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Sportmix Gislason startet mit "ganz viel Bock"
Sport Sportmix Gislason startet mit "ganz viel Bock"
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18:45 09.03.2020
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Nach über einem halben Jahr Pause versammelte Trainer Alfred Gislason am Montag erstmals wieder eine Handball-Mannschaft um sich. Mit der deutschen Nationalmannschaft bereitet er sich auf die Olympia-Qualifikation im April vor. Quelle: Sascha Klahn
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Aschersleben

Die Anreise zum ersten Arbeitstag war für Alfred Gislason kurz. Nur eine Autostunde vom heimischen Hof in Wendgräben entfernt versammelte der Handball-Bundestrainer die DHB-Auswahl am Montag in Aschersleben zum scharfen Start in eine neue Ära.

Beim fünftägigen Lehrgang mit dem abschließenden Länderspiel gegen die Niederlande am Freitag in Magdeburg will der 60 Jahre alte Nachfolger des Anfang Februar beurlaubten Christian Prokop erste Akzente setzen. "Wir wollen einiges testen und ich habe auch Ideen, wie ich das machen möchte", kündigte Gislason an. "Ich habe ganz viel Bock darauf."

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Umdisponieren musste er kurzfristig einmal mehr im Rückraum. Marian Michalczik von GWD Minden musste mit einer Wadenverletzung passen. Gislason nominierte dessen 19-jährigen Vereinskollegen Juri Knorr nach.

Viel Zeit bleibt dem Isländer nicht, den EM-Fünften für die Mitte April anstehende Olympia-Qualifikation fit zu machen. Nach eigener Aussage braucht er die aber auch gar nicht. "Aus 22 Jahren in der Bundesliga kenne ich alle Spieler sehr gut", gab Gislason schon bei seiner offiziellen Vorstellung vor gut vier Wochen zu Protokoll.

Weinhold: "Alfred wird Gas geben"

Für Steffen Weinhold, der fünf Jahre unter Gislason beim THW Kiel spielte, war es "bisher ein bisschen unwirklich, ihn im Kempa-Outfit mit dem Adler auf der Brust zu sehen." Weinhold, der bei der Europameisterschaft im Januar verletzt fehlte, soll unter Gislason verstärkt als Mittelmann eingesetzt werden.

"Ich bin gespannt, wie das wird und freue mich drauf. Alfred wird sicher Qualität reinbringen", sagt der Linkshänder. "Er wollte schon immer die Nationalmannschaft trainieren und wird jetzt sicher gut Gas geben."

Immerhin erwartet der Deutsche Handballbund vom Isländer schon bei den Sommerspielen in Tokio Edelmetall, das unter seinem Vorgänger zuletzt stets ausblieb. "Wir sehen mit Alfred Gislason größere Erfolgschancen als mit Christian Prokop", hatte Präsidiumsmitglied Uwe Schwenker den Trainerwechsel nach der EM begründet.

Abstimmen, bevor es ernst wird

Dem stimmt auch Nationaltorwart Andreas Wolff zu, der wegen eines Ligaspiels mit dem polnischen Meister Kielce erst verspätet zum Lehrgang stoßen wird. "Wenn wir durch Alfred noch einen kleinen Qualitätsschub bekommen, sehe ich nicht, warum es mit einer Olympia-Medaille nicht klappen sollte", sagt der Ex-Kieler.

Das Duell mit den Niederlanden am Freitag ist eine erste Standortbestimmung. Richtig ernst wird es für ihn und die DHB-Auswahl erst fünf Wochen später in der Olympia-Ausscheidung gegen Rekord-Europameister Schweden, den EM-Vierten Slowenien und Algerien.

"Es geht jetzt darum, dass wir uns aufeinander einstimmen, Harmonie zwischen Trainer und Mannschaft finden und ein paar Dinge einstudieren, bevor es im April in die wichtigen Spiele geht", sagt Weinhold.

Gislason mit neuer Energie

Gislason brennt auf die Aufgabe, nachdem er im Sommer 2019 von der Bundesliga-Bühne abgetreten war und sich um all die privaten Dinge gekümmert hatte, die in den Jahren zuvor liegen geblieben waren. "Ich hätte vor einem Jahr nicht gedacht, dass ich ein halbes Jahr später sehr gerne wieder anfangen würde. Die Pause war für mich extrem notwendig. Jetzt bin ich wieder bereit", sagte Gislason im Interview mit KN-online bereits kurz bevor er den Job des Bundestrainers übernahm.

Die neu gewonnene Energie will er auf die Mannschaft übertragen, in der er viel Potenzial sieht. "Wir haben ein Team, das langsam in die besten Jahre kommt", sagt Gislason und blickt ungeduldig auf Freitag voraus: "Ich freue mich sehr, an meiner alten Wirkungsstätte in Magdeburg mein erstes Spiel als Bundestrainer für Deutschland zu machen."

DHB-Team droht Geisterspiel in Magdeburg

Die Stadt Magdeburg und das zuständige Gesundheitsamt haben am Montag alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt untersagt. Die Regelung gelte bis auf Weiteres und solle den Ausbruch bzw. die Weiterverbreitung des Coronavirus einschränken, teilte die Stadt mit.

"Als Handballer blutet mir das Herz, aber wir stellen uns als Deutscher Handballbund natürlich unserer gesellschaftlichen Verantwortung", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann. Man werde sich nun mit dem Gesundheitsamt austauschen, "um angesichts der neuen Lage eine bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden". Er stellte aber klar: "Das Länderspiel gegen die Niederlande wird am Freitagabend weiterhin stattfinden."

Von Merle Schaack, mit dpa

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