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Sportmix Das Geld für die „Party“ wird an anderer Stelle fehlen
Sport Sportmix Das Geld für die „Party“ wird an anderer Stelle fehlen
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09:56 28.11.2015
Von Martina Drexler
Nein zu Olympia: Die Gegner der Spiele protestierten vor dem Kieler Rathaus. Quelle: Uwe Paesler
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1. Der Breitensport kommt zu kurz. Olympische Spiele in Kiel wären aus Sicht der Linken nicht viel mehr als „zwei tolle Partywochen“. Der Spitzensport habe zwar seine Berechtigung. Unter dem Motto „Breitensport statt Spitzensport“ fordern sie jedoch eine vorrangige Förderung des Breitensports, bei dem ein riesiger Investitionsstau anstehe. Denn er sichere allen eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft und überwinde vielfältige Barrieren, argumentiert der Kieler Linke Florian Jansen. Die Olympia-Pläne für Schilksee nutzten nicht dem Segelstandort, kontern die Kritiker: Würden sie realisiert, bedeute dies weniger Parkplätze, ein kleineres Hafenvorfeld und den Wegfall des Campingplatzes.

2. Das Finanzrisiko ist für die Stadt viel zu groß. Die Kritiker warnen davor, dass die Kosten wie so oft bei vorherigen olympischen Spielen den festgesteckten Rahmen sprengen und die Stadt ein immenses Risiko trotz des beschlossenen Ausstiegsszenarios eingeht. Zudem will der Bund erst im Februar 2016 seine Zusage konkretisieren, wie viel Geld an Unterstützung er Hamburg und Kiel zahlen will. Die Stadt Kiel hat ihr Finanzierungskonzept auf der Grundlage entwickelt, dass Bund und Länder jeweils ein Drittel übernehmen. Stefan Rudau (Linke) befürchtet daher dass der Kieler Haushalt womöglich für Jahrzehnte ruiniert wird. Schon in diesem Jahr, werfen die Gegner der Stadt vor, verschwende sie 1,4 Millionen Euro für die Bewerbung. Darin enthalten sind neben den Kosten für die Machbarkeitsstudie, Bewerbung, Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerentscheid auch die Personalkosten städtischer Mitarbeiter für die Olympia-Kampagne.

3. Es wird an den falschen Stellen investiert. Neben Kiel steckt auch das Land Schleswig-Holstein viel Geld in Olympia. Diese Mittel werden für Schulen, Personal, Investitionen in Arbeitsplätze, Krankenhäuser und vieles mehr fehlen, werben die Kritiker für ein Nein. Statt ohnehin knappe Gelder für „Prachtbauten“ in Schilksee auszugeben, braucht Kiel aus ihrer Sicht gerade jetzt öffentliche Investitionen in allen Stadtteilen, insbesondere in den sozialen Wohnungsbau, um steigende Mieten einzudämmen.

4. Die Bürgerrechte werden eingeschränkt. Wo und wann wird es Demonstrationsverbote oder Einsatz von Drohnen während der Spiele geben? Solche Fragen sind ebenso offen wie die Kosten eines Sicherheitskonzepts, da niemand weiß, wie sich die Sicherheitslage bis 2024 geändert hat. Klar ist jedoch, dass während der olympischen Spiele wie bei Großveranstaltungen üblich, „sowohl der öffentliche Raum als auch das Veranstaltungsgelände“ per Video überwacht werden. Eine „flächendeckende Videoüberwachung“ wie während der Spiele in London sei in Kiel nicht geplant. Diese Antwort erhielten die Piraten auf ihre Anfrage an die Landesregierung. Darin wird auch erklärt, dass das Errichten von Zäunen geplant ist.

5. Es geht nur um den Kommerz. Das Internationale Olympische Komitee sieht sich spätestens seit den Skandalen 1998 rund um die Vergabe der Winterspiele in Salt Lake City mit dem Ruf konfrontiert, bestechlich zu sein, massive Eingriffe in die Natur wie in Sotschi hinzunehmen und nur für sich Profit herausschlagen zu wollen. Die Gegner in Kiel nehmen dem IOC daher den Reformkurs nicht ab. Die Affäre um die Vergabe der WM 2006 bestärkt sie in der Befürchtung, dass solche Sportspektakel immer mit Korruption einhergehen.

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