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Sportmix „Hej, es geht nur um Olympia“
Sport Sportmix „Hej, es geht nur um Olympia“
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07:00 24.11.2015
Von Gerhard Müller
Für DOSB-Präsident Alfons Hörmann (links) ist Michael Neumann der Motor der Hamburger Olympia-Bewerbung. Quelle: imago/camera4
Hamburg

Der Motor muss im Endspurt vor dem Referendum am 29. November seine Drehzahl erhöhen, an der Elbe ist Wahlkampf. Es geht um nichts Geringeres als die Jahrhundertchance, die olympische Hochleistungsschau in Deutschlands Norden zu holen.

 Aus diesem Anlass ist Michael Neumann zu Gast bei der Körber-Stiftung in der Hafen-City. Mit ihm auf dem Podium befinden sich Wolfgang Maennig, Ruder-Olympiasieger im Achter 1988 in Seoul und Wirtschafts-Professor, sowie Sabine Lafrentz von der Initiative „Stop Olympia“. Der Moderator hat sich sicherheitshalber zwischen den Motor und die Dame, die die Bremse verkörpert, positioniert. Im Saal befinden sich mehr als 250 interessierte Bildungsbürger, mancher jenseits der 60, Typ pensionierter Oberstudienrat. Nicht wenige Gäste zweifeln, ob das wirklich eine gute Idee ist, sich um ein milliardenteures Sportfest zu bewerben. Doch sie wollen erstmal hören, was der Innensenator zu sagen hat.

 Der Moderator sorgt mit wohl formulierten Worten zunächst mal für eine entspannte Gesprächsatmosphäre. Michael Neumann stellt er als „Gesicht und Herz der Olympiakampagne“ vor. Der Sozialdemokrat bestreitet den Abend dann aber doch lieber mit Köpfchen. Fakten sind gefragt, keine Faxen. Von Politikern, gerade in Hamburg, ist der Bildungsbürger ja einiges gewohnt. Die Elbphilharmonie, das in unmittelbarer Nachbarschaft der Körber-Stiftung gelegene Mahnmal von Größenwahn und Geldverschwendung, lässt grüßen.

Michael Neumann, der Vollprofi

 Neumann, den Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer als Vollprofi schätzt, beginnt taktisch geschickt. Er spricht von den aktuellen Flüchtlingsproblemen, der DFB-Krise, olympischem Gigantismus und dem Eurograb Elbphilharmonie, ehe er elegant die Kurve nimmt: „Das alles ist jedoch auch eine große Chance, der Welt mit Olympischen Spielen zu zeigen, dass Hamburg mit solchen Herausforderungen umgehen kann.“ Der Motor ist damit auf Betriebstemperatur.

 Doch nun warten auf den 45-Jährigen die heiklen Hürden. Was ist mit den 6,2 Milliarden Euro, die Hamburg vom Bund will, ohne dass aus Berlin bis zum Referendum eine Zusage erfolgen wird? „Kein Problem“, versucht er seinen Zuhörern zu vermitteln, „wir müssen dem IOC erst im Februar eine Ansage machen, bis dahin wird die Zusage vorliegen.“ Es gehe bei dieser Bewerbung schließlich um eine nationale Aufgabe, es bewerbe sich ja Deutschland mit Hamburg. Außerdem habe Bürgermeister Olaf Scholz versprochen, der Hamburger Eigenanteil von 1,2 Milliarden Euro werde nicht überschritten: „Wir setzen von Anfang an auf Wahrheit und Klarheit, weil wir später nicht durch die Stadt gejagt werden wollen, nur weil sich eine Investition von 77 auf fast 800 Millionen verändert hat“, sagt Neumann und fügt sanft lächelnd hinzu: „800 Millionen für die Elbphilharmonie, 1,2 Milliarden für Olympia – man hat in Hamburg schon schlechtere Geschäfte gemacht.“

 Das vermag Sabine Lafrentz („Ich glaube den Zahlen des Senats nicht, die Fakten liegen vor der Abstimmung nicht auf dem Tisch“) nicht zu überzeugen. Selbst Wolfgang Maennig staunt, dass Hamburg sich nicht mit dem Bund abgesprochen hat, bevor Olaf Scholz die Finanzforderung formulierte. In Reihe zehn will nun ein Zuhörer wissen, welche Garantieerklärungen der Senat denn im Februar beim IOC abgeben müsse. Neumann, der Anhänger von Wahrheit und Klarheit, verfügt im Gegensatz zu anderen Motoren augenscheinlich über keine Schummel-Software. Fast schon entwaffnend ehrlich räumt er ein, dass er auch viele deutsche Gesetzestexte nicht auswendig könne und die IOC-Anforderungen erst recht nicht, denn die seien in Englisch verfasst. Das kommt beim Publikum gar nicht gut an, Häme schlägt ihm entgegen, Gelächter. Ob es denn in der Innenbehörde keine Übersetzer gebe? Nach Ende der Podiumsdiskussion wird der Diplom-Politikwissenschaftler einräumen: „In diesem Moment habe ich mich geärgert, dass ich mich auf diese Frage nicht besser vorbereitet hatte. Aber grundsätzlich finde ich, dass es besser ist zugegeben, dass man etwas nicht weiß als dumm rumzuquatschen.“

McDonalds, Olympia 2024 und Hamburg

 Weiter geht’s. Das Saal-Mikrofon transportiert die nächste kritische Frage. Neumann sitzt, doch er hat einen schweren Stand. Wie ist das denn mit der Einschränkung von Bürgerrechten in den olympischen Knebelverträgen, den Bannmeilen um die Stadien, wird der Imbissbesitzer in St. Pauli während der Spiele von IOC-Sponsor McDonalds verdrängt? Wenn es um Hamburger geht, wirkt der ehemalige Berufssoldat leicht angefressen: „Wir werden nicht jeden Quatsch des IOC mitmachen, wir werden unsere Werte nicht verraten, nur um Austragungsort von Olympischen Spielen zu sein.“ Und da er eine gewisse Skepsis wahrzunehmen scheint, setzt er noch einen drauf: „Sie glauben doch nicht, dass ich als Innensenator solche Aussagen treffe, um hinterher das Gegenteil zu tun und mein politisches Schicksal damit verknüpfe, ob McDonalds hier 2024 Bouletten verkaufen kann oder nicht?“

 Das glauben seine Zuhörer vielleicht eher nicht, sie glauben aber auch nicht, dass ein Hamburger Politiker sich bei solchen Vertragsinhalten gegen das mächtige IOC wird durchsetzen können. „In diesem Punkt fand ich ihn nicht überzeugend“, sagt hinterher ein drahtig wirkender früherer Sportlehrer, der nicht sicher ist, dass er nach diesem Abend mit Ja stimmen wird. Es ist nicht der einzige Gast, der unentschieden nach Hause geht.

 Michael Neumann wirkt jedoch, als sei er mit sich und seinem Auftritt zufrieden. „Ich mag solche Diskussionen, deswegen bin ich in die Politik gegangen.“ Außerdem habe er schon Veranstaltungen mit deutlich aufgeheizterer Atmosphäre erlebt: „Ich sage den Menschen dann immer, hej, es geht nur um Olympia.“ Obwohl, das stimmt so auch nicht. Der gebürtige Dortmunder erzählt vom Besuch eines Borussia-Heimspiels gegen Bayern München mit seinem Vater Ottmar und seinen Zweifeln, ob er sich das Politikgeschäft noch lange antun solle. Sein Vater habe ihm daraufhin gesagt: „Bist du bekloppt, willst du dir die Chance entgehen lassen, Olympische Spiele nach Hamburg zu holen?“ Das, so Neumann, sei eine echte westfälische Ansage gewesen. Und so blieb der mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Aydan Özoguz verheiratete Vater einer zwölf Jahre alten Tochter, die ihm kürzlich mitteilte, Politik käme für sie später auf keinen Fall in Frage, am Ball.

 Zum Abschluss holt er sein Handy heraus und klickt eine App an, die den Countdown in Stunden, Minuten und Sekunden anzeigt bis zum 29. November, 18 Uhr, dem Ende des Referendums in der Hansestadt. Die Zeit läuft. Der Motor auch.

Stefan Moik ist ein Kämpfer, auf und neben dem Fußballplatz. Dabei ist der Neumünsteraner seit rund sechs Jahren unheilbar an der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) erkrankt. Der 49-Jährige verfolgt weiter seine Ziele der Gesundung und sagt: „Erst mit dem Abpfiff ist das Spiel zu Ende.“

Jörg Lühn 24.11.2015

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