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Sportmix Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Geisterspielen in Kiel
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10:25 11.03.2020
Das Coronavirus sorgt für Geisterspiele für den THW Kiel und für Holstein Kiel. Mehrere Heimpartien sind betroffen. Quelle: Sascha Klahn / Daniel Reinhardt / ---/NIAID-RML/AP/dpa
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Kiel

In Schleswig-Holstein sind nach der Entscheidung der Landesregierung alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern bis zum 10. April abgesagt, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Für die Zebras und die Störche heißt das: Die nächsten Heimspiele werden Geisterspiele sein.

Um welche Spiele geht es?

Alle Heimspiele bis einschließlich 10. April 2020 sind von der Regelung betroffen.

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Übersicht: Diese Begegnungen vom THW Kiel und von Holstein Kiel sind Geisterspiele

Ironie des Schicksals: Die Partie gegen den BHC hatten die Zebras gerade erst vom 23. April vorverlegt, um eine bessere Vorbereitung auf das Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League (25./26. April) zu haben. „Aber die Ereignisse haben uns überrollt“, sagt THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. Hier käme durchaus eine Rückverlegung auf das ursprüngliche Datum in Betracht.

Holstein Kiel wird nach derzeitigem Stand nur eine Partie ohne Publikum im Holstein-Stadion bestreiten: das Topspiel am 21. März gegen den VfB Stuttgart. Aber auch am Sonnabend (13 Uhr) bei Jahn Regensburg werden die Störche vor leeren Rängen spielen. Zudem muss wohl auch das Auswärtsspiel beim VfL Bochum (5. April) ohne Zuschauer gespielt werden. Der Hamburger SV und der FC St. Pauli sind derweil noch nicht von Heimspielen ohne Fans betroffen. Die Hansestadt will im Einzelfall über Absagen entscheiden.

Was sagen Klubs und Verbände?

„Das ist eine bisher nie dagewesene Ausnahmesituation“, sagt THW-Kiel-Geschäftsführer Viktor Szilagyi. „Nach der Ungewissheit der vergangenen Tage ist es gut, Klarheit zu haben. Einerseits haben wir jetzt eine behördliche Anordnung, die bis zum 10. April gilt, andererseits ist es für uns eine unglückliche Entwicklung. Wir haben wochenlang an einer Verlegung des Heimspiels gegen den Bergischen HC aus sportlichen Gründen gearbeitet. Jetzt müssen wir uns, muss sich der gesamte Sport Gedanken machen, wie es weiter geht.“

Szilagyi weiter: „Wir haben gerade das hochemotionale Spiel gegen die Löwen gesehen – jetzt stehen wir vor der Konstellation, ein Top-Spiel wie das gegen Magdeburg ohne Zuschauer austragen zu müssen. Die sportlichen und wirtschaftlichen Folgen sind insgesamt noch gar nicht absehbar.“

„Wir sind uns unserer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst“, sagt Uwe Schwenker, Präsident der Handball-Bundesliga (HBL). Schwenker betont aber auch, dass man die wirtschaftliche Situation der Vereine im Auge behalten müsse, es gehe auch um „existenzielle Fragen“.

„In einem anderen Maße als im Fußball sind die Handball-Bundesligisten auf die Zuschauer-Einnahmen angewiesen.“ Aktuell wollen die HBL-Verantwortlichen die Nationalmannschaftspause nutzen, um am Montag bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung abschließend über ein einheitliches Vorgehen und die Frage nach Geisterspielen oder alternativen Spielverlegungen zu beraten.

Schwenker: „Momentan kann ich das noch nicht seriös beantworten. Wir dürfen aber kein Chaos in die nächste Saison tragen, brauchen bis zum Saisonende Klarheit über Auf- und Absteiger, Meister und Europapokalteilnehmer.“ Gefährdet ist auch das Final Four um den DHB-Pokal am 4./5. April in Hamburg, das nach jetzigem Stand „noch nicht abgesagt“ ist (Schwenker).

Holstein Kiels Klubpräsident Steffen Schneekloth sagt: „Wir hätten uns gewünscht, dass die jeweilige Entscheidung, wie auch im Infektionsschutzgesetz vorgesehen, von der zuständigen örtlichen Gesundheitsbehörde getroffen worden wäre, ... oder aber, dass aus Gründen der sportlichen wie wirtschaftlichen Wettbewerbsgleichheit eine bundesweit einheitliche Handhabung, unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu spielen, beschlossen worden wäre.“

Was heißt das für die Ticket-Inhaber?

Beim THW Kiel verweist man auf die HBL-Mitgliederversammlung am Montag. „Erst nach dieser Sitzung können die Planungen, wie wir als THW Kiel mit dieser außergewöhnlichen Situation umgehen werden, ins Detail gehen“, so Szilagyi. Dann werde man die Fans, Sponsoren und Partner umgehend informieren. „Es gibt für Lösungen in dieser Situation keine Blaupause.“

„Fans, die bereits Tickets für eine dieser KSV-Partien gekauft haben, erhalten ihr Geld zurück“, lässt Holstein zu den Geisterspielen verlautbaren. Das gilt für Heim- und Auswärtsspiele – und auch für Fans mit einem Saisonticket, die eine anteilige Rückerstattung erhalten. Wann und in welcher Form das passieren wird, ist aber noch unklar. Man wolle „zeitnah darüber informieren“, erklärt Holstein Kiel.

Welche finanziellen Folgen hat das für die Klubs?

Es ist davon auszugehen, dass die Klubs auf den entgangenen Einnahmen durch Ticketverkäufe sitzen bleiben. Die Stadt Kiel jedenfalls wird sich nicht zur Kasse bitten lassen. „Einen Regressanspruch an die Stadt haben die Vereine nicht“, sagt Sportdezernent Gerwin Stöcken. „Wir haben auch kein Budget für den Ausfall von Veranstaltungen.“ KSV-Präsident Schneekloth zufolge sind die wirtschaftlichen Folgen „sehr schmerzhaft“.

Nach derzeitigem Stand ist zwar nur das Stuttgart-Spiel betroffen, allerdings wären dort knapp 15000 Zuschauer zu erwarten gewesen. Die entgehenden Einnahmen bewegen sich im höheren sechsstelligen Bereich. Ähnlich wie bei den Zebras. Der Bilanz des THW Kiel aus der Saison 2018/2019 folgend, schlagen die Zuschauereinnahmen mit mehr als 200000 Euro pro Partie zu Buche.

Coronavirus in Schleswig-Holstein

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