Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Sportmix SG und THW – mein Herz schlägt für beide
Sport Sportmix SG und THW – mein Herz schlägt für beide
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 20.06.2019
Von Tamo Schwarz
TV-Moderator Gerhard Delling gab im Oktober 2018 bekannt, dass er ab Ende Mai 2019 nicht mehr für die ARD moderieren werde. Quelle: Sascha Klahn
Husum

Gerhard Delling ist neuerdings häufig auf Sylt, zu Besuch bei seiner neuen Lebensgefährtin, der Hamburgerin Vicki Hinrichs. Der Autozug von der Insel hat Verspätung, aber bei „Tante Jenny“ am Husumer Hafen sind noch jede Menge Tische frei.

Herr Delling, können Sie ohne den Sport überhaupt leben?

Muss ich ja gar nicht. Es ergeben sich gerade mehrere Sachen, und ich werde dem Sport verbunden bleiben. Ich helfe zum Beispiel jemandem, eine Fußball-App zu entwickeln.

Und Sie schreiben ein Buch …

Daran schreibe ich schon lange. Es wird ein Roman, fiktional, aber mit einigen Realitätsbezügen. Es geht um eine Unternehmerin Ende des Zweiten Weltkrieges, die zu der Zeit ein großes Unternehmen aufgebaut hat.

In die wohlklingenden Abschiedshymnen haben sich auch Misstöne gemischt. Fühlten Sie sich bei der ARD als Journalist unterfordert?

Gab keine Misstöne. Das, was ich gerne gemacht hätte, war bei er ARD für mich einfach nicht möglich.

Was für Pläne hätten Sie denn gern umgesetzt? Und lässt sich Ihre Situation auf einen allgemeinen Qualitätsverlust im Fernsehen herunterbrechen? Für bestimmte Formate ist eben kein Platz mehr.

Das wäre abendfüllend. Und es wäre zu leicht, das an meinem bisherigen Arbeitgeber festzumachen. Ich glaube, dass es sowohl in Print als auch im Radio und Fernsehen früher noch mehr Platz für tiefergehende Stories gab. Fundierter journalistischer Hintergrund braucht Sorgfalt und kostet Geld. Ich habe „Sport unter der Lupe“ für den Südwestfunk moderiert und Filme für das Format gemacht. Das war journalistisch eine zutiefst befriedigende Herausforderung, zum Teil mit 15-Minuten-Filmen. Oder ich habe damals für den NDRSportclub Stars“ entwickelt aus dem dringenden Bedürfnis heraus, dass wir längere Magazin-Formate brauchen. Mir ging es jetzt aber nicht nur um Sport. Ich finde Hintergrund gut, so wie wir es zum Beispiel bei „Dellings Woche“ gemacht hatten. So etwas hätte ich mir gut vorstellen können. Es hat aber insgesamt einen gravierenden Wandel gegeben.

Steckbrief Gerhard Delling

Gerhard Delling wuchs in Büdelsdorf auf, besuchte das Rendsburger Gymnasium Herderschule und war ab 1977 freier Mitarbeiter beim SHZ in Rendsburg. Nach dem Abitur studierte er ab 1980 Volkswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er wurde zudem freier Mitarbeiter beim NDR in Kiel und war an Sportbeiträgen für den Hörfunk und für die TV-Sendung Schleswig-Holstein Magazin beteiligt sowie als Autor von Artikeln für das Deutsche Leichtathletik Magazin. Im Jahr 1984 erhielt er eine feste Anstellung als Sportreporter beim NDR. Fortan nahm Dellings Karriere ihren Lauf.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ich kann mich noch erinnern, wie ich einmal von einem Reitturnier zurückkam. Ich hatte in einer Reportage von einem Schild „Freie und Hansestadt Bremen“ abgelesen. Darüber wurde dann erst einmal eine halbe Stunde lang debattiert. Es ist natürlich die Freie Hansestadt Bremen. Wer damals in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen das gleiche Verb benutzt hat, war raus aus dem Geschäft. Heute würde es dieses Gespräch darüber, wie man sich ausdrückt, nicht einmal mehr geben. Die Richtung, in die sich der Journalismus entwickelt, ist bedenklich. Die Öffentlich-Rechtlichen sind da fast noch Leuchttürme. Aber es wird auch dort immer schwerer, nicht zu sehr auf den vermeintlich schnellen Erfolg zu setzen.

Ihre Ausflüge weg vom Sport waren immer von kürzerer Dauer, zum Beispiel bei der NDR-Talkshow.

Jeder Fall hat seine eigenen Ursachen. Talkshow beispielsweise schüttelt man nicht einfach aus dem Ärmel. Das muss man lernen, und damals war ich ja noch ganz am Anfang. Ich habe da in eineinhalb Jahren auch viel gelernt und wollte mehr lernen. Aber damals war da niemand, der mir das beibringen wollte. Bei „Zapp“ habe ich aufgehört, weil ich Sportchef beim NDR wurde. Das ging nicht parallel. Bei den „Tagesthemen“ war ich nur Vertretung. Da sollte ich auch mehr machen, aber das kollidierte mit meinem Sportkalender. Das letzte Format, das ich gemacht habe, war bis 2014 der „Wochenspiegel“ – absolut low-budget, engagierte, bissige Redakteure, hoher Anspruch. Der wurde dann aus politischen Gründen eingestellt, weil der „Bericht aus Brüssel“ auf den Sendeplatz sollte. Sonst wäre ich heute noch dabei.

Zieht es Sie eher wieder ins Politische?

Das Format war sehr interessant. Aber wenn es nach mir ginge, würde ich ewig ein Standbein im Sport behalten. Trotzdem bin ich auch immer politisch und wirtschaftsdenkend gewesen.

Hat Sky schon bei Ihnen angerufen?

Es haben sich ein paar gemeldet, aber im Augenblick muss ich erst einmal den Kopf frei kriegen. Ich glaube nicht, dass ich als nächstes unbedingt im Fernsehen zu sehen sein werde. Wenn, dann müsste mich etwas schon richtig packen. Vielleicht mache ich aber auch einfach nur einen Segelkurs.

Spüren Sie Gram, weil die ARD im Sport mit Matthias Opdenhövel, Jessy Wellmer oder Alex Bommes auf jüngere Kollegen setzt?

Überhaupt nicht! Ich habe irgendwann die Entscheidung getroffen, mich dann auch konsequent ganz zu verabschieden, weil ich mich nicht mehr superwohl gefühlt habe. Ich hatte herausragende Verabschiedungen in Hamburg beim „Sportclub“, bei der „Sportschau“ und auch beim Pokalendspiel. Ich kam aus den Emotionen gar nicht mehr heraus. Da sind auch Tränen geflossen. Ich war sehr gerührt.

Fußballberichterstattung im Fernsehen hat mit Ihnen und Günter Netzer eine verloren geglaubte Leichtigkeit zurückgewonnen.

Das verstehe ich nicht. Das gab es doch vorher auch, zum Beispiel mit Poschmann und Feldkamp. Wir haben doch keine Leichtigkeit zurückgebracht.

Netzer und Delling waren einfach weniger schematisch, leichter, humorvoller. Was glauben Sie, was Ihr Erfolgsrezept war?

Aber doch nicht leichter... Es war einfach total ehrlich. Es gab ja auch – wenn einer mal nicht so gut drauf war – Sendungen, wo nicht geflachst wurde. Günter Netzer hat sich total von allen Seiten für den Sport interessiert. Die ersten Sendungen bei der WM 1998 gingen bis zu zwölfeinhalb Stunden mit drei Spielen. Wir haben den ganzen Tag gefüllt, über Gott und die Welt gesprochen. Mit ihm konnte man über alles sprechen. Ohne den Humor hätte es vielleicht nicht so viel Aufsehen erregt, aber Günter Netzer wäre trotzdem einer der besten Experten gewesen, die man hätte haben können, weil er einfach viel davon versteht.

Ich möchte mir gern vorstellen, wie es ist, wenn Sie und Günter Netzer sich treffen und eine Sendung mit Welke und Kahn oder Wontorra und Lehmann sehen …

Das tun wir nicht. Jeder hat seine Art, und ich habe mich noch nie mit anderen verglichen. Ich habe aber natürlich bei manch einem besonders aufmerksam zugeschaut wie zB. Hans-Joachim Kuhlenkampff, den ich schon immer aufgrund seines Könnens gut fand.

Bewegt sich der Fußball von heute in eine falsche Richtung?

Es geht heute ganz viel in eine falsche Richtung, nicht nur im Fußball. Wir leben unter Regelwerken, die vor 70 Jahren entstanden sind, zum Beispiel in unserer Marktwirtschaft. Es muss einen deutlicheren Schnitt zwischen Profitum und Amateurfußball geben. Natürlich sind die Summen im Fußball total übertrieben, aber um das zu ändern, müssten die Gesetzmäßigkeiten in unserer Wirtschaftsgesellschafts-Grundordnung geändert werden. Man müsste erst einmal einen „Think Tank“ bilden, um über Modifizierungen und Regulierungen in einem marktwirtschaftlichen System nachzudenken.  Das betrifft aber nicht nur den Fußball.

Bleiben wir noch kurz beim Sport. Was fällt Ihnen ein zu …

Holstein Kiel?

Ich bin sehr glücklich, dass sie den Aufstieg in die Zweite Bundesliga geschafft haben. Und es ist extrem bitter, dass es nicht die Erste geworden ist. Die Mannschaft hätte doch das Zeug dazu gehabt. Ich finde auch, dass es ein paar Anstandsregeln gibt: Der Aufstieg wäre historisch gewesen. Und in dieser Phase mit einem anderen Verein zu verhandeln wie Markus Anfang, darf nicht sein. Es wäre doch herausragend und so wichtig für die Wahrnehmung dieses wunderbaren Landes, wenn Schleswig-Holstein endlich einmal einen Erstligisten hätte.

Handball?

Ich habe tatsächlich mal ein Jahr lang in Kiel beim Handball mittrainiert. Wir haben damals auf der Welle Nord nur über Handball berichtet, und ich war der Meinung, dass ich den Sport zumindest einigermaßen verstehen muss, wenn ich darüber berichte. Das war ganz schön stressig parallel zum Fußball. Heute habe ich schon noch engen Kontakt zur SG und zum THW. Mein Herz schlägt für beide. Damals haben wir ganze Handballspiele im Radio live übertragen. Ich würde heute noch behaupten, dass das das schönste Erlebnis im Radio- und Fernsehjournalismus für mich ist, ein ganzes Handballspiel live zu übertragen.

Sie leben schon lange in Hamburg, besuchen oft Ihre Lebensgefährtin auf Sylt. Was ist Heimat für Sie?

Ich bin auch noch regelmäßig in Rendsburg, war gerade bei einer Jubiläumsfeier beim TuS Rotenhof, wo ich mal ein Jahr gespielt habe. Dort ist mein Heimat-Ursprung. Kiel gehört auch ganz stark dazu, dort habe ich mich sauwohl gefühlt im Studium und danach. Als ich damals zum Südwestfunk mit Rudi Michel ging, habe ich festgestellt, dass man überall Heimat finden kann, wenn es einem gelingt, zu den Menschen vorzudringen. Ich hatte dort zwei, drei Monate lang große Probleme, Heimweh, bis der Arzt kommt. Dann bin ich in den Fußballverein SV Sinzheim eingetreten, und habe sehr schnell auch dort Heimat empfunden. Eigentlich empfinde ich das auch in ganz Schleswig-Holstein. Das Land ist wie eine Westentasche für mich.

Interview: Tamo Schwarz

Zu wenig Durchschlagskraft in der Offense hat die Kiel Baltic Hurricanes ihren zweiten Saisonsieg in der GFL Nord gekostet. Mit 12:13 (0:10, 6:0, 6:0, 0:3) verloren sie am Sonnabend auch das Rückspiel gegen die Cologne Crocodiles. Für die Canes war es die vierte Niederlage im fünften Saisonspiel.

Merle Schaack 15.06.2019

Kurz vor ihrem wichtigen Spiel bei den Cologne Crocodiles (Sonnabend, 17 Uhr) haben die Kiel Baltic Hurricanes zwei Neuzugänge präsentiert. Für den verletzten Wide Receiver Nate Hodapp rückt Markell Castle ins Team. Mit ihm kam noch ein weiterer US-Amerikaner an die Förde: Allrounder Aaron Bruning.

Merle Schaack 06.08.2019

Zwei Niederlagen in Folge gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte mussten die Kiel Baltic Hurricanes zuletzt einstecken. Damit sind die Kieler Footballer in der Nord-Staffel der GFL unter Zugzwang geraten. Am Wochenende kommt es bereits zur Revanche gegen die Cologne Crocodiles.

Merle Schaack 13.06.2019