Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Sportmix Zu Besuch in der Football-WG
Sport Sportmix Zu Besuch in der Football-WG
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:24 07.05.2019
Von Merle Schaack
Nate Hodapp hat seine blitzblanken Spiel-Schuhe für den Saisonstart schon bereitgestellt. Er ist einer von vier US-Amerikanern, die den Kiel Baltic Hurricanes zu einer erfolgreichen GFL-Saison verhelfen sollen. Quelle: Frank Peter
Anzeige
Kiel

Das Buch hat einen Ehrenplatz im Zimmer von CJ Davis. „Talk dirty German“ liegt direkt neben den Briefen, die ihm Freunde und Arbeitskollegen in den USA geschrieben und für sein Deutschland-Abenteuer bei den Kiel Baltic Hurricanes mitgegeben haben – für den Fall, dass der 24-jährige Footballspieler Heimweh bekommt. Ein Blick hinein zeigt: Fluch-Wettbewerbe lassen sich mit diesen Vokabeln nicht gewinnen. Wer es liest, lernt harmlose Phrasen wie „Ich will abhauen“.

Ein Satz, der in dieser Wohngemeinschaft aber derzeit niemandem über die Lippen kommt. Davis teilt sich die Zwei-Zimmer-Wohnung im Stadtzentrum mit seinem Landsmann und Teamkollegen bei den Canes, Darin Hungerford. Die beiden sind – genau wie die anderen US-Zugänge Nate Hodapp und Jake Purichia – neu in Deutschland, neu in Kiel. Gekommen, um Football zu spielen, um das Rückgrat im Spiel der Mannschaft von Head Coach Timo Zorn zu bilden.

Anzeige

Canes vor Neustart

Die Canes erleben so etwas wie eine Stunde Null nach der vergangenen Spielzeit, in der sie erstmals seit 2006 die Playoffs in der GFL, der höchsten deutschen Spielklasse, verpassten. Im Herbst musste zudem die Vermarktungsgesellschaft für die erste Mannschaft Insolvenz anmelden. Doch die Stimmung im Team, das nun wieder unter der Flagge des Gesamtvereins startet, ist gut, alle sind gespannt auf den Neustart am Sonnabend (16 Uhr, Kilia Stadion) gegen die Dresden Monarchs. Und auch die Neuen, an denen so vieles hängt, fühlen sich bereits heimisch.

„Ich mag Kiel. Die Leute sind nett, und am Wasser ist es richtig schön“, sagt Davis, der seinen Mitbewohner Darin Hungerford schon auf dem Flug nach Hamburg kennenlernte. „Wir kommen super klar“, sagt der Defensive Back, der in der WG beim X-Boxspielen abschaltet.

Döner als Neuentdeckung

Ein Zimmer weiter, bei Linebacker Hungerford läuft ebenfalls der Fernseher. „Ich könnte den ganzen Tag Family Guy gucken“, sagt der 22-Jährige. Auch er gerät sofort ins Schwärmen über den Klub und die Stadt, die er sich auch aufgrund der Wasserlage ausgesucht hat. „Mit den Canes wurde es zuerst konkret“, erzählt der ehemalige Team Captain der Kean University. „Dann habe ich geschaut, wo Kiel liegt, sah das Wasser und habe entschieden: Das mache ich.“ Beim Kofferpacken hingegen war er nicht ganz so entscheidungsfreudig. In seinem Zimmer stehen zwölf Paar Schuhe aufgereiht. „Die hätte ich nicht alle einpacken sollen. Jetzt stehen sie hier nur rum.“

In dem Monat seit ihrer Ankunft in Kiel haben die US-Boys sich bereits bestens eingelebt. „Inzwischen wissen wir, wo wir unsere Lieblingslebensmittel her bekommen“, sagt Davis. Bacon, Toast, Pasta – der Kühlschrank ist gut gefüllt, regelmäßig wird gemeinsam gekocht. Aber auch der Döner-Laden um die Ecke ist ein Anlaufpunkt für die Canes-WG geworden. „Sehr lecker, das kannten wir noch nicht“, sagt Davis, der sich auch noch an die deutsche Interpretation von Burgern gewöhnen muss. „Dass es die hier auch mit Geflügel gibt, hat mich überrascht.“

Game of Thrones mit den Teamkollegen

Für Nate Hodapp, der gemeinsam mit Quarterback Jake Purichia nur wenige Schritte weiter eine Wohnung teilt, gab es in Deutschland bisher nur positive Überraschungen. „Es heißt immer, Deutsche seien etwas kühl und reserviert. Ich habe aber den Eindruck, das Gegenteil ist der Fall. Alle sind wahnsinnig nett zu uns“, sagt der Receiver, der seine Freizeit auf Netflix oder im Fitness-Center verbringt.

Zum Start der finalen Staffel von „Game of Thrones“ war seine WG Treffpunkt zum internen Canes-„Public Viewing“. An Kiel schätzt der 24-Jährige, dass die Wege nicht weit sind. „Ich komme aus Texas, da hat man nicht alles immer so direkt vor der Haustür.“

So erkunden die Canes-Zugänge ihr neues Zuhause auf dem Fahrrad. Neben der Kiellinie hat es ihnen der Schrevenpark angetan. Und auch die Partymeile in der Bergstraße wurde schon getestet und für gut befunden. „Jetzt, wo die Saison losgeht, fahren wir das aber ein bisschen runter“, sagt Hungerford lachend. Denn noch größer als der Hunger nach Freizeit-Spaß ist der sportliche Ehrgeiz. „Natürlich habe ich auch persönliche Ziele für diese Saison“, sagt Hungerford. „Aber die sind erst wichtig, wenn wir mit dem Team unsere Ziele erreicht haben.“

Träume vom German Bowl

Die Canes gehen dieses Jahr als wahre Wundertüte in die Saison. Einen Test unter Wettkampfbedingungen gab es nicht, weil die Kieler erst eine Woche nach dem eigentlichen Liga-Start ins Spielgeschehen einsteigen und für ihren gewünschten Termin keinen Testspielgegner fanden. Das Duell gegen die Dresden Monarchs am Sonnabend wird also ein Sprung ins kalte Wasser. Träumen ist dennoch erlaubt. „Wenn ich meinen Freunden in den USA erzählen könnte, dass wir im German Bowl waren – das wäre atemberaubend“, sagt Hungerford.

Hier gibt es Heimspiel-Tickets

Karten für die Heimspiele der Kiel Baltic Hurricanes gibt es an der Tageskasse am Kilia Stadion, Hasseldieksdammer Weg 165 (nur Barzahlung möglich) sowie an allen Eventim-Vorverkaufsstellen oder online, zum Beispiel unter www.kn-tickets.de/sport. Dauerkarten sind in der Geschäftsstelle am Stadion zu den Öffnungszeiten mittwochs und donnerstags zwischen 16 und 18 Uhr erhältlich. Die Preise für Tagestickets liegen zwischen 8 (erm. 6,50) und 16 (erm. 13) Euro im Vorverkauf. An der Tageskasse sind sie je zwei Euro teurer.

Alle Nachrichten zu den Kiel Baltic Hurricanes lesen Sie hier.

Hier sehen Sie, wie die US-Neuzugänge der Kiel Baltic Hurricanes in Kiel wohnen.