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Sportmix Beiersdorfer steht vor Kampf mit Dämonen
Sport Sportmix Beiersdorfer steht vor Kampf mit Dämonen
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08:00 17.07.2014
Von Thomas Pfeiffer
Hohes Gehalt, niedrige Leistung: Für dieses ungute Verhältnis stand Kapitän Rafael van der Vaart wie auch viele andere HSV-Profis. Wird in der neuen Saison alles besser? Quelle: imago
Hamburg

Der ehemalige HSV-Profi und -Sportdirektor muss und will den Dino quasi neu erfinden, um den riesigen Problemberg abzutragen und den Traditionsklub in eine bessere Zukunft zu führen. Anfänge sind gemacht, doch noch gibt es weitaus mehr offene Fragen als Antworten.

 Am 25. Mai beschlossen 86,9 Prozent der anwesenden HSV-Mitglieder die Überführung der Profi-Abteilung in eine Aktiengesellschaft. Diese imposante Mehrheit war nicht zuletzt der Ankündigung des Milliardärs und HSV-Unterstützers Klaus-Michael Kühne geschuldet, in den mit 100 Millionen Euro verschuldeten Klub als Soforthilfe einen zweistelligen Millionenbetrag zu pumpen. Das ist bis heute nicht geschehen, aus zwei Gründen. Zum einen knüpfte Kühne an ein finanzielles Engagement Bedingungen (z. B. Übertragung von AG-Anteilen an ihn), die die neue Führung nicht akzeptierte. Zum anderen will Beiersdorfer eine Abhängigkeit von einem einzigen Investor unbedingt vermeiden. Dieser eigentlich sinnvolle Standpunkt hat frische Spannungen erzeugt, denn der neue Aufsichtsratschef Karl Gernandt wird als Kühne-Vertrauter von Teilen der HSV-Verantwortlichen mittlerweile kritisch gesehen. Für steigende Nervosität sorgt zudem die Tatsache, dass „strategische Partner“, die die überlebenswichtigen Geldmittel zur Verfügung stellen sollen, noch nicht gefunden sind. Auch deshalb musste der Kauf von Torjäger Pierre-Michel Lasogga von Hertha BSC mit dem Transfer von Hakan Calhanoglu nach Leverkusen gegenfinanziert werden. Ursprünglich hatte Beiersdorfer das Talent Calhanoglu unter allen Umständen halten wollen.

 Der Vorstandschef hat mit der Entlassung von Sportdirektor Oliver Kreuzer und der Einstellung des sportlichen Koordinators Bernhard Peters zukunftsweisende Personalentscheidungen getroffen. Doch der Kampf mit den Dämonen der Vergangenheit hat gerade erst begonnen. Gernandt sah sich genötigt, den zweiköpfigen Vorstand mit Beiersdorfer und Marketing-Mann Joachim Hilke um den Präsidenten des Rest-Vereins, Carl-Edgar Jarchow, zu erweitern, um die Gegner der AG ins Boot zu holen. „Die Ausgliederung hat den gesamten Verein stärker erschüttert als zunächst angenommen“, begründete Gernandt in der „Hamburger Morgenpost“ die Entscheidung, die Beiersdorfer alles andere als zielführend finden dürfte. Jarchow ist neben Kreuzer das Symbol für den Niedergang des Klubs.

 Jarchow hatte immer wieder betont, dass der Gehaltsetat der Profis von rund 42 Millionen Euro auf 38 Millionen abgesenkt werden müsse. Vor der am 23. August beginnenden Saison dürfte eher das Gegenteil eintreten. Zwar haben Robert Tesche, Tomas Rincon (Verträge liefen Ende Juni aus) und Calhanoglu den HSV verlassen (Gehaltsersparnis rund zwei Millionen). Doch allein Lasogga verdient jetzt rund drei Millionen im Jahr. Hinzu kommen Neuzugang Zoltan Stieber sowie die zurückgekehrten Leihgaben Artjoms Rudnevs, Per Skjelbred und Gojko Kacar. Letzterer allein streicht – Ex-Vorstandschef Bernd Hoffmann sei Dank – 1,8 Millionen ein. Unverändert am HSV-Ball sind die teuren und sportlich umstrittenen Altstars Rafael van der Vaart (3,5 Millionen), Rene Adler (2,7) und Heiko Westermann (2,1). Geschenkt sei hier die Auflistung von zehn weiteren Feldspielern, die geschätzt jeweils mindestens eine Million verdienen. Nichtsdestotrotz wünscht sich Trainer Mirko Slomka Verstärkungen in allen Mannschaftsteilen, Beiersdorfer hat angekündigt, „bald Entscheidungen“ zu treffen. Bleibt das Schunkellied: Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?

 Zur Erinnerung: Dieser fürstlich entlohnte Kader ist im Mai nur mit viel, viel Glück dem Abstieg entkommen. Slomka konnte als dritter Trainer innerhalb einer Saison den negativen Trend nicht stoppen. Es ist kein Geheimnis, dass sich der Coach einen Fehlstart gegen die beiden Aufsteiger Köln und Paderborn sowie in Hannover und gegen die Bayern nicht erlauben darf...

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