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Sportmix Bundestrainer Prokop: "Wir wollen mehr"
Sport Sportmix Bundestrainer Prokop: "Wir wollen mehr"
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16:21 25.01.2019
Von Tamo Schwarz
Gigantenduell: Norwegens Sander Sagosen (links) gegen Hendrik Pekeler vom THW Kiel. Quelle: Sascha Klahn
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Hamburg

Das letzte Halbfinale gegen Norwegen war bei der EM 2016. Es gab Verlängerung, Deutschland siegte, wurde Europameister. „Es geht nicht um Rache“, sagte der norwegische Trainer Christian Berge. Der 45-Jährige kennt die Deutschen, weiß um die Physis, ist ganz klar in seinen Aussagen, sagt: „Wir müssen laufen, laufen, laufen.“ Wenn die Skandinavier etwas können, ist es genau das: laufen. Das Umschaltspiel, das Tempo ist unerbittlich. Hamburg soll nur ein kurzer Abstecher sein. „Wir wollen zurück nach Dänemark“, sagt Rechtsaußen Kristian Bjørnsen von der HSG Wetzlar. Zurück zum Schauplatz ihrer Hauptrundenerfolge. Zum Finale in die „Box“ in Herning.

Sagosen ist Norwegens Superstar

Deutschland in Deutschland aus dem Turnier zu werfen, wäre geil!“, sagt THW-Kiel-Linkshänder Harald Reinkind. Superstar ist Sander Sagosen, der mit Uwe Gensheimer in Paris spielt. Der 23-Jährige kann den Unterschied machen, sagt: „Uwe ist eine Tormaschine, Fabian Wiede ist das Gehirn im Angriff. Kohlbacher und Pekeler sind am Kreis unglaublich schwer zu stoppen.“ Es könnte ein Gigantenduell werden: Superman Sagosen gegen die deutschen Defensiv-Stars: Hendrik Pekeler an der Spitze einer offensiven Deckung oder Patrick Wiencek, hellster Stern am deutschen WM-Firmament.

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Die Norweger geben sich beim Medien-Stelldichein locker. Bundestrainer Christian Prokop angespannt. Nach dem EM-Aus in Kroatien konnte er bei der Heim-WM nur gewinnen. Jetzt, so scheint es, habe auch Prokop begriffen, wo ihn und seine Mannschaft diese Mega-Welle aus Berlin via Köln hingespült habe. Man dürfe Norwegen nicht auf Sagosen reduzieren, sagt der Köthener, warnt vor Spielern wie Christian O’Sullivan (SC Magdeburg) oder Gøran Johannessen (SG Flensburg-Handewitt), vor schnellen Außen und viel Dynamik. Einer „brutal schweren Aufgabe“ eben, vor der sich der Bundestrainer nicht in die Karten schauen lassen, den „Matchplan nicht verraten“ will. „Wir wollen mehr.“ Die Rückkehr ins Steigenberger Hotel Treudelberg soll ein gutes Omen sein. Dort genieße seine Mannschaft bis zum Anpfiff am Freitag um 20.30 Uhr viel Ruhe. Am Abend stand ein letztes Videostudium an. Auch sonst wurde der gewohnte Ablauf nicht verändert. „Wir haben nach mehreren Jahren Abstinenz eine einmalige Chance“, so Prokop.

Böhm: "Die Halle in Hamburg kann brennen"

Für ihn ist es das erste Halbfinale bei einem großen Turnier. Für seinen norwegischen Namensvetter Christian Berge (Prokop: „Ein toller Mensch“) ist es das dritte nach der EM 2016 (Platz vier) und dem Gewinn der WM-Silbermedaille 2017. Nach Berlin und Köln nun also Hamburg. 6000 Zuschauer weniger als in Köln, zudem mehr Gästefans und viele Ehrengäste der Verbände. „Egal! Wir kennen Hamburg alle vom Pokal-Final-Four“, sagt Shootingstar Fabian Böhm. „Die Halle kann auch brennen.“ Kapitän Uwe Gensheimer hat jetzt nur noch „richtig Bock“ auf das Spiel. Tempo gegen Teamspirit, Wiencek gegen Sagosen, Wolff und Heinevetter gegen Christensen und Bergerud – Heimvorteil Hamburg. Nach Herning mitten auf der Halbinsel Jütland geht es dann am Sonnabend so oder so. Dort geht’s um Bronze oder um Gold.

Am Montag große Party in Berlin?

Im Falle eines Finaleinzugs wird die DHB-Auswahl am Montag an den Ausgangspunkt ihrer WM-Reise zurückkehren – nach Berlin. Dort ist eine große Medaillenparty geplant. DHB-Vizepräsident Bob Hanning ließ keine Zweifel aufkommen, dass die Mannschaft dieses Ziel fest im Visier hat. „Wenn man so weit gekommen ist, will man auch um Gold spielen“, sagte Hanning. Seit der WM-Premiere 1938 haben deutsche Mannschaften bisher zehn Medaillen gewonnen – nur zwei davon aber nach der deutschen Wiedervereinigung. 2003 gab es in Kroatien Silber, 2007 im eigenen Land Gold. Entsprechend groß ist die Sehnsucht nach Edelmetall. Kiels Keeper Andreas Wolff: „Ich bin ein Romantiker. Mein Traum-Finale wäre Deutschland gegen Dänemark.“

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