann Beucke (49erFX)

Max Kohlhoff (Finn)

Svenja Weger (Laser Radial)

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