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THW Kiel THW Kiel holt Big Points gegen Flensburg
Sport THW Kiel THW Kiel holt Big Points gegen Flensburg
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22:04 12.09.2019
Von Merle Schaack
Nach einer Auszeit schickte Filip Jicha Steffen Weinhold und Domagoj Duvnjak (Bild) in den Angriff. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle erlebten der THW Kiel und seine Fans im 101. Landesderby gegen die SG Flensburg-Handewitt. Nach einer Mannschaftsleistung wie aus einem Guss führten die Zebras zur Pause mit fünf Toren, ließen ihren Nordrivalen nach der Halbzeit wieder ausgleichen und erkämpften sich schließlich in einem spannenden zweiten Durchgang die ersten „Big Points“ der Bundesliga-Saison. Indes ließ der bis dato verlustpunktfreie SC Magdeburg bei seiner 29:31-Niederlage bei der MT Melsungen Federn. Tabellenführer und einziger Klub ohne Minuspunkte ist nun die TSV Hannover-Burgdorf.

Bester THW-Schütze am Donnerstagabend war Niclas Ekberg mit 6/3 Toren. Für die SG traf Gøran Søgard Johannessen fünfmal. 

Zu Beginn: vorsichtiges Abtasten, Nervosität auf beiden Seiten. Auf Seiten des THW Kiel scheiterten in kurzer Folge Domagoj Duvnjak, Harald Reinkind und Magnus Landin per Gegenstoß an Flensburgs Torwart Torbjörn Bergerud

Die Fehler hielten sich die Waage

Hinten jedoch stand die THW-Abwehr von Beginn an wie eine eins, zwang Flensburg zu Fehlern im Aufbauspiel und kam so im Minutentakt zu Torchancen. Die Fehler hielten sich die Waage, 4:4 stand es nach acht Minuten, ebenso viele vergebene Chancen wie Tore hatten beide Mannschaften zu diesem Zeitpunkt auf dem Konto.

Nach knapp zehn Minuten konnte der bis dato glücklose Niklas Landin im THW-Tor seine erste Parade feiern. Das Derby-Fieber stieg - in der vollbesetzten Arena wie auf dem Spielfeld. Zeitstrafen für Johannes Golla, Steffen Weinhold und Lasse Svan prägten die nächsten Minuten. Eine wilde Achterbahnfahrt, aus der die Kieler weniger schwankend herauskamen. 

Für jede Situation die passende Lösung 

Auch weil THW-Trainer Filip Jicha für jede Situation die passende Lösung hatte. Harald Reinkind und Lukas Nilsson setzte er nur im Angriff ein, in der Abwehr ackerten dafür zunächst Steffen Weinhold und Hendrik Pekeler. Als Domagoj Duvnjak nach einer Viertelstunde eine Pause brauchte, übernahm der spielfreudige und treffsichere Lukas Nilsson im Angriff die Regie. Gleichzeitig kam Dario Quenstedt ins THW-Tor und erwischte einen besseren Tag als Landin.

Als SG-Abwehrchef Simon Hald in der 23. Minute auf die Strafbank musste, parierte Quenstedt gegen Marius Steinhauser und leitete damit den Gegenstoß über Hendrik Pekeler ein - der zum 14:10 (24.) vollendete und die erste Vier-Tore-Führung der Kieler erzielte. 

Stehende Ovationen im schwarz-weißen Tollhaus

In der Schlussphase der ersten Halbzeit wurden die Flensburger noch weiter dezimiert: Michal Jurecki hatte versucht, Magnus Landin unfair am 15:11 zu hindern, bekam eine Zeitstrafe. Miha Zarabec übernahm die Rolle des Spielmachers, wieder griff beim THW Kiel ein Rädchen ins andere. Auch Filip Jicha hatte ein gutes Timing. Als Sein Gegenüber Maik Machulla zwei Minuten vor der Pause (16:12) eine Auszeit nahm, stellte Jicha die THW-Abwehr in die 3:2:1-Formation um und die SG vor neue Aufgaben. 

Das Ergebnis: Hampus Wanne warf am THW-Tor vorbei, Nikola Bilyk erhöhte auf 18:13 und Quenstedt hielt diesen Spielstand mit seiner dritten Parade Sekunden vor dem Pausenpfiff fest - stehende Ovationen in einem schwarz-weißen Tollhaus.

Nach Wiederanpfiff aber tat der THW Kiel sich schwer. Mit der eigenen Wurfausbeute sowie der Flensburger 5+1-Abwehr mit Gøran Søgard Johannessen an der Spitze. Mit Reinkind, Bilyk und Nilsson sammelte die komplette Kieler Rückraumreihe Fehlwürfe - und Bergerud Paraden. 

Zeit für das Flensburger Konterspiel. Nach sechs torlosen THW-Minuten hatte die SG beim 18:18 alles wieder auf null gestellt.

Aus spielerischer Leichtigkeit wurde echter Derby-Kampf

Nach einer Auszeit schickte Filip Jicha Steffen Weinhold und Domagoj Duvnjak in den Angriff. Niklas Landin bekam im Tor eine zweite Chance. Nun war aus der spielerischen Leichtigkeit der Kieler ein echter Derby-Kampf geworden. Phasen der Ringkämpfe am Kreis wechselten sich mit stürmischen Gegenstoß-Episoden ab, an deren Ende mal Bergerud, mal Landin das Tor verhinderten. Flensburgs Norweger war der beste Keeper an diesem Abend, über mehr als den immer wiederkehrenden Ausgleich kam die SG aber trotzdem nicht hinaus. 

Eine Zeitstrafe gegen SG-Linksaußen Magnus Jøndal nutzten Niclas Ekberg per Siebenmeter und Hendrik Pekeler per Gegenstoß nach eigenem Steal zur ersten Drei-Tore-Führung der Kieler nach dem Blackout zu Beginn der zweiten Halbzeit (26:23/53.).

Mit Niklas Landin als Rückhalt bogen die Zebras auf die Zielgerade ein. Als Lukas Nilsson den Ball eine Minute vor Schluss zum 28:24 in die Maschen zimmerte, war die Partie entschieden. „Schwarz und weiß“ sagen die Fans auf den Rängen, die Niederlage vom Wochenende in Magdeburg war vergessen.

Die Statistik

THW Kiel: N. Landin (1.-16. und ab 37. Minute/9 Parade), Quenstedt (16.-37./3) – Duvnjak, Reinkind 3, M. Landin 4, Kristjánsson, Weinhold 2, Wiencek 1, Ekberg 6/3, Rahmel n.e., Dahmke n.e., Zarabec, Horak, Bilyk 3, Pekeler 4, Nilsson 5.

SG Flensburg-Handewitt: Bergerud (1.-60. Minute/11 Paraden), Buric n.e. – Golla 3, Hald, Glandorf n.e., Svan 1, Wanne 2/1, Jeppsson 1, Jøndal 3, Steinhauser 2, Versteijnen n.e., Zachariassen 2, Johannessen 5, Gottfridsson 1, Jurecki, Rød 4.

Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg/Stendal)

Strafminuten: THW 4 (Weinhold, Wiencek), SG 14 (Golla, Svan, Hald, Jurecki, Zachariassen, Rød, Jøndal)

Siebenmeter: THW 3/3, SG 1/1

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