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Sportmix Kiel ist „stolz wie Bolle“
Sport Sportmix Kiel ist „stolz wie Bolle“
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21:00 13.04.2015
Von Martina Drexler
Vor der olympischen Flamme auf dem Rathausplatz zeigten sich Sportdezernent Gerwin Stöcken (li.), Bürgermeister Peter Todeskino und Olympia-Projektleiter Christian Riediger (re.) bereits im Olympia-Fieber. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Kiel ist als Welthauptstadt des Segelns der natürliche Partner Hamburgs – davon waren die Stadtoberen ebenso überzeugt wie davon, dass Kiel auf Olympia-Kurs schon in den nächsten Jahren einen richtigen Schub erlebt. Doch Todeskino und Sportdezernent Gerwin Stöcken gaben zu, dass sie bis zur Pressekonferenz der Olympia-Kommission in Hamburg gefiebert haben, ob die Wahl am Ende nicht doch auf Rostock fällt: Deren Präsentation vor den Olympia-Prüfern soll sehr gut ausgefallen sein.

 „Hamburg hat an Kiels Weltruf in Sachen Segeln geglaubt“, zählte der Bürgermeister auf, welche Vorzüge Kiel den Zuschlag bescherten: das Olympia-Zentrum in Schilksee, die Nähe zwischen Besuchern und Sportlern, genug Raum, um das Areal weiterzuentwickeln, aber auch die Alternative, Holtenau sozusagen als „Bonbon“ mit seinen großen Möglichkeiten anbieten zu können. Den Konkurrenten Rostock, Lübeck und Cuxhaven zollte er großen Respekt: Es sei ein fairer Wettbewerb gewesen. „Ich bin so stolz wie Bolle, dass wir es im Team geschafft haben“, erzählte Todeskino, und wie er Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in dessen Rom-Urlaub informiert hat: „Ich erwischte ihn im Vatikan-Museum, vielleicht ein Fingerzeig von oben“, flachste er.

 Bereits in den vergangenen Wochen hat die Stadt Kiel sich auf das ersehnte positive Votum des Internationalen Olympischen Komitees vorbereitet: Die fertigen Ausschreibungen für die Machbarkeits- und Planungsstudie gehen jetzt heraus, ein Konzept für die Beteiligung der Bürger wird ausgearbeitet. In den nächsten Monaten sollen öffentliche Veranstaltungen, Infomaterial und Workshops auf Olympia einstimmen, bevor die Kieler und Kielerinnen parallel zu Hamburg im November in einem Bürgerentscheid befragt werden. Rund 800000 Euro muss die Stadt dafür in die Hand nehmen. Trotzdem lassen bisherige Umfragen eine hohe Zustimmung in der Bevölkerung erwarten, zumal ältere Einwohner immer wieder an die Investitionen in die Infrastruktur Kiels erinnern, als die olympischen Segelregatten 1972 mehr als 500 Millionen Mark an Investitionen auslösten. Vor allem die Kommunalpolitiker halten die große Begeisterung für ein wichtiges Pfund: Neben der Freude, dass Kiel das Rennen um den Segel-Standort gewonnen hat, einte am Monatg SPD, Grüne, SSW und CDU die Einschätzung, dass der Bürgerentscheid den Olympia-Kurs der Stadt bestätigen wird.

 Zur großen politischen Unterstützung kommt die Rückendeckung der Wirtschaft, der Hochschulen und der Sportler. Kiel habe jetzt die große Chance, sich als Segelstandort weiterzuentwickeln, freute sich Carsten Krage, Vorsitzender des Kieler-Yachtclubs. Nikolaus Rickers, Geschäftsführer Point of Sailing und Mitglied im Regatta-Ausschuss des Kieler Yacht-Clubs, glaubt, dass Kiel vor allem deshalb die Nase vorn hatte, weil die Segler über ein gutes Netzwerk und über wichtige Erfahrungen in der Medialisierung des Sportes verfügen. Prof. Lutz Kipp, Präsident der Kieler Universität, versprach, als Partnerhochschule des Spitzensports „mit aller Kraft“ die internationale Olympia-Kampagne zu unterstützen. Hans-Jakob Tiessen, Präsident des Landessportverbandes Schleswig-Holstein, hofft, dass ganz Schleswig-Holstein die Entscheidung akzeptiert: „Wenn nun der verdiente Zuschlag für Schilksee erfolgt ist, sollte sich Lübeck nicht zurückgestellt fühlen.“ Denn von der Entscheidung profitiere nicht nur die Region, sondern auch das gesamte Land.

 In dieselbe Kerbe schlägt auch Klaus-Hinrich Vater, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel: Sailing-City habe sich durchgesetzt und verstärke die Chance der deutschen Olympiabewerbung. Die Wirtschaft sei sicher, sagt er, dass allein schon die Kandidatur positive Effekte für Kiel und darüber hinaus auslösen werde: „Allein die nationale und internationale Wahrnehmung Kiels in diesem Zeitraum ist mit Geld nicht aufzuwiegen.“