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Sportmix Für Olympia sind wir alle Hamburger
Sport Sportmix Für Olympia sind wir alle Hamburger
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11:39 17.03.2015
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Sie sind schon Feuer und Flamme für Hamburg: Der Geschäfstführer der Kunsthalle, Stefan Brandt (l-r), Hamburgs Innensenator Michael Neuman und der Unternehmer Alexander Otto. Quelle: Axel Heimken/dpa
Berlin

Nach der Entscheidung des DOSB-Präsidiums zugunsten von Hamburg fordert Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) volle Unterstützung für das Olympia-Konzept der Hansestadt. „Für Olympia sind wir ab heute alle Hamburger“, sagte de Maizière am Dienstag in Berlin. „Es gibt bei dieser Bewerbung keine Gewinner und keine Verlierer. Es geht um eine Bewerbung für Deutschland. Hamburg ist jetzt unser gemeinsamer Kandidat.“ De Maizière sicherte zu, die Bundesregierung werde die deutsche Olympia-Bewerbung für 2024 auf dem weiteren Weg nach besten Kräften unterstützen.

Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hatte sich am Montag im Kandidatenrennen zwischen Hamburg und Berlin gegen die Hauptstadt entschieden. Am Samstag stimmen DOSB-Mitglieder in Frankfurt darüber ab und entscheiden endgültig.

Geringe Chancen für Hamburgs Bewerbung gegenüber hochrangigen Rivalen wie der US-Stadt Boston oder Rom sieht DOSB-Vorstandschef Michael Vesper nicht. „Es ist eindeutig so, dass bei einem internationalen Bewerbungsprozess alle Bewerber von derselben Startlinie loslaufen“, sagte er am Dienstag im Deutschlandfunk.

Auch die ebenfalls mögliche Fußball-EM 2024 in Deutschland sei kein Problem. „Wenn ein Land in der Lage ist, beide Ereignisse zu organisieren, in einem Sommer, in einem Super-Sportjahr, dann ist das Deutschland“, meinte der frühere Grünen-Politiker.

Die Olympia-Planer an der Elbe haben derweil bereits begonnen, an den Feinheiten ihres Konzepts zu feilen. „Wir müssen alle Kosten ermitteln, öffentlich machen und transparent darstellen“, kündigte Hamburgs Sportsenator Michael Neumann (SPD) die dringendsten Aufgaben für die kommenden Tage an. Auch die Auswahl eines Segelreviers - Kiel, Lübeck und Rostock wollen dabei sein — gehöre dazu. Auch auf Olympia-Kritiker soll zugegangen werden.

In Berlin spielten Olympia-Überlegungen dagegen erstmal für lange Zeit keine Rolle mehr, stellte Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) im RBB-Inforadio klar. Zwar bleibe er überzeugt vom eigenen Konzept. Nach dem nationalen Aus Berlins für 2024 schloss er eine erneute Bewerbung der Hauptstadt für 2028 aber kategorisch aus. Als Hauptursache für die Niederlage machte Henkel den Rückstand bei einer repräsentativen Forsa-Umfrage aus. „Wir wussten ja, dass das ein entscheidendes Kriterium für den DOSB gewesen ist. Wir haben aufgeholt, aber es hat am Ende nicht gereicht“, sagte er. In Hamburg hatten sich 64 Prozent der Befragten für eine Olympia-Bewerbung ausgesprochen, in Berlin dagegen nur 55 Prozent.

Die Niederlage Berlins gelte es zu akzeptieren, sagte Henkel auch in Richtung des Berliner Kulturstaatssekretärs Tim Renner. In den Bewerbungsregeln sei festgeschrieben, dass der deutsche Kandidat für 2024 bei einem Scheitern vier Jahre später noch einmal antrete, betonte er. Renner (SPD) hatte zuvor eine erneute Olympia-Bewerbung Berlins für 2028 in Aussicht gestellt. Er hatte gesagt, man werde ja sehen, was bei einem Scheitern der Hamburger Bewerbung 2024 passiere.

Hintergrund seiner Gedankenspiele: Bevor die Stadt an Alster und Elbe offiziell ins internationale Rennen gehen kann, müssen sich die Bürger in einem Votum für die Bewerbung ihrer Stadt aussprechen. Erst dann fällt der Startschuss für das Mitrennen im internationalen Wettbewerb, dem eigentlichen Wettlauf um die Spiele 2024. Im Jahr 2017 fällt das Internationale Olympische Komitee seine Entscheidung.

Der neue Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat sich als Olympia-Fürsprecher geoutet. „Ich bin zwar erst vor drei Tagen hier geweiht worden und Frisch-Hamburger, aber ich freue mich riesig, dass Hamburg der Bewerber für die olympischen Sommerspiele geworden ist“, teilte der Erzbischof am Dienstag mit. Er hofft, dass Hamburg wirklich die Stadt sein werde, in der die Wettkämpfe zu Gast sein können. „Ich wünsche mir, dass die Verbindung zwischen dem Sport und der Stadt intensiv und eine ganz homogene, gute Einheit wird“, sagte Heße.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert nach der Olympia-Empfehlung für Hamburg von der Stadt eine konkrete Planung und eine vertiefte Umweltprüfung. „Jetzt muss alles auf den Tisch. Vom Abfallkonzept bis zum Zubringerverkehr ist nachzuweisen, ob das Versprechen nachhaltiger Spiele tatsächlich umsetzbar ist“, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Manfred Braasch am Dienstag in Hamburg. „Neben der Frage klimaneutraler Spiele und der Nachnutzung des olympischen Dorfes ist zentral, wie das Flächenkonzept im Detail aussieht.“

Wenn das Großereignis überhaupt einen Schub für die Hamburger Stadtentwicklung bringen solle, dann müsse der neue Stadtteil auch nach Olympia für die Menschen nutzbar bleiben. „Hier muss der modernste Stadtteil Hamburgs entstehen: autofrei, regenerativ und sozial ausgewogen“, verlangte Braasch. Eine „strategische Umweltprüfung“ solle die Umweltauswirkungen des Vorhabens einschließlich möglicher Alternativen analysieren. Das hätten frühere Bewerberstädte wie Frankfurt, Kapstadt und Turin geleistet. Der BUND werde „nachhaltigen Spielen light“ nicht zustimmen, kündigte Braasch an.

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