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Sportmix Holprige Geister-Premiere für Gislason
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25:21 gegen Bosnien - Holprige Geister-Premiere für Gislason

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18:23 05.11.2020
Von Tamo Schwarz
Bundestrainer Alfred Gislason reagiert nach einem Treffer. Quelle: dpa/Bernd Thissen
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Düsseldorf

Der Auftakt der deutschen Handballer in die Qualifikation zur Europameisterschaft 2022 in Ungarn und der Slowakei steht unter keinem guten Stern. Zuschauer im mehr als 13000 Zuschauer fassenden ISS Dome sind angesichts des "Lockdown light" nicht zugelassen. Und als der Gegner aus Bosnien-Herzegowina um 16.05 Uhr in das verwaiste Rund einläuft, wird auch die sportliche Fragwürdigkeit dieser Partie deutlich.

Bosnien nur mit elf Spielern angereist

War es die geplante Ausstrahlung im deutschen Free-TV und die damit verbundenen Sponsoren-Verpflichtungen? Fehlende Ausweichtermine? So oder so, die Europäische Handballföderation (EHF) hatte keine formalen Gründe für eine Absage gefunden, den Antrag der Bosnier aufgrund vieler Infektionsfälle im Team abgelehnt, die nun mit nur einem Torwart (der Flensburg Benjamin Buric) und gerade einmal zehn Feldspielern antreten. D-Jugend-Feeling im Länderspiel-Gewand. Oder anders: David gegen Goliath.

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Bosnien begibt sich in die Rolle des David, spielt aber von Beginn an clever und kommt gegen eine defensive Auswahl des Deutschen Handballbundes viel zu leicht zu Durchbrüchen aus dem Rückraum. Allein der 40-jährige Halblinke Nikola Prce hat nach 16 Minuten bereits fünfmal getroffen. Der ehemalige Emsdettener Zweitliga-Spieler steht heute bei KH Besa Famiglia im Kosovo unter Vertrag.

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Alfred Gislason bleibt ruhig, steht in gewohnter Manier mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und muss mit ansehen, wie seine Spieler im Angriff leichtfertig mit ihren Chancen umgehen, schlampige Pässe an den Kreis spielen, dem Rückraum mit dem jungen Mindener Juri Knorr in der Mitte nicht sonderlich viel einfällt gegen aggressive Bosnier. Uwe Gensheimers Wurf neben das Tor (9.) ist früh bereits die vierte Fahrkarte. Seinen ersten Siebenmeter wirft der Kapitän an die Latte (14.), auch Timo Kastening oder Fabian Böhm reihen sich in das Fehlwurf-Festival ein. Zur Pause führen die Gäste - nicht unverdient - mit 13:9.

Mit Lemke kommt die Wende

Richtig laut wird Gislason in der Halbzeit nicht, "aber schon kritisch". Der Isländer wechselt und wird später resümieren: "Mit Finn Lemke wurde unsere Abwehr erst so richtig gut." Das Defensivspiel - nach einer zwischenzeitlichen Umstellung auf ein 3:2:1-System jetzt wieder im 6:0-Verbund - war jetzt der Schlüssel zu Tempo- und Umschaltspiel, der Schlüssel zu leichten Toren und einem nach der Pause schnellen 14:14-Ausgleich (38.). Im Anschluss fällt zwischen dem 15:16 (41.) und 20:16 (48.) eine kleine Vorentscheidung. "Am Ende war es bei uns auch ein Kraftproblem", sagt Bosniens Keeper Benjamin Buric, der den EHF-Beschluss, das Spiel nicht abzusagen, nicht kommentieren wollte: "Wir waren hier mit elf Spielern, davon sieben Amateure. Das reicht doch als Antwort."

In Gefahr gerät der deutsche Sieg schließlich nicht mehr. Die ersten zwei Punkte in der EM-Quali sind auf dem Konto. "Es war kein Debüt, wie ich es mir gewünscht habe, aber wie ich es befürchtet hatte", so Gislason.

Länderspiel gegen Bosnien - Alfred Gislasons zweiter Anlauf
Tamo Schwarz 04.11.2020
Niklas Schomburg 04.11.2020
Jonas Bickel 04.11.2020