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Segelsport Historischer Triumph für Philipp Buhl
Sport Segelsport Historischer Triumph für Philipp Buhl
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12:17 16.02.2020
Laser-Segler Philipp Buhl, hier bei der Kieler Woche 2018, sicherte sich in Australien den WM-Titel - als erster Deutscher überhaupt. Quelle: Uwe Paesler
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Melbourne

Sieben Jahre nach seiner ersten WM-Bronzemedaille segelte Buhl nun zum Weltmeister-Titel. „Da ist nur diese totale innere Zufriedenheit“, sagte er nach seiner Zieldurchfahrt. Der 30-jährige Sonthofener holte sein Gold vor Melbourne in beeindruckender Manier, hatte in der Endabrechnung nach zwölf Wettfahrten im Weltklassefeld von 124 Booten aus 44 Nationen zwölf Punkte Vorsprung auf Matt Wearn aus Australien. Bronze sicherte sich der Kroate Tonci Stipanovic.

Für Buhl ist der Titel ein Befreiungsschlag nach der schwierigen Saison 2019, in der er nach schwachen Ergebnissen mit sich gehadert hatte. Im Vorwege der WM hatte sich der Perfektionist deshalb vorgenommen, etwas lockerer in den Wettkampf zu gehen. Es war sein Erfolgsrezept. 

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Erster WM-Titel in Olympiaklasse seit 2000

Bundestrainer Alex Schlonski, der mit Buhl und Trainingspartner Nik Aaron Willim im November intensiv im australischen WM-Revier trainiert hatte, umarmte seinen Schützling auf dem Wasser lange. „Wir hatten uns Medaillennähe erhofft, aber dass Philipp hier so durchs Dach geht und so souverän agiert, das war unfassbar gut“, sagte Schlonski.

Der WM-Triumph des für den Norddeutschen Regatta Verein in Hamburg startenden Top-Athleten im German Sailing Team kommt zum Auftakt des Olympia-Jahres zum richtigen Zeitpunkt. Nach bislang zweimal WM-Bronze (2013, 2018) und einmal WM-Silber (2015) sagte Buhl: „Ich habe eines meiner beiden großen Ziele erreicht und kann nun etwas entspannter in die Olympischen Spiele reingehen.“

Mit seinem Triumph sicherte Buhl nicht nur das historisch erste WM-Gold für einen deutschen Segler in dieser seit 1996 olympischen Einhandjolle und in der seit 1974 Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Er beendete auch die titellose Serie der Nationalsegler, die seit 20 Jahren keinen WM-Sieg mehr in einer Olympia-Klasse gewinnen konnten. Zuletzt siegten bei einer WM Roland Gäbler und René Schwall 2000 im damals olympischen Katamaran Tornado.

Buhl hofft auf Schub für deutsches Segeln

Buhl hofft, dass sein Erfolg den Segelsport hierzulande beflügelt. „Bei uns hat ja schon keiner mehr geglaubt, dass wir siegen können. Mit den zuletzt gewonnenen Medaillen wie an diesem Wochenende WM-Bronze von Erik Heil und Thomas Plößel haben wir zeigen können, was möglich ist“, sagte er. Die Berliner 49er-Segler Heil/Plößel hatten am Sonnabend ihre zweite WM-Medaille innerhalb von drei Monaten geholt und sich somit in der internen Ausscheidung gegen die Kieler Justus Schmidt und Max Boehme auch das Ticket für die Olympischen Spiele gesichert. Lob gab es für Buhl von Roland Gäbler, dem Olympia-Dritten von 2000. „Nur wer Ausdauer hat, kann Großes erreichen. Philipps professionelle Einstellung und sein Durchhaltevermögen sind vorbildlich und inspirierend“, meinte er.

Der im Allgäu aufgewachsene, ehemalige Skirennläufer Buhl hat sein Handwerk im Segelclub Alpsee-Immenstadt auf dem Großen Alpsee von Vater Friedel Buhl gelernt. Seiner Familie, seinen Partnern und Wegbegleitern widmet er den Titel: „Ich empfinde es als großes Privileg, Leistungssport auf diesem Niveau ausüben und mich für Erfolge quälen zu dürfen. Ich danke denen, die es mir ermöglichen. Allen voran meinem Vater.“

Auf einem Pokal mit Idol Robert Scheidt

Für Buhl schließt sich mit dem WM-Titel: Im Alter von 15 Jahren hatte er einen Aufkleber von Robert Scheidt im Schulordner. Der brasilianische Olympiasieger und fünfmalige olympische Medaillengewinner ist Buhls Jugendidol. Scheidts Segelstil hat er über Jahre akribisch studiert. Heute ist Buhl selbst Weltmeister und sagt: „Nun kommt mein Name auf den coolen WM-Pokal, auf dem seiner neunmal steht.“

Deutschlands erfolgreichster Segler Jochen Schümann gratulierte: „Das ist supercool und wohlverdient, eine gute Bestätigung für kontinuierliche Arbeit. Jetzt noch der nächste Schritt… Wir haben endlich zwei echte olympische Medaillenkandidaten im Laser und im 49er!“

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Von dpa

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