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Segelsport 49er-Crew Schmidt/Boehme: Durch dick und dünn Richtung Tokio
Sport Segelsport 49er-Crew Schmidt/Boehme: Durch dick und dünn Richtung Tokio
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09:55 05.11.2019
Von Niklas Schomburg
Bei der Kieler Woche 2019 segelten Justus Schmidt (hinten) und Max Boehme mit Rang 22 an der Musik vorbei. Dennoch war die Saison 2019 eine gute für die Kieler 49er-Crew – und soll in Neuseeland bei der WM einen starken Abschluss finden. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Saison beendet? Von wegen! Den 49ern steht der Höhepunkt mit der Weltmeisterschaft in Auckland noch bevor. Ab 29. November geht es in Neuseeland um den Titel – und Olympia. Es ist der erste Teil der nationalen Ausscheidung. Nach der gegen die Trainingspartner und späteren Bronzemedaillengewinner Erik Heil und Thomas Plößel (Berlin) verlorenen Qualifikation für Rio 2016 nehmen die Kieler neuen Anlauf auf die Spiele. Leichter wird es nicht: „In unserer Klasse gibt es wohl die meisten deutschen Boote mit Olympia-Potenzial“, sagt Vorschoter Boehme. Denn neben den beiden Top-Teams mischen vier „Aufsteiger“ mit: Tim Fischer und Fabian Graf (Hamburg/Berlin) holten 2018 in Århus WM-Bronze und stiegen in den Olympia-Kader auf, Jakob Meggendorfer/Andreas Spranger (München) gewannen Junioren-EM-Gold. „Das wird eine richtig spannende Geschichte“, sagt Boehme. „Und ich würde da niemanden in eine Favoritenrolle setzen.“

Neuer Angriff nach studiumsbedingter Pause

Sowohl Schmidt/Boehme als auch Heil/Plößel gingen mit einer studiumsbedingten Pause in die zweite Olympia-Kampagne, nahmen erst in diesem Jahr wieder volle Fahrt auf. „Wir sind auf einem guten Weg zu einem richtig guten Bootsgefühl, das durch das Studium etwas verloren gegangen ist“, erklärt Boehme, der sein Medizinstudium in Stettin begann. Während Schmidt in Kiel VWL studierte, stand das Segeln zeitweise hintenan.

Nun sind die Skiff-Artisten zurück. Einigen sehr guten Ergebnissen steht 2019 aber auch ein 22. Platz beim großen Heimspiel gegenüber. „Die Kieler Woche war total verkorkst, richtig ärgerlich“, sagt Boehme. „Palma und die EM waren total solide, beim olympischen Testevent haben wir auch die Kurve bekommen. Es ist aber bei jeder Regatta ein Tag dabei, der nicht gut ist – im Training arbeiten wir daher jetzt verstärkt an der Konstanz.“

Die Kieler 49er-Segler Justus Schmidt und Max Boehme kämpfen um das Olympia-Ticket für die Spiele 2020 in Tokio.

49er-Segeln als Puzzle

Konstanz – ein Teil des von Boehme als „Puzzle“ bezeichneten 49er-Segelns. „Starts, Speed, Manöver und ein Rennplan – alle einzelnen Teile müssen zusammenpassen“, sagt er. „Material, Technik, Physis, all das spielt mit rein. Uns fehlte zu oft ein Teil, zum Beispiel die Starts. Wenn du eine hohe Quote von Starts hast, bei denen du dich nicht freiwenden musst, ist das der erste Schritt zu einem guten Rennen. Da haben wir uns verbessert.“ Für das Oktober-Trainingscamp wählten die Kieler die französische Partnerstadt Brest – „das Revier ähnelt Auckland mit Flachwasser und Kabbelwelle sehr“, erklärt Boehme. 17 Boote aus Deutschland, Frankreich, Belgien und Spanien trainierten am Atlantik gemeinsam. „So konnten wir sogar Trainingsregatten fahren.“

Lesen Sie auch: Loewe/Markfort mit Konstanz nach Tokio?

Und nach einem kurzen Heimatstopp geht es schon weiter: Am Freitag startet der Flieger nach Neuseeland – dreieinhalb Wochen bereiten sich die von der Stiftung Kieler Sporthilfe geförderten Segler vor Ort auf die WM und damit den Auftakt der heißen Quali-Monate vor. Schon im Februar folgt in Australien die WM 2020, Teil drei wird der Trofeo Princesa Sofía auf Mallorca sein. „Palma ist unser Lieblingsrevier. Cool, dass da der Quali-Abschluss ist“, sagt Boehme.

Mehr als 13 Jahre in einem Boot

In den fünf Monaten bis zum Frühjahrsklassiker werden sie für den olympischen Traum alles in die Waagschale werfen – auch ihre Erfahrung von 13 Jahren in einem Boot. „Wir steuern stark auf die Kristallhochzeit zu“, sagt Boehme lachend. Im Volksglauben bedeutet das unter anderem: Die Partner kennen sich nach 15 Jahren so gut, dass sie einander komplett durchschauen. „Diese Eingespieltheit hilft enorm. Wir sind durch dick und dünn gegangen, haben schwere Zeiten wie 2013 und 2014 gemeistert, als wir aus dem Kader geflogen sind, es überhaupt nicht lief.“ Wenig später feierten Schmidt/Boehme ihre größten Erfolge, gewannen 2015 erst die Kieler Woche und dann den Europameistertitel. „Es schweißt total zusammen, wenn man es als Team schafft, aus so einem Loch herauszukommen, nicht aufzugeben“, sagt Boehme. „Andere Teams leben sich nach einer gewissen Zeit auseinander, wir sind neben dem Segeln richtig gute Freunde.“

Steckbrief Justus Schmidt und Max Boehme (49er)

Justus Schmidt

Position: Steuermann

Geboren: 15. Mai 1992 in Eutin

Wohnort: Kiel

Verein: Kieler Yacht-Club

Größe: 1,74 Meter

Gewicht: 80 Kilogramm

Beruf: Student VWL

Max Boehme

Position: Vorschoter

Geboren: 22. August 1991 in Kiel

Wohnort: Kiel

Verein: Kieler Yacht-Club

Größe: 1,86 Meter

Gewicht: 80 Kilogramm

Beruf: Student Humanmedizin

Als Crew im Boot seit: 2006

Trainer: Marc Pickel

Größte Erfolge: Europameister 2015, 5. Platz WM 2017, Kieler-Woche-Sieg 2015, 2. Platz Kieler Woche 2016, 4. Platz Junioren-WM 2014.

Bilanz 2019: 8. Platz Weltcup Miami, 5. Platz Trofeo Princesa Sofía, 6. Platz EM, 14. Platz Weltcup Genua, 22. Platz Kieler Woche, 5. Platz Olympia-Testevent Enoshima, 20. Platz Weltcup Enoshima.

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