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Sportmix Wie hält es Hamburg mit Olympia?
Sport Sportmix Wie hält es Hamburg mit Olympia?
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07:00 26.11.2015
Von Alev Doğan
Wie werden die Hamburger am Sonntag abstimmen? Diese Visualisierung zeigt das geplante Olympiastadion auf dem Kleinen Grasbrook gegenüber der Hafen-City nach den Olympischen Spielen 2024. Das Olympische und Paralympische Dorf, Olympiastadion, -halle und -schwimmhalle sind in diesem Bereich geplant. Quelle: Gmp; Bloomimages
Hamburg

Es sind nur noch drei Tage bis zum Olympia-Bürgerentscheid, und in Kiel laufen die Diskussionen auf Hochtouren. Befürworter wollen mit ihrem Enthusiasmus anstecken, Gegner wollen ernüchtern. Bei allem Für und Wider vergisst man fast: Auch in Hamburg findet ein Bürgerentscheid zu den Olympischen Spielen 2024 statt, und sollten sich die Hamburger gegen die Spiele aussprechen, würde das den Kielern – nicht nur im sprichwörtlichen Sinne – den Wind aus den Segeln nehmen. Während der Countdown zum Sonntag läuft, bleibt also die Frage: Wie ist die Stimmung in der Olympia-Partnerstadt? Ein Streifzug durch die Hansestadt.

Die Elbphilharmonie hat Wunden hinterlassen

Während die SPD, Partei des Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz, mit ihren Olympia-Plakaten mächtig die Werbetrommel rührt, scheint das demonstrative „Ja“ zu den Spielen nicht bei allen Hamburgern angekommen. Die Wenigsten wissen schon sicher, wie sie abstimmen werden. Spielen oder nicht spielen, das ist hier die Frage. „Ich bin, um ehrlich zu sein, noch unschlüssig“, sagt beispielsweise Florian Berchtold. In der Mittagspause tummelt er sich – wie gefühlt ganz Hamburg – zwischen den Weihnachtsständen an der Stadthausbrücke. „Wie, du bist noch unschlüssig? Am Sonntag musst du doch schon deine Stimme abgeben!“, fährt ihm sein Begleiter Michael Götz dazwischen. Der 30-jährige Staatsanwalt Berchtold ist nicht der einzige Unentschlossene. Je mehr man sich mit Hamburgern unterhält, umso öfter hört man: „Ja, aber ...“ „Ich bin ein Olympia-Fan, ich finde die Veranstaltung toll und finde auch, dass Olympia super nach Hamburg passt“, sagt Berchtold. Auch sein Aber folgt auf dem Fuß: „Ich finde dieses ganze Internationale Olympische Komitee furchtbar. Der ganze Verein stinkt nach Korruption.“ Und dann sagt er noch etwas, was sich wie ein roter Faden durch die Hamburger Olympia-Befindlichkeiten zieht: „Und seit der Elbphilharmonie ist Hamburg ein gebranntes Kind.“ Die Elbphilharmonie. Durch massive Kostensteigerungen und starke zeitliche Verzögerungen gilt der Bau des Konzerthauses als Skandalprojekt. Das scheint bei den Hanseaten Wunden hinterlassen zu haben.

Wenige Meter von den Juristen entfernt schlendern Ulla Harenberg und Uwe Deicke über den Platz. Auch sie sind hin- und hergerissen: „Ich habe gemischte Gefühle“, sagt Deicke. „Natürlich wäre es interessant, Gastgeber der Spiele zu sein, aber das Finanzielle ist ganz schön heikel. Wenn der Bund die versprochenen Mittel nun doch nicht beisteuert, dann wird das bitter für uns.“ Pensionär Deicke will es sich bis Sonntag noch durch den Kopf gehen lassen. Schließlich habe man als Hamburger ja schon einige Pleiten erlebt, zum Beispiel mit Hapag Lloyd und, richtig, der Elbphilharmonie.

Finanzielle Ungewissheit ist groß

Die Finanzen. Sie bereiten den Hamburgern die größten Sorgen. So auch dem groß gewachsenen, tätowierten, mit Elbsegler behüteten Frank Kremser. Wenn es so etwas wie einen Hamburger Urtyp geben sollte, käme er ihm wohl am nächsten. Um das Klischee perfekt zu machen, braucht man ihn nur nach seinem Beruf zu fragen: „Ich bin Festmacher“, lautet die Antwort. Der 45-Jährige wird am Sonntag gegen die Olympischen Spiele in Hamburg stimmen. Seine Kritik: „Es kostet jede Menge Geld, und was nach den Spielen passiert, ist unklar. Was passiert dann mit dem Gelände?“ Er fühlt sich von Politik und Organisatoren nicht ausreichend informiert. Neben ihm steht Marina Palm und sagt gut gelaunt: „Also ich hoffe, dass die Olympischen Spiele bei uns stattfinden.“ „Ach, so eine bist du?“, fragt Kremser halb scherzhaft. „Ja, absolut. Ich denke immer wieder an die Fußball-WM 2006 zurück. Das hat Deutschland und uns als Gesellschaft sehr gut getan, und ich glaube, dass Olympische Spiele in Hamburg und Kiel Ähnliches bewirken könnten.“ Kremser nickt zustimmend, trotzdem bleibt er bei seiner Meinung: „Was ist nach Ablauf der Spiele?“ Die Ungewissheit in der Hansestadt ist groß.

„Also London hat es gut getan“, sagt die Londonerin Anja Liewehr. Sie ist zu Besuch bei ihrer Freundin Stefanie Glaser. „Wir in England waren immer die Außenseiter Europas, schon allein durch das Wasser getrennt vom europäischen Kontinent.“ Durch die Olympischen Sommerspiele 2012 habe man sich besser kennengelernt, sei kulturell und gesellschaftlich zusammengerückt: „Die ganze Welt war ja bei uns zu Besuch.“ Ihre Hamburger Gastgeberin sagt: „Wir müssen diese Gelegenheit nutzen! Der Austausch, die Weltoffenheit, das ganze Feeling: Wir können davon nur profitieren.“

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