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Sportmix In Kiel ist das Feld schon bereitet
Sport Sportmix In Kiel ist das Feld schon bereitet
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13:04 01.04.2015
Von Ralf Abratis
Die Bauten des Olympiazentrums von 1972 sind nach heutigem Standard zwar keine Schönheiten, bieten aber gute Sicht auf die Finalrennen. Und sie sind auch seit Jahren ideale Infrastruktur für die deutschen Spitzensegler, die hier alle Trainingsmöglichkeiten und die entsprechenden Hallen für ihre Sportgeräte vorfinden. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Nach der Umbesetzung der Evaluierungskommission kann Kiel nun – befreit von dem Verdacht einer persönlichen Bevorzugung – ganz mit sachlichen Gründen für sich werben.

Vor zehn Tagen, als die Kommission benannt wurde, gab es einiges Rumoren in Seglerkreisen. Zu Recht. Denn für das Gremium wurden auch zwei Mitglieder des Kieler YC nominiert. Andreas Lochbrunner, Präsident des Deutschen Segler-Verbandes, und Dierk Thomsen, Experte der deutschen Bewerbung für 2012, waren zwar aus inhaltlichen Gründen berechtigte Kommissionsmitglieder, haben sich nun aber aus der Entscheidungsfindung zurückgezogen. „Wir haben entschieden, dass wir diesem Gremium nicht angehören werden, um auch nicht den leisesten Zweifel an der Unabhängigkeit der Kommission aufkommen zu lassen“, sagte Lochbrunner.

 Alle drei Städte werden nun in den kommenden Tagen ihre Bewerbungen auf Hochglanz bringen und Gespräche hinter den Kulissen führen. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hatte unlängst vor der Mitgliederversammlung des Kieler YC bekannt, dass der Adrenalinspiegel nach der Ernennung Hamburgs gestiegen sei. „Wir haben noch an dem Abend jeden zur Seite genommen, der nach Entscheider aussah“, so Kämpfer. Die Chance, ein drittes Mal die olympischen Segelwettbewerbe in die Landeshauptstadt zu holen, solle mit aller Konsequenz angegangen werden: „Es geht nicht nur um Olympia, sondern um die gute Zukunft des Segelstandort Kiels in den kommenden zehn bis 20 Jahren.“

 Dass die Landeshauptstadt die Argumente auf ihrer Seite hat, daran ließ der Oberbürgermeister keinen Zweifel: „Wenn es bei der Aussage bleibt, dass die sportlich beste Entscheidung getroffen werden soll, dann muss uns nicht bange sein.“ Denn die Qualität des Standortes und der Zuspruch der Bevölkerung sprächen eine klare Sprache pro Kiel. „Olympia ist das Thema in der Stadt, das derzeit alle eint“, sagte Kämpfer.

 82 Prozent Zustimmung hat eine Online-Befragung der Stadt ergeben, die Internet-Aktion „Kiel macht O“ kreiert immer neue Foto-Ideen und sportfachlich kann es an Kiel kaum einen Zweifel geben. In den vergangenen 43 Jahren seit den Spielen 1972 hat das Olympia-Zentrum Schilksee seine Nachhaltigkeit bewiesen. Mit bis zu 5000 Teilnehmern zur Kieler Woche kommt Jahr für Jahr ein Feld von Seglern an die Förde, das das der olympischen Segelwettbewerbe um mehr als das Zehnfache übertrifft. Die konkurrierenden Städte haben mit ihren Segelwochen zwar auch große Ereignisse vor der Haustür, doch der Ruf der Kieler Woche ist international deutlich stärker, und die Organisation und die mediale Aufbereitung des Sports setzt weltweit die Maßstäbe. Die Segler treffen zudem auf ein Revier, das nicht einfach ist, aber fair. In Kiel wehen zu allen Jahreszeiten verlässlich, aber unterschiedliche Winde, die eine Spezialisierung auf eine Windstärke, wie es 2008 im schwachwindigen Qingdao (China) der Fall war, nicht zulassen.

 Jochen Schümann, Deutschlands erfolgreichster Segler, bekundet zwar, dass das Revier vor Warnemünde die beständigsten Winde und die schönste Welle bietet. Ob das allerdings im olympischen Wettstreit das entscheidende Kriterium ist, bezweifelt zumindest René Schwall, Olympia-Dritter von 2000. „Einfache Winde sind ja nicht gleichbedeutend mit fairen Winden. Bei Olympia sind Taktiker gefragt und Allrounder, die mit allen Verhältnissen zurecht kommen. Dafür ist Kiel ideal“, sagte er unlängst beim KN-Forum zum Thema Olympia.

 Ein weiterer Pluspunkt für das Revier an der Förde ist die bereits bestehende Infrastruktur. Das Olympiazentrum ist die Heimat der besten deutschen Segler, die im Bundesleistungszentrum ideale Voraussetzungen finden: von Kraftraum über Schwimmhalle und einer Sporthalle bis hin zur großen Bootshalle, in der die Jollen gelagert werden können, ohne nach jedem Training abgeriggt werden zu müssen. Für den Deutschen Segler-Verband hieße es, ein großes Pfund in der Olympiavorbereitung aus der Hand zu geben, wenn man einen Bogen um Kiel machen würde. Denn der gesamte Stab mit all der Infrastruktur müsste nach der Entscheidung umziehen: Wertvolle Mittel und zusätzliche Zeit müssten aufgewendet werden, die Chance auf einen echten Heimvorteil bei der Jagd nach Medaillen in 2024 oder 2028 würde schwinden.

Kommission zur Auswahl des olympischen Segelreviers gebildet

Die Beratungskommission für die Auswahl des Segel-Reviers an der Seite von Olympia-Bewerber Hamburg steht fest. Neun Mitglieder repräsentieren den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), die Stadt Hamburg und den Deutschen Segler-Verband (DSV) bei der Prüfung der Bewerber Kiel, Rostock-Warnemünde und Lübeck-Travemünde, teilte der DOSB am Mittwoch mit.

Neben Schwank entsendet der DOSB Christian Sachs, Leiter des DOSB-Hauptstadtbüros, und den für Wassersport zuständigen Leistungssportreferenten Hans Heinrich in die Kommission. Hamburg ist mit Innensenator Michael Neumann, dem Vorsitzenden der Hamburger Zukunftskommission Michael Beckereit und Olympia-Seglerin Kathrin Adlkofer vertreten. Für den DSV sind Sportdirektorin Nadine Stegenwalner aus Hamburg, Jugendobmann Timo Hass aus München und Jürgen Jentsch aus Füssen im Einsatz.