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Sportmix Shami ist die Überraschung des Jahres
Sport Sportmix Shami ist die Überraschung des Jahres
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07:00 21.02.2019
Von Merle Schaack
Turner Shamsu-Deen Raimi ist für die Leser auf KN-online die Überraschung des Jahres. Das Paradegerät des Zwölfjährigen ist das Pauschenpferd. Quelle: Frank Peter
Kiel

Shamsu-Deen Raimi kommt mit dem Bus. Jeden Tag nach der Schule aus Wellingdorf ins Leistungszentrum in der Rudi-Gauch-Halle. Sechsmal pro Woche trainiert er hier drei Stunden unter der Anleitung von Udo Poppe. "Vom Arbeitsaufwand müssen die Jungs schon sehr professionell sein", sagt der Landestrainer.

Ob Shami, wie er gerufen wird, in einigen Jahren ein echter Turn-Profi ist, wird sich auf dem Weg dorthin entscheiden. "Die Voraussetzungen dazu hat er", sagt Poppe. "Er hatte einen besonderen Bewegungsdrang und war schon als Fünfjähriger sehr sicher in den Grundbewegungen."

Erfolg auch jenseits seiner Altersklasse

Seit Poppe ihn auf einer Talentscouting-Runde durch die Turnvereine des Landes entdeckte, geht Shamis Karriere in großen Schritten voran. Im vergangenen Jahr durfte er beim Deutschlandpokal durch eine Sondergenehmigung des Deutschen Turnerbundes (DTB) in der höheren Altersklasse der 13/14-Jährigen starten. Dabei ließ er alle 44 älteren Kür-Turner hinter sich und siegte in der Einzelwertung.

Als jüngster schleswig-holsteinischer Turner aller Zeiten wurde er für die Junioren-Nationalmannschaft nominiert. Und beim U16-Länderkampf gegen Frankreich, Großbritannien und die Schweiz war der Youngster bester deutscher Turner am Pauschenpferd und am Barren.

Lob vom Olympiasieger Fabian Hambüchen

Als Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen Im Sommer bei den Landesmeisterschaften im Turnen in Kiel vorbeischaute, zeigte auch er sich beeindruckt von Shamsu-Deen Raimi: "Das ist schon eine Rakete, die ihr da habt", sagte er.

Angesprochen auf diese außergewöhnlichen Leistungen senkt Shami, der für den Kieler TV antritt, den Blick und sagt schlicht: "Es ist schon schön, wenn man so was schafft." So richtig geheuer ist ihm die Aufmerksamkeit nicht. Ebenso wenig wie Fragen zu Zielen oder Idolen. "Es geht ihm nicht um Preise", erklärt Trainer Poppe. "Für ihn zählt der Moment, wenn er eine neue Bewegung oder ein neues Element geschafft hat. Das ist sein Antrieb."

Derzeit arbeitet der Zwölfjährige an der Stützkehre, eine Übung am Barren, die bald in den Anforderungen an Shamis Altersklasse auftauchen wird. Wenn er über sie spricht, blitzt kurz der Ehrgeiz in seinen dunklen Augen auf. "Das Teil muss ich können, das brauche ich!", sagt er.

Schule und Sport stehen im Mittelpunkt

Ähnlich fokussiert sieht sein Alltag aus. Schule, Essen, Training, Hausaufgaben – viel mehr passt nicht in den Tag des Gymnasiasten. Computerspiele? "Dafür habe ich keine Zeit." Freunde treffen? "Manchmal zum Lernen." Und was sagt die Mutter, die Shami einst vom Kinderturnen in die Sichtungsgruppe des Landestrainers entließ, zur Karriere ihres Sohnes? "Die freut sich, dass ich mich bewege", erzählt Shami.

In diesem Jahr wird Shami wieder in der Nachwuchs-Bundesliga turnen, an den Landesmeisterschaften teilnehmen und im Juli bei seiner ersten Deutsche Jugend-Meisterschaft starten. Vergangenes Jahr verpasste er sie wegen einer Ellenbogenverletzung. Im Herbst steht der Deutschlandpokal an.

Spitze am Pauschenpferd

Auch wenn Shami kein Lieblingsgerät hat, seine Parade-Vorstellungen liefert er auf dem Pauschenpferd. An dem Gerät, das im Männerturnen für viele die schwerste Klippe ist, absolviert Shami seine Übungen mit großer Sicherheit. "Da ist er schon international aufgefallen", sagt Poppe. Aus seiner Sicht stehen seinem Schützling alle Türen offen. "Man weiß natürlich nie, was passiert. Ob er von Verletzungen verschont und auch während der Pubertät bei der Stange bleibt", sagt der Trainer. "Aber er ist schon die Nadel im Heuhaufen."

Sportlerwahl 2018 - Ergebnisse im Überblick

Frauen:

Angelique Kerber (Tennis) 48,2 %

Maru Scheel / Freya Feilcke (Segeln) 14,8 %

Lena Langer (Hockey) 8,5 %

Anna Behlen (Beachvolleyball) 7,9 %

Frieda Hämmerling (Rudern) 6,9 %

Theres Dahnke / Birte Winkel (Segeln) 5,5 %

Leonie Körtzinger (Beachvolleyball) 4,8 %

Laura Schewe (Segeln) 3,5 %

Männer:

Patrick Wiencek (Handball) 34,1 %

Niclas Ekberg (Handball) 17,2 %

Kingsley Schindler (Fußball) 8,9 %

Kenneth Kronholm (Fußball) 8,6 %

Moritz Behr (Volleyball) 8,1 %

Vincent Langer (Windsurfen) 7,2 %

Thore Beissel (Turnen) 6,9 %

Thiadric Hansen (Football) 5,6 %

Dominic Ressel (Judo) 2,3 %

Kai Ludorf (Kegeln) 1,2 %

Überraschung des Jahres

Shamsu-Deen Raimi (Turnen) 31,7 %

Günter Heyer (Marathonlauf) 27 %

KTV Adler (Volleyball) 21,7 %

Tim Fischer / Fabian Graf (Segeln) 19,7 %

Mehr zur Sportlerwahl 2018 lesen Sie hier.

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