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22:07 22.01.2016
Von Tamo Schwarz
Der Kieler Linksaußen Rune Dahmke bezwingt den ungarischen Torwart Laszlo Bartucz zum zwischenzeitlichen 19:11. Quelle: Sascha Klahn
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Breslau

Sigurdsson mag es nicht, das Wort vom „Matchplan“. Nie, sagt der Isländer, würde er darüber sprechen, dass seine Spieler seinen Plan umgesetzt hätten. Doch die Deutschen haben ihn an diesem Freitagabend, den perfekten Plan. Er ist nicht atemberaubend oder exotisch. Es ist nahezu fehlerfreies Handwerk. Nach vier Spielen erübrigt es sich schon fast, Hendrik Pekeler und Finn Lemke im Abwehr-Mittelblock zu erwähnen. Nur neun Tore lässt die deutsche Deckung vor, nur zehn nach der Pause zu. Erik Schmidt nennt das „phänomenal“. Der Hannoveraner kommt Mitte des ersten Abschnitts auf das Feld. Sigurdsson operiert jetzt mit einem Dreierwechsel, bringt immer wieder Pekeler (2,03 Meter), Schmidt (2,04) und Lemke (2,10) für die Defensive. Diese exzeptionelle Abrisstruppe deluxe ist mit das Beste, was die EM zu bieten hat. Und die Ungarn verzweifeln.

Das sind die Bilder der Partie gegen Ungarn.

Dabei läuft es auch bis zum 10:6 (17.) ausgezeichnet. Martin Strobel ersetzt den weiter glücklosen Christian Dissinger im Rückraum und sorgt für den Turbo im deutschen Spiel. Kapitän Steffen Weinhold trifft, wenn es wichtig wird, die Laufwege stimmen. Stimmen? Sie sind die Offensiv-Essenz dieses perfekten Planes. Wie Weinhold taktiert, wie der junge Jannik Kohlbacher sich am Kreis regelrecht freisprengt, antritt, nach Traumpass hinter dem Rücken vom bärenstarken Steffen Fäth zum 12:6 trifft (20.), verdient das Prädikat Weltklasse. Es läuft also gut, und mit den drei Riesen umso besser. Zuerst heißt es Laszlo Nagy – Superstar der Magyaren – gegen Deutschland. Dann taucht auch der 2,08-Mann aus Veszprem unter. Der ungarische Rückraum taucht ab, Trainerlegende Talant Dujshebaev versucht es mit zwei Kreisläufern, stellt um und zurück, und nichts fruchtet. Auf der anderen Seite: Dagur Sigurdsson stellt nach der Pause um, bringt die zweite Reihe: neben Strobel auch Simon Ernst im Rückraum, Johannes Sellin auf Rechtsaußen – und alles fruchtet. Der Berliner Fabian Wiede avanciert mit sechs Toren zum überragenden Mann auf dem Feld: dynamisch, kreativ, treffsicher. Irgendwann trifft auch Dissinger, bei Tobias Reichmanns Tor zum 26:16 sind es zehn Tore Vorsprung (52.), nach Ernsts 28:16 sogar zwölf.

Gespielte Coolness nach der Partie

Nach dem Schlusspfiff: Jubeltraube und gespielte Coolness, als wäre dieses Match keine Demonstration deutscher Stärke gewesen. „Die Disziplin, dieser Wille, die Art und Weise, wie wir spielen, kostet viel Kraft und Energie, und das haben die Jungs alles gemacht“, sagt Sigurdsson. DHB-Präsident Andreas Michelmann und Vize Bob Hanning stürmen auf das Feld, umarmen ihren Coach nach dem Sieg gegen den – immerhin – Olympia-Vierten. Dessen Coach Dujshebaev reagiert sympathisch: „Taktisch, physisch – wir hatten keine Chance, und das ist nur meine Verantwortung.“ Geht jetzt noch mehr? „Unser Ziel ist das Halbfinale. Alles ist möglich. Wir haben es in unseren eigenen Händen“, sagt Fabian Wiede. Der deutsche EM-Traum lebt.

Deutschland - Ungarn 29:19 (17:9)

Deutschland: Wolff (1.-50. Minute/12 Paraden), Lichtlein (ab 50. und bei einem 7m/3) – Sellin 2, Lemke, Reichmann 5/3, Wiede 6, Pekeler 2, Weinhold 3, Strobel, Schmidt, Fäth 3, Dahmke 3, Ernst 1, Pieczkowski 1, Dissinger 1, Kohlbacher 2.

Ungarn: Mikler (1.-16. Minute/0 Paraden), Bartucz (ab 16./9) – Schuch, Pasztor 1, Ivancsik, Gazdag, Hornyak 2/2, K. Nagy 3, L. Nagy 3, Jamali 3, Faluvegi, Zubai 1, Banhidi 2, Borsos, Ancsin 2, Bodo 2.

Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien) – Strafminuten: GER 4 (Weinhold, Pekeler), HUN 6 (2x Schuch, Ancsin) – Siebenmeter: GER 3/3, HUN 4/2 (Lichtlein pariert Hornyak und Ivancsik) – Spielfilm: 3:0, 5:2, 6:4 (12.), 8:4, 9:6, (16.), 12:6 (20.), 12:8, 14:9 (27.), 17:9 – 18:9, 20:11 (38.), 21:14 (44.), 23:14, 24:16 (49.), 28:16 (55.), 28:19, 29:19 – Zuschauer: 5200 in der Jahrhunderthalle in Breslau.

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