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Sportmix Vorwürfe gegen Flensburg-Akademie bestätigt
Sport Sportmix Vorwürfe gegen Flensburg-Akademie bestätigt
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18:02 11.05.2019
Von Merle Schaack
Foto: Das Handball-Internat der SG Flensburg-Handewitt.
Das Handball-Internat der SG Flensburg-Handewitt gerät wegen eines brutalen Aufnahmerituals in die Kritik. Quelle: Frank Molter (Archivbild)
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Flensburg

Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe. Darin schildert der heute 19-jährige Ole B., wie er kurz nach seiner Ankunft an der Akademie im Spätsommer 2015 durch seinen Zimmernachbarn vom Aufnahmeritual „die Zange“ hörte.

Am 17. März 2016 wurde der talentierte Linksaußen aus dem Kreis Ostholstein selbst Opfer des Rituals, das dem Bericht zufolge mehrere Jugendliche bei ihm durchführten. „Ich war einfach so in Schockstarre. Mir wurde schwarz vor Augen“, sagte er dem "Spiegel".

Noch am selben Abend ließ er sich von seinem Vater abholen. Ole B.s Eltern ließen die Verletzung ärztlich dokumentieren, verzichteten aber auf Strafanzeige. Unter anderem, weil sie mit den Eltern eines Täters privat befreundet waren. Die Akademieleitung forderten sie auf, den Vorfall aufzuklären und dem Ritual ein Ende zu bereiten. 

Keiner der Täter wurde suspendiert

Suspendiert wurde keiner der Täter. Es gab einen Rundbrief an die Eltern, in dem es hieß, es sei eine Grenze deutlich überschritten worden und das Ritual sei sofort einzustellen. Der Geschäftsführer der Akademie, Lewe Volquardsen, sagte auf Anfrage des „Spiegel“, es seien „pädagogische Maßahmen“ wie Küchendienst, Stubendienst und Außendienst für die Jugendlichen ergriffen worden. 

Neun Monate nach dem Vorfall holten die Eltern Ole B. nach Hause. Ärzte diagnostizierten eine Posttraumatische Belastungsstörung. Mit dem Handballspielen hat er aufgehört. Inzwischen hat er sein Abitur in der Tasche. Bis zum Schulabschluss wollte er dem „Spiegel“ zufolge damit warten, seine Geschichte öffentlich zu machen. 

Verein bestätigt Vorwürfe

Den Zeitpunkt der Veröffentlichung einen Tag vor dem Spitzenspiel des Bundesliga-Tabellenführers SG Flensburg-Handewitt bei Verfolger THW Kiel kommt dem deutschen Meister ungelegen. Wie das „Flensburger Tageblatt“ berichtet, heißt es in einem Schreiben des Akademie-Anwalts an die Spiegel-Chefredaktion, die Veröffentlichung am Tag vor dem Landesderby solle „maximale Aufmerksamkeit“ erzeugen.

In einer auf der Homepage des Bundesligisten veröffentlichten Stellungnahme wehren sich die Verantwortlichen zudem gegen den Eindruck, der Vorfall sei unzulänglich aufgearbeitet worden. Am Sonnabendnachmittag hat der Verein die Vorwürfe bestätigt.

"Ich verurteile solche Rituale aufs Schärfste“, sagte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Wir haben eine sehr kompetente Akademieleitung, die verantwortungsvoll mit der Problematik umgegangen ist.“

Volquardsen verweist auf Maßnahmen wie Entwicklungsgesprächen mit den Spielern, Elterngesprächen und einem vertieften Auswahlverfahren sowie der Anstellung einer Sportpsychologin, die die Akademie im Zuge der Aufarbeitung ergriffen habe. „Seit dem Vorfall im Jahre 2016 sind keine weiteren Vorfälle bekannt geworden. Wir sind daher der Auffassung, dass sich die Aufarbeitung als wirksam erwiesen hat. Die Vorfälle der Vergangenheit bedauern wir sehr, betrachten sie aber als intensiv aufgearbeitet.“, sagt Volquardsen. 

Der „Spiegel“-Bericht endet allerdings mit einer Passage, in der Ole B. erzählt, wie er vergangenen Herbst alte Kumpel traf. Sie hätten ihm berichtet, das Ritual sei an der Akademie wieder durchgeführt worden. 

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