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Sportmix Flensburg jubelt, Gummersbach weint
Sport Sportmix Flensburg jubelt, Gummersbach weint
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16:50 10.06.2019
Von Merle Schaack
Die Mannschaft von Flensburg, Lasse Svan (Mitte) mit Meisterschale, jubelte in der Kabine über den Sieg und die gewonnene Meisterschaft. Die SG Flensburg-Handewitt ist zum dritten Mal nach 2004 und 2018 deutscher Handball-Meister. Quelle: Benjamin Nolte/dpa
Flensburg/Gummersbach

Bei der ausgelassenen Jubelfeier des deutschen Handball-Meisters SG Flensburg-Handewitt flossen Bier und Schampus in Strömen, beim geschockten Bundesliga-Dino VfL Gummersbach nach dem erstmaligen Abstieg seit 53 Jahren die Tränen. Bis in die frühen Morgenstunden dauerte der Flensburger Party-Marathon, der nach dem dritten Meistertriumph nach 2004 und 2018 am Pfingstmontag mit einem Jubel-Empfang in der Stadt fortgesetzt wurde. "Der gesamte Verein hat es verdient, denn es steckt sehr viel Arbeit dahinter", sagte SG-Trainer Maik Machulla sichtlich gerührt.

Hier sehen Sie weitere Bilder vom Saisonabschluss der SG Flensburg-Handewitt. 

Trotz des Verlusts von sechs Leistungsträgern im vergangenen Sommer führte der 42-Jährige die Flensburger mit dem Vereinsrekord von 64:4 Punkten erneut auf Deutschlands Handball-Thron. "Der Verein hat das souverän gelöst. Man kann der Mannschaft und dem Umfeld nur ein großes Kompliment machen", lobte Liga-Präsident Uwe Schwenker. "Dieser Titel ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen Aufbauarbeit", frohlockte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke mit großem Stolz.

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Zweit Meisterschaft für Machulla

Für Machulla war es im zweiten Jahr als SG-Trainer die zweite Meisterschaft. Das war zuvor nur Klaus Zöll vor 40 Jahren mit dem TV Großwallstadt gelungen. "Schön, dass ich jetzt in den Geschichtsbüchern stehe", sagte Machulla.

Die deutschen Handball-Meister seit 1992

1991/1992: SG Wallau-Massenheim
1992/1993: SG Wallau-Massenheim
1993/1994: THW Kiel
1994/1995: THW Kiel
1995/1996: THW Kiel
1996/1997: TBV Lemgo
1997/1998: THW Kiel
1998/1999: THW Kiel
1999/2000: THW Kiel
2000/2001: SC Magdeburg
2001/2002: THW Kiel
2002/2003: TBV Lemgo
2003/2004: SG Flensburg-Handewitt
2004/2005: THW Kiel
2005/2006: THW Kiel
2006/2007: THW Kiel
2007/2008: THW Kiel
2008/2009: THW Kiel
2009/2010: THW Kiel
2010/2011: HSV Hamburg
2011/2012: THW Kiel
2012/2013: THW Kiel
2013/2014: THW Kiel
2014/2015: THW Kiel
2015/2016: Rhein-Neckar Löwen
2016/2017: Rhein-Neckar Löwen
2017/2018: SG Flensburg-Handewitt
2018/2019: SG Flensburg-Handewitt

Nach dem 27:24 beim Bergischen HC floss schon im Düsseldorfer ISS Dome reichlich Alkohol. Auch im Charterflieger nach Sønderborg und auf der folgenden Busfahrt nach Flensburg konsumierten die seligen SG-Spieler reichlich belebende Getränke. Gegen 1 Uhr in der Nacht wurden die von der Party hörbar mitgenommenen Meisterhelden von rund 2500 Fans im Deutschen Haus - dem altehrwürdigen Konzert-Tempel der Stadt - empfangen.

THW Kiel bester Vizemeister der Geschichte

"Es ist traumhaft, unglaublich", nuschelte Mannschaftskapitän Tobias Karlsson ins Mikrofon und ließ zum Abschied von der SG seine zehnjährige Dienstzeit an der Förde wehmütig Revue passieren. "Ich kann gar nicht mit Worten wiedergeben, was die Fans dem Verein bedeuten", gestand er mit feuchten Augen. Am Montagmittag ging es auf dem Südermarkt weiter - die müden Augen versteckten die heiseren SG-Profis hinter dicken Sonnenbrillen.

Nur zwei Niederlagen kassierte der Titelverteidiger in dieser Saison und war damit um zwei Punkte besser als der Nordrivale THW Kiel. Dem blieb zum Abschied von Erfolgstrainer Alfred Gislason neben dem DHB-Pokal und dem EHF-Cup nur der inoffizielle Titel des besten Vizemeisters der Bundesliga-Historie. "Auch ohne die Meisterschaft war es eine gute Saison", sagte Gislason bei seiner Verabschiedung. "Es waren schöne elf Jahre in Kiel. Ich bin sehr stolz auf die Zeit hier."

Der 59-Jährige ließ es sich bei der Kieler Double-Party am Sonntagabend nicht nehmen, selbst auf der Bühne ein Ständchen zum Besten zu geben.

Hier finden Sie weitere Fotos vom Saisonabschluss 2019 auf dem Rathausplatz in Kiel. 

Flensburg und Kiel spielen Champions League

Der Hohn der Flensburger war dem 20-maligen Rekord-Champion dennoch gewiss. "Vizemeister ist nur der THW, nur der THW", schallte es bei der Party schadenfroh auf und vor der Bühne. Das Schönste für einen Flensburger sind eben nicht Titel und Trophäen, sondern Triumphe über den Erzrivalen aus Kiel.

Eine Gemeinsamkeit haben beide Vereine aber in der kommenden Saison: Sie vertreten die Bundesliga in der Champions League, in der seit drei Jahren kein deutscher Verein mehr ein Final Four erreichte.

Gummersbach fehlte ein einziges Tor

Von der Königsklasse kann man beim zwölfmaligen deutschen Meister und elfmaligen Europacupsieger VfL Gummersbach nur träumen. Der einst beste Verein der Welt stürzte durch das 25:25 beim Mitabsteiger SG BBM Bietigheim und dem gleichzeitigen 31:30-Sieg der dadurch geretteten Eulen Ludwigshafen gegen GWD Minden erstmals in die Zweitklassigkeit. Am Ende gab bei Punktgleichheit ein Tor den Ausschlag gegen den VfL. "Man sieht nur weinende Männer", schilderte Trainer Torge Greve die Gefühlslage.

Auch Handball-Ikone Heiner Brand war bestürzt über den ersten Abstieg seines VfL seit Gründung der Bundesliga im Jahr 1966. "Es ist so gekommen, wie ich es befürchtet habe", sagte er nach dem dramatischen Herzschlagfinale. "Für Handball-Deutschland ist das ein Verlust. Künftig fehlt ein ganz großer Name." Immerhin muss der letzte Bundesliga-Dino nicht um die Existenz bangen, nachdem er eine Finanzierungslücke im Etat geschlossen und die Lizenz für die kommende Zweitligasaison erhalten hat.

Heiner Brand fordert Neubeginn

Brand fordert nun einen radikalen Neubeginn. Denn Tradition wirft keine Tore. "Es wird immer noch über den VfL Gummersbach geredet, jeder kennt die Erfolge. Aber davon muss man sich jetzt lösen", sagte er. Auch für den 66-Jährigen, der seine gesamte Spielerkarriere und später sechs Jahre als Trainer beim VfL verbrachte, kein leichter Prozess: "Es fällt schwer, mir die Bundesliga ohne den VfL vorzustellen."

Dritte Niederlage im vierten Saisonspiel: Die Kiel Baltic Hurricanes haben ihr erstes Auswärtsspiel der GFL-Saison bei den Berlin Rebels am Sonntag mit 13:33 (0:7/3:0/3:19/7:7) verloren. Dadurch rutschten sie vom fünften auf den siebten Tabellenplatz ab.

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