Formationstanzen: 1. Latin Team Kiel trainiert auf Bundesliga-Premiere hin
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Formationstanzen: 1. Latin Team Kiel trainiert auf Bundesliga-Premiere hin

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11:05 02.06.2021
Von Clemens Behr
Ein langer Weg zur Perfektion: Das 1. Latin Team Kiel trainiert für die Erste Bundesliga im Formationstanz
Ein langer Weg zur Perfektion: Das 1. Latin Team Kiel trainiert für die Erste Bundesliga im Formationstanz Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

„Und nochmal von vorne.“ Wieder dieser Satz. Ohne zu murren, stellen sich die Tänzerinnen und Tänzer neu auf. Nehmen Haltung ein. Wieder tanzen sie die kurze Passage, die ihre Körper zuvor schon so oft durchgegangen sind. Und wie nach jeder Wiederholung korrigiert das Trainerteam eine andere Bewegung. „Das Becken mehr nach vorne.“ Und: „Keinen Schritt machen, den Fuß schieben.“ Oder: „Härter in der Bewegung.“ Szenen aus dem Training der A-Formation des 1. Latin Teams Kiel in der Sporthalle am Kieler Westring.

Bis zu den Deutschen Meisterschaften im November muss alles sitzen

Im vergangenen Jahr hat das LTK den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Erstmals tanzt eine Lateinformation aus Schleswig-Holstein in der höchsten Klasse. Erstmals hat sich damit eine Lateinformation aus dem Land für die deutschen Meisterschaften qualifiziert, die am 13. November in Bremerhaven geplant sind. Bis dahin soll jede Bewegung bei den 12 Paaren sitzen. Noch knapp ein halbes Jahr Vorbereitung für sechs perfekte Minuten.

An diesem Sonntag, in einer vierstündigen Trainingseinheit, geht es nur um Sekunden der Choreografie „No Limit“, die das LTK im zweiten Jahr tanzt. Nach monatelanger Corona-Pause und mit einigen Neuzugängen in der Formation steht dennoch viel Arbeit bevor. Heute steht die Paso-Doble-Passage auf dem Programm, einer von fünf geforderten Tänzen. Zunächst als Trockenübung, ohne Musik. Samba, Rumba, Cha-Cha-Cha und Jive folgen später.

Zur Not noch ein tausendstes Mal wiederholen

„Die Drehung muss beendet sein“, ruft Markus Baumgartner. Der 35-Jährige und Irina Marschall bilden in dieser Saison das Trainerteam. Bruder Randolf Baumgartner, vergangenes Jahr noch Chefcoach, ist zu den Tänzern aufs Parkett gewechselt. Nochmal von vorne. Die gleiche Passage. Markus Baumgartner steht mit verschränkten Armen vor seinem Team, neigt den Kopf als würde er ein Gemälde betrachtet – und findet sofort einen Pinselstrich, der da nicht hingehört: „Auf der eins müsst ihr rausdrehen.“

„Wir wiederholen die Sachen repetitiv bis es hundertprozentig sitzt. Niemand darf sich zu schade sein, das vielleicht noch ein tausendstes Mal zu machen“, sagt Baumgartner in einer kurzen Tanzpause. Es ist ein langer, aber notwendiger Prozess, den die LTK-Mannschaft durchläuft.

So entsteht die Formationsmusik

So entsteht die Formationsmusik

Die Formationsmusik zur Choreografie „No Limit“, wurde in einem Tonstudio in München eingespielt. Rund 30 Musikerinnen und Musiker der Münchner Philharmoniker waren an der Aufnahme beteiligt. Die Produktion einer Formationsmusik dauert etwa eine Woche und kann zwischen 15000 Euro und 25000 Euro kosten.

Auch die des LTK verschlang einen fünfstelligen Betrag, der durch Sponsoren und Mitgliedsbeiträge finanziert wurde. Zudem wird die Aufnahme von einem weiteren Bundesliga-Verein genutzt, wodurch sich die Kosten halbieren. In der Regel tanzt der LTK zwei Saisons mit einer Formationsmusik.

Notwendig, wenn es nicht nur eine Stippvisite in der Bundesliga werden soll. Denn Aufsteiger haben es schwer im Tanzsport. Die acht Paare, die bei den Turnieren gleichzeitig auf dem Parkett stehen, müssen noch stärker um die Gunst der Wertungsrichter kämpfen. „Wir müssen besonders gut tanzen, um uns zu behaupten“, sagt der LTK-Trainer. Drei Mannschaften müssen die Kieler in der aufgestockten Bundesliga hinter sich lassen, um die Klasse zu halten.

Tänzer und Trainer entwickeln Choreografie gemeinsam

Dafür wird jetzt der Grundstein gelegt. Manchmal brechen im Training Diskussionen aus, werden einzelne Bewegungen bis aufs kleinste Detail gemeinsam besprochen. Wird auf die fünf oder auf „und“ der Arm gestreckt? „Ich fühle das nicht wirklich“, sagt eine der Tänzerinnen.

„Eine Choreographie zu entwickeln, ist ein Prozess, in den wir auch die Tänzer integrieren. Wie fühlt es sich besser an? Wie sieht es besser aus? Das ist Gruppenarbeit“, sagt Baumgartner. Da kann es passieren, dass Bewegungen in der Choreo minimal abgeändert werden, zumal in einem frühen Zeitpunkt der Vorbereitung.

Mit den deutschen Meisterschaften im November beginnt die Tanzsaison. Daran schließen sich die Bundesliga-Turniere an. Bis dahin bleibt noch viel Zeit – und viel zu tun. „An der Genauigkeit der Bewegungen müssen wir noch arbeiten, dass alles mehr ausgetanzt ist. Aber ich bin schon mal zufrieden, wenn alle schwitzend aus dem Training gehen“, sagt Baumgartner. Und das ist nach dieser Einheit ohne Zweifel der Fall.

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