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Sportmix "Mir ist sicher vieles peinlich"
Sport Sportmix "Mir ist sicher vieles peinlich"
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19:04 19.12.2018
Von Tamo Schwarz
Seele mit Narben: Handball-Ikone Stefan Kretzschmar (45) in den Katakomben der Rostocker Stadthalle. Quelle: Sascha Klahn
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Rostock

"Kretzsche" will den Handball ins rechte Licht rücken. Lustig ist das, und manchmal auch traurig. Siezen? Mit einem wie „Kretzsche“ geht das nicht. Er kann nur „Du“, kann direkt und schonungslos. Seine Seele hat Narben. Kretzschmar spricht über seine Mutter, seine Kinder und über die bevorstehende WM. Ach ja, und darüber, dass der THW Kiel deutscher Meister wird. Natürlich.

Hölleluja, Stefan Kretzschmar! Du hast ein Buch geschrieben über dich selbst und den absoluten Wahnsinn Handball. Warum?

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Stefan Kretzschmar: Die Idee war einerseits, vor der WM ein breites Publikum für Handball zu sensibilisieren. Ich wollte autobiografisch angelehnt beschreiben, warum der Handball so geil ist und sich ständig unter dem Radar des Fußballs bewegt. Und lustig sollte es auch sein mit ein paar Anekdoten aus meinem Leben. 

Täusche ich mich, wenn ich sage: Du bist angekommen?

Fast 40 Jahre Handball! Ich habe mittlerweile fast alle Positionen im Handball bekleidet, war Trainer, Sportdirektor, Spielerberater, Aufsichtsratsmitglied, Moderator … ich habe einen 360-Grad-Blick, kann glaube ich in jedem Bereich ein bisschen mitreden. 

Was würdest du gern rückblickend anders machen – sportlich und privat? 

Mir ist sicher vieles peinlich. Aber ich würde trotzdem nicht viel anders machen. Dieses Leben mit all den Fehlern hat mich doch dahin geführt, wo ich jetzt bin. Das macht mich zu einem glücklichen Menschen. Meinen Kindern hätte ich gern einiges erspart, hätte ihnen gern ein klassisches Familienleben geboten. Es tut mir weh, dass ich meine Tochter zweimal verlassen habe. Da war viel Egoismus mit dabei, aber ich kann nicht sagen, dass ich es unter den Umständen anders machen würde. Ich habe erst spät gelernt, dass Egoismus nicht Triebfeder sein sollte. 

Den Handballer Stefan Kretzschmar kann man ohne seine Eltern (Peter Kretzschmar war als Trainer der DDR-Frauen zweimal Weltmeister, Waltraud Kretzschmar dreimal Weltmeisterin als Spielerin, d. Red.) nicht richtig denken. In diesem Jahr sind leider beide gestorben. Was haben sie für das bedeutet, was du heute bist?

Ganz unterschiedlich: Meine Mama war im Nachhinein – was ich lange nicht wusste – unterbewusst immer meine ultimative Motivation. Es war mir teilweise völlig egal, was die Zuschauer dachten oder die Presse schrieb. Es war mir eigentlich immer nur wichtig, mir den Respekt meiner Mutter abzuholen. Dieser Respekt wurde mir jahrelang von ihr verweigert. Sie hat nie gesagt: ,Junge, ich bin stolz auf dich!’ Im Gegenteil: Da war immer etwas offen. Ich habe ihrer Meinung nach nicht genug in den Leistungssport investiert. Mit meinem Papa fehlt mir mein bester Freund, Gesprächspartner, die absolute Autoritätsperson. 

Das ausführliche Interview mit Handball-Ikone Stefan Kretzschmar lesen Sie in der Donnerstag-Ausgabe der Kieler Nachrichten.