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Sportmix Beach-Silber made in Kiel
Sport Sportmix Beach-Silber made in Kiel
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17:15 17.07.2019
Von Tamo Schwarz
Glückliche Silbermedaillengewinner (v.l.): Julius Thole, die Bundestrainer Eric Koreng und Martin Olejnak sowie Clemens Wickler. Quelle: hfr
Kiel

Vielleicht konnte man es schon ahnen. Damals, 2014 und 2015, als Julius Thole in Schilksee deutscher U19-Meister im Beachvolleyball wurde. Dieser 2,06-Meter-Lulatsch. Und U18-Europameister. Man hätte es wissen müssen. Spätestens 2018: deutscher Meister an der Seite von Clemens Wickler.

Jetzt sind die beiden Hamburger Vize-Weltmeister, haben die ohnehin feierwütige Beachmeute am Rothenbaum in Ekstase versetzt, die Menschen an den Fernsehschirmen verzückt. Punktverlust? Egal! Keep smiling! Das Duo hat Olympia-Ambitionen, und die steile Erfolgskurve ist auch made in Kiel. Der Bundestrainer und Ex-Profi Eric Koreng (38) aus Kiel weiß das ganz genau, bleibt aber gewohnt zurückhaltend.

Das junge deutsche Beachvolleyball-Nationalteam Julius Thole und Clemens Wickler hatte bei der Heim-WM in Hamburg die Sensation knapp verpasst. Das Duo verlor das Finale 1:2 (21:19, 17:21, 11:15) gegen die Russen Wjatscheslaw Krasilnikow und Oleg Stojanowski.

Eric Koreng und David Klemperer waren Olympia-Fünfte in Peking

Zur Erinnerung: Koreng und sein Partner David Klemperer waren das Duo „Klempeng“, deutsche Meister und Olympia-Fünfte 2008. Koreng hat mit Ehefrau Maria und Sohn Matteo (9) in Kiel Wurzeln geschlagen, ist seit 2017 neben Chef-Bundestrainer Martin Olejnak in Hamburg als Bundestrainer für die deutschen Männer verantwortlich. WM-Silber von Thole/Wickler nach dem 21:19, 17:21, 11:15 im Finale gegen Wjatscheslaw Krasilnikow und Oleg Stojanowski (Russland) ist auch sein größter Erfolg als Trainer.

Trainer Koreng zeigt Julius Thole, was ein Block ist 

Eric ist extrem positiv, ein Wettkampf-Mensch. Seine Mentalität ist überragend. Er hat mich im Block weitergebracht“, sagt der 22-jährige Thole. Vor den Matches gebe es, so Thole, so manches Drückduell oberhalb der Netzkante zwischen Lehrer und Schüler. „So langsam weiß ich meine Größe zu nutzen. Aber Eric hat so einige Duelle gewonnen, springt auch gerne im Training ein. Wenn er gewinnt, muss man sich das wochenlang anhören.“ Thole lacht. Dieses Zahnpastastrahlen, das ihn auch auf dem Court auszeichnet. Er spricht von einer „coolen Atmosphäre im Training“, lobt das „ganze Trainerteam“, spricht ganz verhalten von einer „unglaublichen Medienresonanz bei und nach der WM“ und schiebt – obwohl es eigentlich keiner Erklärung bedarf – schnell hinterher: „Wir sind beide bodenständige Typen.“ 

Steckbrief

Name: Eric Koreng.
Alter: 38.
Geburtstort: Stralsund.
Wohnort: Kiel.
Familienstand: verheiratet mit Maria, ein Sohn (Matteo/9).
Beruf: seit 2017 Beachvolleyball-Bundestrainer.
Erfolge als Spieler: Deutscher Meister 2008, Olympia-Fünfter 2008, World Tour: Grand-Slam-Sieger in Stavanger 2010, Grand-Slam-Silber in Gstaad 2010, EM-Bronze 2007, DM-Bronze 2007, DM-Bronze 2009, DM-Bronze 2010, DM-Bronze 2011 (jeweils an der Seite von David Klemperer), Aufschläger des Jahres auf der World Tour 2011, Deutscher Vizemeister 2012 (an der Seite von Alexander Walkenhorst).

Beachvolleyball-Nationalteams, das ist auch immer ein großes Puzzle für die Bundestrainer. Thole, der bei den Eagles des Kieler MTV in der Saison 2014/2015 in der Zweiten Bundesliga auch unterm Hallendach angriff, hatte wechselnde Partner, spielte zuletzt an der Seite des Kielers Lorenz Schümann. Thole und Wickler, das war dann 2018 wie das letzte fehlende Puzzleteil. Im Juni 2018 lag das Duo auf Rang 65 der Weltrangliste, kletterte jetzt auf Platz sieben.

Clemens Wickler mit dem Talent zum besten Abwehrspieler der Welt

Hier der „spielintelligente“ (Koreng) Thole, mit dem die Coaches aufgrund seines schnellen Wachstums und einiger Verletzungen noch Sorgen hatten. „Wir mussten ihn erst einmal körperlich so stabil und fit machen, dass er eine internationale Saison durchhält. Und wir sind noch dabei. Dass er ein Top-Spieler wird, war schon absehbar“, sagt Koreng. Da der 24-jährige Wickler – U 19-Weltmeister, U 20-Europameister, deutscher Meister in Timmendorfer Strand 2015, 2017 und 2018 mit drei verschiedenen Partnern. „Er ist ein Ausnahme-Athlet“, sagt Koreng. „So ein Ballgefühl und taktisches Verständnis bringen nicht viele mit. Er hat das Zeug, der beste Abwehrspieler der Welt zu werden.“

Bodenständig: Jura-Student Thole („Ich setze mir kleine Ziele, schreibe vielleicht im Sommer nur eine Klausur und mache lieber wenig, aber dann gut“) und Wirtschaftswissenschaften-Student Wickler, die mit 1440 Punkten an der Alster einen Riesenschritt in Richtung Olympia-Qualifikation für Tokio 2020 gemacht haben und dennoch geerdet sind. Durch ihr Umfeld, durch das Trainerteam mit den Bundestrainern, den Coaches Jürgen Wagner (Athletik) und Markus Dieckmann (Block) sowie Mentaltrainerin Anett Szigeti. „Nicht abheben, die Zeit genießen. Die Olympia-Quali ist noch nicht in trockenen Tüchern. Das ist noch ein langer Weg, und eigentlich war der Durchbruch auch erst für Olympia 2024 geplant“, so Koreng. Moment mal! 2024? Die beiden sind doch schon Vize-Weltmeister? „Diese Leistung kann man aber nicht jedes Mal abrufen. Und wenn die Quali klappt, ist das Ziel schon, ins Halbfinale vorzudringen.“ Die WM-Tage und das Abschneiden seine Schützlinge sei auch für Koreng „mega genial für das ganze Trainerteam“ gewesen. 

Silber-Duo Thole/Wickler tritt in Portugal wieder an

Längst hat sich das Duo mit seiner Mentaltrainerin über die nun ins Unermessliche steigende Erwartungshaltung ausgetauscht. „Unser Team holt uns runter“, sagt Julius Thole. Clemens Wickler verspricht: „Abheben werden wir garantiert nicht. Ich hole Julius auf den Teppich zurück und er mich.“ Am Mittwoch wurden die Silber-Boys bei einem Senatsempfang im Hamburger Rathaus geehrt, der nächste Welttour-Auftritt ist ab dem 17. Juli beim Vier-Sterne-Turnier im portugiesischen Espinho geplant, weitere Höhepunkte sind die Europameisterschaft in Moskau (5. bis 11. August), die große DM-Party in Timmendorfer Strand (30. August bis 1. September) sowie das World-Tour-Finale in Rom (4. bis 8. September).

Ziel ist Beachvolleyball bei Olympia in Tokio

Ziele, die Julius Thole („Wir haben bei der WM vier absolute Topteams geschlagen, teilweise sogar souverän. Das gibt uns mehr Gelassenheit“) mit großem Selbstbewusstsein angeht. Im Ranking für Tokio 2020 sind Thole/Wickler sogar schon Fünfte. Wer weiß, vielleicht heißt es dann im August 2020, nach den Olympischen Spielen: Man konnte es schon ahnen oder: Man hätte es wissen müssen.

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