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Sportmix Gislason: "Glaube an diese Mannschaft"
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Handball-WM-Kader - Bundestrainer Gislason: "Glaube an diese Mannschaft"

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17:47 04.01.2021
Von Merle Schaack
Bundestrainer Alfred Gislason (li.) bleiben nur wenige Tage, um mit der neu formierten Handball-Nationalmannschaft zwei Abwehr-Varianten und ein Angriffssystem einzustudieren.
Bundestrainer Alfred Gislason (li.) bleiben nur wenige Tage, um mit der neu formierten Handball-Nationalmannschaft zwei Abwehr-Varianten und ein Angriffssystem einzustudieren. Quelle: Sascha Klahn
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„Ich bin heute Vormittag deutlich optimistischer aus dem Training herausgegangen als ich reingegangen war“, sagte Alfred Gislason, der vor der Handball-Weltmeisterschaft (13. – 31. Januar) in Ägypten vor der Herausforderung steht, eine ganz neue Mannschaft zu formen und nebenbei am Mittwoch (13.45 Uhr, live im ZDF) in Graz und Sonntag (18.10 Uhr, live in der ARD) in Köln noch zwei Qualifikationsspiele für die EM 2022 gegen Österreich zu bestreiten.

Zuvor hatten zahlreiche Stammspieler verletzungsbedingt oder – wie Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Steffen Weinhold vom THW Kiel – aus privaten Gründen in der Corona-Pandemie ihre Teilnahme abgesagt.

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Den ersten Teil der Turbo-Vorbereitung widmete Gislason ganz der Abwehr. Dieser Mannschaftsteil, sonst Prunkstück des DHB-Teams, ist ohne Wiencek, Pekeler und Finn Lemke (MT Melsungen) die größte Baustelle.

Die Abwehr hat noch Abstimungsbedarf

Ohne die körperliche Masse dieses Zwei-Meter-Trios will Gislason vor allem eine offensive Abwehrformation einstudieren. „Ich kann nicht sagen, dass es perfekt gelaufen ist, aber wir haben Fortschritte gemacht“, sagte der 60-Jährige, der im Innenblock nun auf Sebastian Firnhaber (HC Erlangen) und Flensburgs Johannes Golla setzt. „Stand heute können wir in beiden Formationen auf keinen von ihnen verzichten, wenn sie mal eine Pause brauchen“, so Gislason, der auch mit Fabian Böhm, Marian Michalczik, Paul Drux und Christian Dissinger auf diesen Positionen experimentierte. „Das wird noch besser werden“, gab er sich optimistisch.

Dissinger fehlen fünf Wochen Handball-Training

Nationalmannschafts-Rückkehrer Christian Dissinger ist indes der Einzige im Kader, dem Corona-bedingt merklich die Spielpraxis fehlt. Der 29-jährige Ex-Kieler, der 2018 vom THW Kiel zu Vardar Skopje gewechselt war, erlebte in Nordmazedonien aufgrund zahlreicher Corona-Fälle in seiner Mannschaft mehrere Wochen in Quarantäne, wurde auch selbst zwischenzeitlich positiv auf das Virus getestet und musste sich nach seiner Einreise nach Deutschlands vorschriftsmäßig erneut fünf Tage isolieren.

„Konditionell und kraftmäßig konnte ich mich fit halten“, sagt der Rückraumspieler. „Aber nach fünf Wochen ohne Handballpraxis fehlt es noch an Timing und Handlungsschnelligkeit, man kommt ab und zu ein, zwei Zehntelsekunden zu spät.“ Er hoffe aber auf große Fortschritte in der Trainingswoche. „Bis Ägypten sollte das auf jeden Fall klappen.“

Gislason schwärmt von Atmosphäre im Team

Trotz aller Unwägbarkeiten und der Herausforderung, binnen einer Woche zwei neue Abwehr-Varianten und ein Angriffs-Konzept erarbeiten zu müssen, um in Ägypten konkurrenzfähig zu sein, überwiegt bei Gislason die Vorfreude auf die kommenden Wochen.

„Ich will nicht darüber lamentieren, wer nicht dabei ist, sondern freue mich über die gute Stimmung, die bei denen herrscht, die hier sind“, sagte er. Die Atmosphäre im Team sei „sehr, sehr positiv“. „Das alles ist sicherlich eine Herausforderung. Aber eine, die mir Spaß macht. Weil ich trotz der Absagen an diese Mannschaft glaube“, so der Isländer.

DHB wartet für Zielsetzung Quali-Spiele ab

Ein sportliches Ziel, das in Vergangenheit stets Halbfinale lautete, hat der Deutsche Handballbund (DHB) für diese WM bislang nicht ausgegeben. DHB-Sportvorstand Axel Kromer betonte, man wolle zunächst die beiden Spiele gegen Österreich abwarten. „Wir müssen Schritt für Schritt vorangehen. Diese Entwicklung kann gerne auch während des Turniers weitergehen. Und je mehr Spiele wir haben, desto besser können wir werden“, sagte er.

DHB-Spitze hat in Ägypten keine Sicherheitsbedenken

Kromer betonte erneut, dass der Verband keine Sicherheitsbedenken bei der Reise nach Ägypten habe. „Wir sind überzeugt, dass die vorliegenden Hygienekonzepte zum Schutz aller Beteiligter genügen“, sagte er und kündigte an: „Wenn wir den Eindruck gewinnen sollten, es funktioniert gar nicht, dann werden wir mit dem Weltverband reden.“

Zuletzt hatte der Aufsichtsratschef des HC Erlangen, Carsten Bissel, das Hygienekonzept der WM scharf kritisiert. „Die angebliche Blase in Kairo ist ein Witz“, sagte er in der „Süddeutschen Zeitung“. „Man hat das Gefühl, dass die Veranstalter in Ägypten gar nicht an einem echten Hygienekonzept interessiert sind. Sie werden sogar Zuschauer zulassen, welch ein Wahnsinn.“

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