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Sportmix Uliczka verlässt die Hindernisstrecke
Sport Sportmix Uliczka verlässt die Hindernisstrecke
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13:30 22.11.2014
Von Gerhard Müller
Er will 2016 in Rio de Janeiro starten: Steffen Uliczka beim Training in der Strander Bucht. Quelle: Andreas Fuchs
Kiel

Die Entscheidung ist in den vergangenen Wochen langsam gereift, auch in Gesprächen mit Bundestrainer Wolfgang Heinig und Heimtrainer Andreas Fuchs. Uliczka, sechsfacher deutscher Meister auf der Hindernisdistanz, steckt sich ein neues Ziel. Um das zu erreichen, darf er maximal zwei Stunden und zwölf Minuten benötigen. Das ist die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) festgelegte Olympia-Norm für Rio.

 Warum Marathon? Der um prägnante Antworten selten verlegene Kieler bringt es auf den Punkt: „Weil ich ganz einfach Bock habe.“ Es ist nicht so, dass dem 30-Jährigen die Lust am Laufen über Hürden vergangen ist, aber nach dem DM-Titel im Juli in Ulm und Platz sieben bei der Europameisterschaft im August in Zürich kam er ins Grübeln. „Ich wollte in diesem Jahr unter 8:20 laufen und bei der EM eine Medaille gewinnen. Das ist mir nicht gelungen. Dennoch war die Saison nicht schlecht.“ Doch in der Analyse sei das Gefühl, in Zukunft Marathon zu bestreiten, immer stärker geworden. Stärker als die Gedanken, dass seine Hindernis-Karriere mit dem Umstieg unvollendet bleiben wird.

 Andreas Fuchs glaubt, dass die Entscheidung seines Schützlings anders ausgefallen wäre, wenn dieser sich bei der EM mit einem Podiums-Platz belohnt hätte. Der Trainer vom TSV Kronshagen/Kieler TB glaubt aber auch, dass Uliczka das Potenzial besitzt, um auf Anhieb in die deutsche Marathon-Spitze zu rennen: „Steffen bringt auch die Ruhe mit, die man auf dieser Strecke benötigt. Marathon ist eine Mentalitätssache, das geduldige Laufen ist nicht jedem gegeben.“ Uliczka hat erst einmal den 42,195 Kilometer langen Klassiker bewältigt: Am 26. Oktober in Frankfurt als Tempomacher von Mona Stockhecke, die in 2:33,50 Bestzeit erzielte. Auf Youtube ist der Kieler mit der Siegerin zu sehen, wie sie nach dem Zieldurchgang glücklich die Daumen in die Höhe strecken.

 Damit begann für Steffen Uliczka, der mittlerweile 20 Wochenstunden als Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsassistent bei der Revision und Treuhand in Kiel arbeitet, quasi die Vorbereitung auf Rio. Trainingspläne erhält er von Bundestrainer Heinig und dessen Frau Katrin Dörre-Heinig, die 1988 in Seoul für die DDR Marathon-Bronze gewann und nun auf dieser Strecke als DLV-Trainerin ihr Wissen weitergibt. Uliczka läuft mittlerweile von seiner Wohnung in Strande durch den Dänischen Wohld etwa 170 Kilometer pro Woche und fährt bis zu 110 Kilometer mit dem Rad. Drei Wochen lang wird die Belastung hoch gehalten, dann folgen sieben Tage mit einem um ein Drittel reduziertem Pensum. Der von der Stiftung Kieler Sporthilfe geförderte Athlet fühlt sich wohl dabei: „Es macht mir Spaß, lange Distanzen zu laufen.“

 Noch mehr Spaß wird es ihm vermutlich im Januar machen. Dann fliegt er für vier Wochen nach Kenia. Im Läufer-Land will er „den Spirit aufsaugen“ und sich auf den Hamburg Marathon vorbereiten. Am 26. April beginnt für ihn an der Elbe der Kampf um eines von maximal drei Tickets nach Rio.

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