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Sportmix Kroaten und Duvnjak verpassen Vollendung
Sport Sportmix Kroaten und Duvnjak verpassen Vollendung
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20:31 26.01.2020
Von Merle Schaack
Domagoj Duvnjak vom THW Kiel spielte sein bestes Turnier der letzten Jahre. Sein Traum vom ersten Titel mit Kroatien ging trotzdem nicht in Erfüllung. Quelle: Sascha Klahn
Stockholm

Mit dem Trikot über den Kopf gezogen wendete Domagoj Duvnjak sich ab. Weg von den jubelnden Spaniern, weg von seinen Teamkollegen, die mit leeren Blicken auf dem Feld in der Tele2-Arena standen. Ein paar Minuten brauchte der Kroate, um seine Mitspieler nach der 20:22 (11:12)-Niederlage im EM-Finale der Reihe nach abklatschen zu können und jedem ein paar Worte des Trosts mit auf den Weg zu geben.

„Mein Kopf ist leer“, sagte der 31-Jährige später in den Katakomben der Arena. Seine Auszeichnung als Spieler des Spiels hatte er schnell verschwinden lassen, auch die Trophäe für den „Most Valuable Player“ des Turniers bald wieder abgelegt. „Ich bin traurig. Diese Niederlage tut echt weh. Die EM zu gewinnen, war unser größter Traum“, sagte er.

Kein EM-Titel für Cervar

Noch nie hat die stolze Handball-Nation, für die auch zum Finale Tausende Fans nach Stockholm pilgerten, den europäischen Titel gewonnen. Das Endspiel, so der Plan, sollte die erste Goldmedaille für den Ausnahmeathleten Duvnjak bei einem Turnier werden. Und die Vollendung von Trainer Lino Cervar, der die Mannschaft zum Weltmeistertitel 2003 und zum Olympia-Sieg 2004 geführt hatte und mit 69 Jahren seine letzte EM bestritt.

Doch der Plan ging nicht auf in diesem Finale gegen Titelverteidiger Spanien, der von Beginn an sein unspektakuläres aber effektives Spiel abspulte. 17769 hauptsächlich kroatische Fans im Fußballstadion beeindruckten Raul Enterrios, Jorge Maqueda und Co. wenig, auch wenn Kroatien den besseren Start erwischte.

Zu Beginn war Duvnjak der bestimmende Spieler auf dem Feld. Der Kapitän der Kroaten erzielte das 2:0, rettete im folgenden Angriff mit einem Hechtbagger-Einsatz den Ball und setzte damit gleich den Ton für das Spiel, in dem jedes Tor, jeder Ballgewinn von großer Bedeutung waren. Denn durch die taktisch nahe an der Perfektion agierenden Abwehrreihen waren Torchancen Mangelware. Mit mehr als zwei Toren konnte Kroatien sich nicht absetzen.

Perez de Vargas wichtiger Faktor

Auch weil die Torhüter zunächst keine Rolle spielten. Dann aber wechselte Spaniens Trainer Jordi Ribera Gonzalo Perez de Vargas ein. Der 29-jährige Keeper des FC Barcelona brachte den kroatischen Angriff mit sechs von acht parierten Würfen auf sein Tor ins Stocken. Nacheinander scheiterten Marino Maric, zweimal Duvnjak und Lukas Stepancic an ihm. Während er Duvnjak auch noch einen Siebenmeter abkaufte und Joan Canellas anschließend zur ersten spanischen Führung traf (11:10, 28.), blieben die Kroaten acht Minuten ohne Tor.

Jubel in Stockholm: Spanien ist Europameister! 

Nach der Pause griff Lino Cervar deshalb zum siebten Feldspieler. Eine Idee, die mit Treffern ins leere kroatische Tor und einem 12:16-Rückstand (37.) bestraft wurde. Duvnjak (5 Tore)nahm nun sein Kämpferherz in beide Hände, traf fast mit Gewalt zum 14:16-Anschluss und zog das Stürmerfoul gegen Enterrios, das Luka Stepancics Treffer zur erneuten Führung ermöglichte (19:18/53.).

Goldmedaille zum Greifen nah

In Überzahl war für Kroatien die Goldmedaille zum Greifen nahe. Doch dann übernahm der Kapitän des THW Kiel die Verantwortung, mit der man auch zum tragischen Helden werden kann. Sein Tipp-Anspiel an den Kreis kam nicht an, im Gegenangriff verursachte er den Siebenmeter, mit dem Spanien wieder die Führung übernahm. Die Spanier zogen ihren Trumpf: die Erfahrung. Und den Kroaten zitterten die Hände. Der entscheidende Fehler unterlief Igor Karacic, der eine Minute vor Schluss vergaß, dass nur drei Schritte erlaubt sind und so die Chance auf eine Verlängerung vergab.

Duvnjak: "Leben geht weiter"

Spanien hat verdient gewonnen“, befand Duvnjak, die Silbermedaille um den Hals. „Ich bin zwar traurig, diese Niederlage tut echt weh. Aber auf der anderen Seite haben wir alles gegeben, und ich bin stolz auf diese Jungs. Wir haben heute wieder Charakter gezeigt und das Leben geht weiter.“

Zunächst mit einem Flug nach Zagreb, den die Kroaten direkt nach dem Finale antraten. Am nächsten Wochenende mit dem Bundesliga-Spitzenspiel des THW Kiel bei seinem direkten Verfolger Hannover-Burgdorf. Erschöpfung, Unlust, Müdigkeit? Nicht bei Duvnjak. „Das wird kein Problem. Ich habe eine Silbermedaille und bis jetzt ist mit meinem Körper alles gut.“

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