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Sportmix Freude an Elbe und Förde
Sport Sportmix Freude an Elbe und Förde
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22:25 16.03.2015
Von Ralf Abratis
Über die Olympia-Bewerbung von Hamburg freut sich auch Kiel. Quelle: Stadt Kiel
Hamburg

Politik und Wirtschaft im Norden sind schon voller Euphorie. In Sportlerkreisen herrscht dagegen noch etwas Zurückhaltung. Abwarten bis Sonnabend ist die Devise. Dann wird auf der außerordentlichen DOSB-Vollversammlung in Frankfurt am Main das letzte Votum für eine deutsche Bewerberstadt abgegeben. Allgemein wird der Tagung aber nur noch die Rolle der Bekräftigung zugeschrieben.

Seltene Einigkeit herrschte unter den Bundestagsabgeordneten aus Kiel in der Olympiafrage. „Die Empfehlung ist supertoll für die Hansestadt. Das freut mich insbesondere auch als gebürtiger Hamburger. Das steigert auch die Chancen für Kiel. Die Landeshauptstadt wäre nicht nur seglerisch, sondern auch wegen der Nähe zu Hamburg die richtige Entscheidung“, sagte Thomas Stritzl (CDU). In die gleiche Kerbe schlug Hans-Peter Bartels (SPD): „Super für den Norden! Jetzt kann Hamburg international mit Berlin und München gleichziehen. Und Kiel macht das Triple!“ Und auch Luise Amtsberg (Bündnis90/Die Grünen) sah in dem DOSB-Vorschlag ein gutes Signal: „Mit der Nominierung Hamburgs ist Kiel den Olympischen Spielen einen Schritt näher gekommen. Für Hamburg und Kiel ist das auch eine große Chance zu beweisen, dass die Spiele, anders als an anderen Austragungsorten, unter strengen Nachhaltigkeitskriterien und menschenrechtlichen und demokratischen Rahmenbedingungen stattfinden können. Wir brauchen Investitionen, die unsere Stadt langfristig attraktiver machen – nicht nur für die Olympischen Spiele.“ Eine Umfrage der Stadt Kiel hat 82 Prozent Zustimmung zu den Plänen ergeben.

Unter dem Motto „Kiel macht O!“ trommelt die Kieler Wirtschaft bereits seit einigen Wochen mit Hilfe der Werbeagentur bdrops für die olympischen Segelwettbewerbe 2024 auf der Förde. Ob mit den Händen oder den Füßen, mit oder ohne Ring – die Kieler sind aufgerufen, originelle Fotos mit „O-Pose“ einzusenden und ihrer Olympia-Begeisterung freien Lauf zu lassen. „Ich freue mich darauf, möglichst viele Hamburger, Schleswig-Holsteiner und insbesondere Kieler mit der Vorfreude einer ganzen Region anzustecken“, kommentierte Sven Statsmann von der Agentur bdrops das Pro-Hamburg-Votum. Jetzt mache nicht nur „Kiel O für Olympia, sondern ganz Schleswig-Holstein fiebert Olympia in unserem Bundesland entgegen“, zeigte sich Uwe Wanger, Geschäftsführer von Kiel-Marketing, überzeugt. IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater versicherte, dass die Kammer bereit sei, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, damit Kiel zum dritten Mal Olympiastadt werde. Michael Thomas Fröhlich, Geschäftsführer der Unternehmensverbände Nord, versprach ebenfalls, Feuer und Flamme für Olympia zu sein.

Hans-Jakob Tiessen, Präsident des LSV Schleswig-Holstein, wollte dagegen noch nicht in großen Jubel ausbrechen. „Ich bin voller Freude, aber mit gebremstem Schaum – das gebietet allein schon der Respekt gegenüber der Vollversammlung am Sonnabend. Aber ich empfinde auch eine Genugtuung, denn wir haben lange Zeit darauf hingewirkt. Für Schleswig-Holstein ist es eine wichtige Weichenstellung und eine historische Situation, so ein Weltereignis direkt vor der Haustür haben zu können. Wir müssen jetzt versuchen, eine ganz breite Mehrheit zu bekommen, nicht nur im Sport, sondern in allen Teilen der Gesellschaft.“

Schleswig-Holstein hofft nicht nur mit Schilksee oder Travemünde darauf, die Segelwettbewerbe ausrichten zu können, mit Golf auf Gut Kaden und Handball in Kiel und Flensburg könnten weitere Wettbewerbe nördlich Hamburgs ausgerichtet werden. Entsprechend glücklich war THW-Handballer Dominik Klein: „Die Euphorie in Hamburg war einfach deutlich stärker spürbar. Der Slogan ,Feuer und Flamme’ wurde mit Leben gefüllt. Und solche Leidenschaft macht die Spiele für die Sportler zum Erlebnis. Da wir in der Welthauptstadt des Handballs leben, plädiere ich natürlich auch für Handball-Spiele hier. Und wer weiß? Vielleicht kann ich ja in irgendeiner Funktion dann dabei sein.“

Für die Segler geht das Rennen nach der Entscheidung nun erst richtig los. Kiel, Travemünde und Warnemünde haben sich als Segelpartner für Hamburg angeboten. „Hamburg hat bereits vorher angekündigt, uns als Fachverband in die Entscheidung mit einzubeziehen. Wir werden jetzt den Kontakt konkret aufnehmen“, sagt Andreas Lochbrunner, Präsident des Deutschen Segler-Verbandes.

Kiel und Lübeck wollen sich nun jeweils in Szene setzen: „Es ist zwar noch etwas Zurückhaltung wegen der endgültigen Entscheidung am Sonnabend angezeigt. Aber wir haben schon das Lächeln im Gesicht“, sagte Alexander Eck, der zweite Vorsitzende des Kieler YC, der wie OB Ulf Kämpfer bei der Hamburger Olympia-Party in der O2-World dabei war. Kiel sei, so Eck, für Hamburg das logische Segelrevier. „Wir haben einen OB, der Feuer und Flamme ist. Wirtschaft, Politik und Sport stehen hinter der Kieler Bewerbung. Und es gibt ein schlüssiges Konzept mit zwei Standorten, das nun mit dem DSV abgestimmt wird.“

Die Nacra17-Segler Paul Kohlhoff und Carolina Werner, Kieler Olympia-Aspiranten für 2016, erfuhren im Trainingscamp auf Mallorca von der Entscheidung. „Olympia vor Schilksee wäre für alle Kieler Segler eine Riesenchance“, sagte Kohlhoff, und seine Vorschoterin ergänzte: „Sollte es Kiel werden, wäre es eine klare Option für uns, bis dahin olympisch zu segeln.“