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Sportmix Deutschland mit Remis gegen Frankreich
Sport Sportmix Deutschland mit Remis gegen Frankreich
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23:32 15.01.2019
Von Tamo Schwarz
In der Vorrunde bei der Handball-Weltmeisterschaft 2019 trifft Gastgeber Deutschland (weiß) auf den Titelverteidiger Frankreich (blau). Hendrik Pekeler kämpft mit Adrien Dipanda (links) am Boden um den Ball. Quelle: Sascha Klahn
Berlin

Kapitän Uwe Gensheimer trat vor Wut gegen den Pfosten, Torwart Andreas Wolff biss frustriert in sein Trikot: Trotz der besten Turnierleistung haben Deutschlands Handballer einen Sieg gegen Titelverteidiger Frankreich in letzter Sekunde verpasst. Durch das 25:25 (12:10) am Dienstagabend im Handball-Krimi von Berlin steht die DHB-Auswahl aber zumindest vorzeitig in der WM-Hauptrunde und hat im Kampf um das Halbfinale weiter alle Trümpfe in der Hand.

Wieder so ein Schlüsselspiel. Gewiss, es ist erst die WM-Vorrunde, doch es geht um eine hoffnungsvolle Ausgangsposition für die Hauptrunde in Köln. Das weiß jeder der 13500 in der Berliner Mercedes-Benz Arena. Bei der Vorstellung der Mannschaft gibt der Hallensprecher den Vornamen vor, die Fans antworten mit den Nachnamen in Schlachtruf-Lautstärke. Uwe ... Gens! Hei! Mer! Paul ... Druuux! Klingt wie eine Drohung. Die Nationalhymne? Noch lauter! Und dann geht es los, Anpfiff, die Halle kocht.

Frankreich ohne Superstar Nikola Karabatic

Nach nur wenigen Sekunden fällt Barcelona-Kreisläufer Ludovic Fabregas Steffen Weinhold und muss für zwei Minuten vom Feld. Wer ist hier der Stärkere? Frankreich läuft ohne Superstar Nikola Karabatic ein, der zwar in Berlin mit der Mannschaft trainiert, nach einer Zeh-OP aber noch nicht so weit ist und auf der Tribüne mitfiebert. Die Équipe Tricolore fängt gleich mit einem katalanischen Block an: Dika Mem und Timothey N’Guessan auf den Halbpositionen, Fabregas am Kreis, Koloss Cedric Sorhaindo in der Abwehr. Spanische Macht. Und die Deutschen?

Keine Experimente: Bundestrainer Christian Prokop vertraut wie immer den Außen Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki, stellt im Rückraum Steffen Fäth und Steffen Weinhold an die Seite von Spielmacher Martin Strobel, Hendrik Pekeler an den Kreis, der wechselweise in der 3:2:1-Deckung die Position an der Spitze einnimmt (in Überzahl), in der 6:0-Formation mit Patrick Wiencek wie gewohnt den Innenblock bildet. Deutschland spielt in der Abwehr 60 Minuten lang überragend, macht den Franzosen das Leben schwer. Besonders Patrick Wiencek wächst über sich hinaus. Deutschland verschiebt, blockt, rückt weit heraus gegen die flinken Les Bleus mit Spielmacher Kentin Mahé. Im Angriff gehen die Sterne von Martin Strobel und Fabian Wiede bei dieser WM so richtig auf, strahlen hell. Strobel kurbelt das Spiel an, sorgt für Torgefahr (vier Treffer), erkennt vor der Pause die Lage, will die Kreisläufer zusehends besser in Szene setzen.

Wiede zwischen Genie und Wahnsinn

Ein bisschen fehlt der letzte Zug zum Tor, Steffen Fäth kann kaum reüssieren. Nervosität ist irgendwie auch ein ständiger Begleiter in diesem bis dato besten WM-Spiel der Deutschen. WM-Spiel? „Das war der beste Auftritt der letzten zwei Jahre“, frohlockt Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes. Es ist ein kurioser Weg hinein in eine dramatische Thriller-Schlussphase. Patrick Groetzki (stark formverbessert), Hendrik Pekeler, Gensheimer und Strobel mit starken Einzelaktionen halten den Gastgeber am Leben. Und der eingewechselte Fabian Böhm. Das Publikum spürt beim 16:17 (41.), dass alles auf der Kippe steht, lässt „Deutschland, Deutschland!“-Rufe aufbranden. Und dann ist da noch der Berliner Fabian Wiede im rechten Rückraum. „Er darf mehr Fehler machen als alle anderen, weil er mehr direkte Pässe zum Tor macht“, sagt Hanning. Wiede ist Wahnsinn: Sein überhasteter Wurf in doppelter Überzahl (43.), seine verrückten Diagonalpässe bringen fast alles zum Einsturz. Wiede ist Genie: Seine Wahnsinnstore zum 20:19 (49.), zum 25:23 (57.) reißen alle mit, die diesem Spiel beiwohnen dürfen.

Thriller in der Schlussphase

Dann geht es drunter und drüber: Böhm scheitert an Keeper Vincent Gerard (59.), Deutschland liegt 25:24 vorn, ist in Ballbesitz, dann unterläuft Böhm und Gensheimer ein kapitales Missverständnis, der Ball fliegt ins Aus. „Ganz klar mein Fehler. Aber wir haben heute eine gute Show geboten“, sagt der Hannoveraner. Jetzt mit Mann und Maus gegen den letzten französischen Angriff. Noch drei Sekunden zu spielen, Freiwurf Frankreich, Block Wiencek, Wiederholung (der Ball war nicht freigegeben), eine letzte Finte, und Timothey N’Guessan trifft. Ein Tritt gegen den Pfosten, ein kurzer Schock. Doch Deutschland hat wieder alle Karten in der Hand, wird voraussichtlich mit 3:1 Punkten in die Hauptrunde gehen. Ein Remis, das sich wie ein Sieg anfühlt. Christian Prokop: „Eine großartige Leistung gegen den amtierenden Weltmeister. Das macht einen schon stolz.“

Facebook live am Mittwoch um 12.30 Uhr

Facebook live: Diskutieren Sie mit uns live über die deutsche Nationalmannschaft und die Handball-WM. Am Mittwoch um 12.30 Uhr im Livestream auf der Facebookseite der Kieler Nachrichten.

Beim WM-Spiel in Berlin trennen sich deutsche und französische Handballer mit 25:25.
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KN-online (Kieler Nachrichten) 15.01.2019