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THW Kiel Düsteres Familientreffen
Sport THW Kiel Düsteres Familientreffen
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23:10 23.09.2015
Von Tamo Schwarz
Der THW Kiel mit Patrick Wiencek (unten) lag in Göppingen am Boden. Quelle: Stefan Gelhot
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Göppingen

Vor dem Anpfiff erst einmal Mittellinien-Familientreffen: Kiels Patrick Wiencek plaudert mit den Nationalmannschaftskollegen Späth, Kneule, Kaufmann, Niklas Landin hält einen kurzen Plausch mit dem Löwen-Kollegen Zarko Sesum, Erlend Mamelund feiert Wiedersehen mit Landsmann Thomas Kristensen. Und dann ist da ja noch ein ganz besonderer Heimkehrer: Neu-Zebra Dragos Oprea, gefühlt ein Handball-Leben lang Göppinger. Als sein Name über die Lautsprecher ertönt, brandet ungebremster Jubel auf. Ein wunderbarer Moment, in dem Opreas Coolness auf dem Feld sichtbar bröckelt.

Ähnlich wie das Kieler Selbstverständnis eigener Stärke in den kommenden Minuten. Es dauert nur elfmal 60 Sekunden, da hat Frisch-Auf-Keeper Bastian Rutschmann die Kieler bereits mit acht Paraden aus dem Konzept gebracht. Acht Paraden? Rutschmann macht den Lewandowski, THW-Trainer Alfred Gislason nimmt die erste Auszeit, bringt Christian Dissinger und Steffen Weinhold im Rückraum für Marko Vujin und Joan Canellas und stellt von einer 6:0- auf die offensive 3:2:1-Deckung um. Es verändert sich: nicht viel.

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Beim 13:6 durch ein Doppelpack von Göppingens Linksaußen Marcel Schiller (26.) ist das vorläufige Ergebnis-Tal erreicht. Weil Rutschmann weiter hält und hält (zwölfmal vor der Pause): Der Ex-Löwe nervt Rune Dahmke beim Siebenmeter (16.), nervt Christian Sprenger (25.), und die Verunsicherung der Kieler dringt in jede Pore. Plötzlich verspringen Bälle, schleichen sich Unsicherheiten ein. Zweimal verschätzt sich sogar Niklas Landin bei Abwürfen, hat die giftigen, zähen Spieler von Frisch Auf nicht auf dem Radar. Immerhin: Sprenger, Weinhold und Canellas betreiben bis zur Pause Ergebniskosmetik. Doch nur neun Tore vor der Pause, das ist lange her. Damals, am 10. Februar 2010, machte das Team von Alfred Gislason aus einem 9:11 bei den Löwen allerdings noch ein 23:22.

Ein gutes Omen? Für genau fünf Minuten. „Die einzigen, in denen wir gut waren“, befand THW-Captain René Toft Hansen später. 13:12 (34.): Wird es einer dieser typischen Kieler Kampfsiege? Nein! Denn Rutschmann hält weiter. Aber was noch viel wichtiger ist, seine Vorderleute bleiben, wechselweise mit „Mimi“ Kraus und Zarko Sesum auf der Position des Regisseurs, geduldig. Göppingen zieht sein Spiel breit, beweglich, aggressiv in der Deckung auf. Der THW reagiert fahrig, in der Überzahl bemitleidenswert. Schrittfehler, schlechte Pässe, Auszeit! Doch alles Taktieren bringt an diesem Tag nichts. Ein Tag, an dem Marko Vujin lieber nicht das Bett hätte verlassen sollen. Ein Fehler, eine Unsicherheit reiht sich an die nächste. Als er in der 52. Minute beim Stand von 24:18 beim Tempogegenstoß einen Aufsetzer über das Tor setzt, ist das Kieler Genick gebrochen. Alfred Gislason tobt an der Seitenlinie, nimmt den Serben vom Feld.

Alles kulminiert in der Phase finaler Demütigung zwischen dem 24:20 (54.) und 29:20 (59.). Nichts geht mehr. Und Göppingens Trainer Magnus Andersson ist außer sich. Vor Freude. „Ich kann es nicht glauben, ich bin wirklich überrascht: Wir haben den THW mit acht Toren geschlagen. Ich bin so unglaublich stolz auf meine Mannschaft.“

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