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Sportmix Kiel bewirbt sich mit Schilksee
Sport Sportmix Kiel bewirbt sich mit Schilksee
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22:57 10.04.2015
Von Gerhard Müller
Kiel zeige sich der deutschen Auswahlkommission für das Segeln von seiner besten Seite. Quelle: Frank Peter
Kiel

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer sprach anschließend von einem „spannenden Tag“, während dem die Möglichkeit, in Holtenau das olympische Dorf zu bauen, ad acta gelegt worden sei.  Dies ist offenbar auf die Aufforderung der Delegation, die aus je drei Vertretern des Deutsch-Olympischen Sportbundes, des Deutschen Segler-Verbandes und von Olympia-Bewerber Hamburg bestand, geschehen. „Wenn wir gewählt würden, dann wäre das olympische Dorf in Schilksee“, erklärte Kämpfer, der nun mit einer „sehr schnellen“ Entscheidung der Prüfer rechnet. Nach Informationen von KN-Online soll dies spätestens am kommenden Freitag geschehen.

Die Kommission hatte am Donnerstag zunächst Rostock und am Freitag von 9 bis 13 Uhr Lübeck besucht, ehe ab 15 Uhr viereinhalb Stunden die Verhältnisse in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt unter die Lupe genommen wurden. Die Kieler hatten außer Kämpfer, der sich als Moderator in einem Experten-Team fühlte, unter anderem  René Schwall, Ex-Weltmeister im Tornado und Olympia-Dritter von Sydney 2000, Heiko Kröger (Paralympicssieger von Sydney 2000, und den aktuellen Segler des Jahres, Philipp Buhl aufgeboten. Für dieses Trio steht außer Frage, wo in neun Jahren olympisch gesegelt werden sollte. Kröger fasste das so zusammen: „Warnemünde ist ein Mythos aus DDR-Zeiten, da hat sich nichts entwickelt. Vor Travemünde zu segeln ist ganz nett, mehr aber auch nicht. Es kann nur sentimentale Gründe geben, die Segelspiele nicht bei uns zu veranstalten.“ Zum Beispiel das Argument, Kiel habe ja schon 1936 und 1972 Olympia erlebt.

„Wer passt am besten zu Hamburg?“

Ministerpräsident Torsten Albig war  in Kiel und Lübeck dabei. Beide Städte hätten gute Chancen, sagte der Regierungschef in Schilksee: Die entscheidende Frage sei jetzt: „Wer passt am besten zu Hamburg?“ und erhöhe Hamburgs Chancen gegen Boston oder Paris. Im Übrigen fand er, dass die Kommission unvoreingenommen ihrer Arbeit nachgehe: „Die suchen wirklich den besten Partner für Hamburg.“
Bürgermeister Peter Todeskino erläuterte am Nachmittag bei einem Rundgang durch das Olympiazentrum in Schilksee die Bauplanungen, wobei es allerdings zu von Mobiltelefonen verursachten kleinen Störungen der Lautsprecheranlage kam.

Wer das Rennen um die olympischen Segelspiele 2024 gewinnt, bleibt offen. Sicher ist seit Freitag jedoch: Kiel macht es nur mit Schilksee. Das jedenfalls ist aus Sicht des Gastgebers von 1936 und 1972 das Fazit, nachdem die neunköpfige Kommission am Freitag um 19.25 Uhr im Kieler Yacht-Club ihre Prüfung beendet hatte.

Kurz vor 17 Uhr gingen alle Beteiligten an Bord der „Merkur II“ zur Besichtigung des zweiten potenziellen Segelzentrums auf dem Gelände des ehemaligen Marinefluggeschwaders in Holtenau, das daraufhin fallengelassen wurde. Stattdessen konnten die Kieler damit punkten,  „exklusiv für Olympia“ eine Bus-Expresslinie vom Hauptbahnhof bis zum Olympiagelände ebenso einzurichten wie Großraumparkplätze und Shuttle-Transporte für Besucher im Zehn-Minuten-Takt. Der Ausbau der Nordmole ermögliche demnach „Segeln zum Anfassen“, der Neubau eines Vier-Sterne-Hotels sei direkt am Olympiazentrum geplant.

Kiel will mit Kompetenz und Innovation punkten

Weitere Hotelansiedlungen seien fester Bestandteil des gesamttouristischen Konzepts der Stadt. Zwei Olympische Spiele, eine rekordverdächtige Zustimmung in der Bevölkerung, weltweit erster Standort für die Inklusion im Segelsport – die Landeshauptstadt will mit Kompetenz und Innovation punkten. Am Abend reiste die Delegation weiter nach Hamburg und fährt am Sonntag nach Cuxhaven, das überraschend erst am Donnerstag in den Bewerberkreis nachgerückt war.