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Sportmix Sportakrobaten des KTV erleben "irren Andrang"
Sport Sportmix Sportakrobaten des KTV erleben "irren Andrang"
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20:30 18.02.2020
Von Clemens Behr
Training der Sportakrobaten: Levke stützt sich auf Lennes Händen ab. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

„Nimm den Kopf gleich rein. Das Becken mehr schieben. Spannung, sonst fangen wir nochmal an.“ Kurze, strenge Anweisungen gellen durch die Sporthalle der Käthe-Kollwitz-Schule. Auf dem Boden liegen in Reih und Glied 40 Nachwuchsturner – die Sportakrobaten des Kieler TV.

Mittendrin: Lenne Waschko (15) und Levke Schröder (11). Sie turnen als Damen-Paar für den KTV in der Vollklasse. In der Schülerklasse sind sie Schleswig-Holsteinische Landesmeisterinnen. Zu Wettkämpfen reisen sie bundesweit, sind dafür auch mal neun Stunden unterwegs. Vier bis fünfmal die Woche trainiert das Duo. Lenne ist seit achteinhalb Jahren, Levke seit sechs Jahren dabei. Zwei Jahre turnen sie bereits zusammen.

Sportakrobatik ist noch nicht olympisch

Die Sportakrobatik fristet ein Schattendasein. Anders als Kunstturnen und Rhythmische Sportgymnastik ist die noch relativ junge Sportart nicht olympisch. Neben nur zwei anderen Vereinen in Schleswig-Holstein wird beim KTV Sportakrobatik als Wettkampfsport betrieben. Sportakrobatik ist Turnen in Mannschaftsform auf einer zwölf mal zwölf Meter großen und gefederten Bodenfläche. Geturnt werden Tempo- und Balancefiguren zu Musik. Dabei gefordert: Kraft, Beweglichkeit und Disziplin. „Hier gibt es nichts Luschiges“, sagt Spartenleiterin Sylke Hansen. „Wenn ein Kind ganz oben auf der Pyramide steht, dann ist es auch wichtig, dass alle voll bei der Sache sind.“

"Fehler miteinander finden und nicht beim anderen suchen"

Und worauf kommt es bei dem Mannschaftsport noch an? Gegenseitiges Vertrauen und Abstimmung. „Wir müssen Fehler miteinander finden und nicht beim anderen suchen“, sagt Lenne. Dass das keine Plattitüde ist, zeigen die beiden in jeder Trainingsminute. Ständig tauschen sie sich aus: Was hat nicht geklappt? Warum nicht? Sie albern herum, richten sich die Zöpfe vor den Figuren, klatschen sich ab. „Wenn wir uns nur anzicken, kommen wir nicht weiter“, so Lenne. Die beiden Mädchen wirken wie Geschwister. „Das ist das schöne hier. Die Großen kümmern sich um die Kleinen“, sagt Sylke Hansen.

Ein Duo besteht aus Ober- und Unterpartnerin

Levke setzt einen Fuß an Lennes Hüfte, schwingt den anderen auf die Schulter und hängt einen Augenblick später kopfüber in der Luft, stützt sich nur auf Lennes Händen ab. Beide schauen sich in die Augen.

Levke ist die Oberpartnerin des Duos. Sie ist für die spektakulären Figuren zuständig. Lenne, ihrer Unterpartnerin, muss sie dabei voll vertrauen können – und auch Vertrauen in sich selbst haben. Als Levke auf Lennes Schultern steht, um zum Salto anzusetzen, zögert sie und bricht die Übung ab. „Die Matten sind hier nicht so weich, wie in unserer anderen Trainingshalle in der Kieler Universität. Das kostet dann noch mehr Überwindung“, erklärt Sylke Hansen.

Sportakrobaten beim Kieler TV erleben Ansturm

Ohnehin würden die Sportakrobaten gerne unter besseren Bedingungen trainieren. In der kleinen Schulsporthalle sind zu beiden Seiten der Matten nur wenige Meter Platz bis zur Wand. Hansen: „Da muss man sich schon sein Plätzchen suchen, um die Übungen sicher ausführen zu können.“ Etwa 80 Sportakrobaten, von fünf bis 16 Jahre, sind beim KTV aktiv. „Wir haben einen irren Andrang“, sagt die Spartenleiterin. Willen und die körperlichen Voraussetzungen müsse man aber mitbringen.

Training endet mit Erfolgserlebnis

Am Ende des Trainings versucht das Duo nochmal den Salto-Abgang. Und dieses Mal traut sich Levke den Absprung zu: Mit angewinkelten Beinen fliegt sie in zweieinhalb Metern Höhe durch die Luft und landet ein paar Zentimeter vor Lenne. Beide umarmen sich, Levke strahlt und ist zufrieden. „Das war wichtig, sonst setzt sich die Angst vor einer Übung fest“, sagt Hansen. Angst dürfen die Akrobaten in diesem Sport aber nicht haben „Ein bisschen muss man auch eine Rampensau sein, sonst klappt das nicht.“

Sportakrobatik

Trendsport zwischen Turnen, Tanz und Show

In der Sportakrobatik wird in Gruppen eine Übung nach Musik auf einer zwölf mal zwölf Meter großen Bodenfläche mit Elementen aus dem Kunstturnen und akrobatischen Wurf- und Hebeteilen geturnt. Die Figuren müssen möglichst synchron ausgeführt werden. Zudem sollten die Übungen elegant, kraftvoll und technisch sauber aussehen. Das stellt hohe Anforderungen, insbesondere an die Neueinsteiger. Unterschieden werden fünf Disziplinen: Damen-, Herren- und Mixed-Paare sowie Damen-Dreier- und Herren-Vierergruppen. Bei den Wettkämpfen werden festgelegte Kataloge geturnt, bestehend aus individuellen und Partnerelementen.

Die Sportakrobaten des KTV gingen 2019 erstmals mit vier Teams in der A-Klasse an den Start: einem Mixed-Paar, zwei Damen-Paaren und einem Damen-Trio. Acht Trainer, die auf verschiedene Elemente, wie Statik- und Bodenübungen, spezialisiert sind, betreuen die Turner. Neben den Wettkämpfen ist jedes Jahr die Polizeishow in der Sparkassen-Arena ein Höhepunkt für die Artisten.

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