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Sportmix Turn-Trainer Dietmar Popp geht in Rente
Sport Sportmix Turn-Trainer Dietmar Popp geht in Rente
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09:45 21.07.2019
SHTV-Trainer Dietmar Popp (li.) mit Olympiasieger Fabian Hambüchen. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Bis zuletzt ahnte Dietmar Popp nichts. Erst als seine Frau Angela in die Auffahrt zum Tennisheim „Aufschlag“ in der Niebuhrstraße einbog, stutzte er. Und da standen sie alle: über 50 ehemalige und aktuelle Turner, deren Eltern sowie Kampfrichter und Funktionäre hatten sich versammelt, um „Dietmar“ bzw. „Herrn Popp“ ein gebührendes Abschluss-Grillen zu bescheren. Denn der 64-Jährige, der seit 1991 sehr erfolgreich als Landestrainer in Schleswig-Holstein arbeitete, geht in seinen wohlverdienten Ruhestand. „Du hast uns für das Turnen begeistert und so viele Werte mit auf den Weg gegeben. Meine besten Freunde kenne ich aus der Turnhalle. Sie alle sind heute hier, um Dir zu danken“, sagte Organisator Thore Gauch (29) in seiner emotionalen Rede und präsentierte dazu alte Fotos und Trainings-Videos.

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Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden

Aufgrund der zahlreichen Erfolge der Turner wurde 2011 der lang ersehnte, zweite SHTV-Trainer eingestellt: Udo Poppe entdeckte das Ausnahmetalent Shamsu-Deen Raimi (Jg. 2006; KTV), so dass der Blick in die Zukunft optimistisch stimmt – wenngleich ein Nachfolger von Dietmar Popp, der am 11. Juli seine letzte Übungseinheit gab, noch nicht gefunden ist. „Ich bin hier in Kiel sehr gut aufgenommen worden, hatte eine schöne Arbeitsstätte und deshalb nie Ambitionen wegzugehen“, sagt der Ex-Landestrainer.

Dietmar Popp fuhr nach dem Mauerfall nach Trappenkamp

Rückblick: Im Herbst 1990 kam der damals 36-Jährige mit seinem Wartburg in der Landesturnschule Trappenkamp an. Dort hatte der Diplom-Sportlehrer der DHfK Leipzig ein Probetraining mit dem Jungen-Kader des Schleswig-Holsteinischen Turnverbandes (SHTV), der ein Jahr nach dem Mauerfall seinen ersten hauptamtlichen Trainer suchte.

Der gebürtige Sachse überzeugte neben den Fachleuten auch den damaligen SHTV-Vorsitzenden Niels Schwarz sowie Sportwart Thomas Wentz und trat am 1. Februar 1991 seinen Dienst in Kiel an. Die im folgenden Juni eröffnete Rudi-Gauch-Halle, das Landes-Leistungs-Zentrum (LLZ) im Winterbeker Weg, wurde Popps Wirkungsstätte. Der Coach sichtete dafür Talente in einigen Grundschulen und kooperierte intensiv mit den ehrenamtlichen Vereinstrainern. Früh legte er entscheidende Strukturen fest, und Schleswig-Holstein führte 1991 als erstes Bundesland die Landesmeisterschaften in dem neuen und sehr umfangreichen Pflichtprogramm durch. Die genauen Abläufe und Elemente dieser Übungen kannte Dietmar Popp an allen sechs Geräten und in bis zu fünf verschiedenen Altersklassen ebenso souverän wie die sich alle vier Jahre ändernden internationalen Kür-Regeln.

Popps Ziel: Zwei Marathon-Läufe im Jahr

Das 1994 selbst gebaute Haus in Schlüsbek bleibt seine Heimat. Die Kontaktpflege zu den zwei in Magdeburg und Konstanz lebenden Söhnen und zu Freunden steht ebenso im Fokus wie gemeinsame Reisen, Wanderungen und Skilangläufe mit Ehefrau Angela. Zwei Marathon-Läufe im Jahr sind ebenfalls sein Ziel. Zur Vorbereitung läuft Dietmar Popp dann rund 60 bis 80 km pro Woche. So ganz ohne Sport geht es bei ihm dann eben doch nicht…

Turnen in Schleswig-Holstein: Von Popps methodischen Hilfswegen profitieren diverse Bundesliga-Vereine

Von Beginn an setzte der Landestrainer die Zielstellung des LLZ erfolgreich um: das Entwickeln von Bundeskader-Athleten durch die Mannschafts-Teilnahme am Deutschlandpokal und im Einzel bei den nationalen Jugendmeisterschaften. Viele Jahre lang war Popp bei diesen Events Einzelkämpfer gegen die vielen Trainer aus den großen Olympiastützpunkten und festigte so den guten Ruf des SHTV und des Kieler LLZ. Auch die Turner, die nicht den Weg in den Bundeskader schafften, wurden von ihm getreu seines Credos „Fördern durch Fordern“ akribisch in den Grundlagen-Techniken ausgebildet. Von seinen vielen Video-Analysen und oft wiederholten, methodischen Hilfswegen profitieren heute auch diverse Bundesliga-Vereine, für die einige Kieler Männer-Turner seit Jahren an den Start gehen.

Engagierte Eltern wussten die Erziehung ihrer Söhne, die Dietmar Popp in den bis zu 18 Wochen-Trainingsstunden, bei Wettkämpfen und Lehrgängen vornahm, sehr zu schätzen und gründeten 1997 den Kieler Turner-Klub. Der Verein wurde zu einer großen Stütze, warb bisher über 375 000 Euro für die besten Turner des Landes ein und machte Teilnahmen in der Männer- und aktuell in der Nachwuchs-Bundesliga erst möglich.

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Von Jörg Schacht

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