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THW Kiel Filip Jichas schönste erste Halbzeit
Sport THW Kiel Filip Jichas schönste erste Halbzeit
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15:08 13.10.2019
Von Merle Schaack
Kaum ein Durchkommen für Vardars gefährlichsten Schützen Dainis Kristopans: Hendrik Pekeler (links) und seine Mannschaftskollegen in Abwehr und Tor des THW Kiel errichteten bei ihrem Gastspiel in Skopje ein Bollwerk. Quelle: Denis Dukovski/Vardar Skopje
Skopje

Eine Viertelstunde nach Spielende ließ Miha Zarabec seinen Blick durch die Arena schweifen, hin zu dem Vardar-Block, der seine Mannschaft feierte, als sei sie ins Final Four eingezogen und hätte nicht krachend mit elf Toren gegen den THW Kiel verloren. Hin zu den heimischen Fans, die Domagoj Duvnjak und Hendrik Pekeler um ihre Trikots anbettelten. Hin zur Anzeigetafel mit dem Endergebnis.

Dieses Spiel heute werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, sagte der THW-Regisseur an seinem 28. Geburtstag. Ein leises Lächeln, stille Momente des Triumphs. Auf der anderen Seite Timur Dibirov. „Vor dem Spiel habe ich gesagt, dass diese Partie uns zeigen wird, wo wir wirklich stehen“, sagte der Vardar-Linksaußen niedergeschlagen. „Jetzt wissen wir es – danke Kiel.“

Abwehrsystem eigens für dieses Spiel

Ein Dank, der sich an die taktische Raffinesse von THW-Trainer Filip Jicha, die zunächst schier unüberwindbare Abwehr der Zebras und den grandiosen Niklas Landin (16 Paraden) richtete. Denn eigens für diese Partie hatte der THW eine neue Abwehrformation, eine verschobene 5:1-Variante, parat.

Im Trainingslager hatte Jicha sie eingeführt, zu Beginn der Saison einige Male unter Wettkampfbedingungen aufblitzen lassen. Nun machte Magnus Landin, zwei Tage zuvor im Heimspiel gegen Nordhorn für diese Aufgabe geschont, über die volle Distanz den Laufburschen auf der linken Halbposition, weit vorgezogen – phasenweise fast bis zur Mittellinie.

Bollwerk nahe der Perfektion

Dahinter das Defensivspezialisten-Dreigestirn aus Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Pavel Horak, das in dieser Variante große Räume zu verteidigen hatte – und kaum einen Zweikampf verlor. Kurzum: Der THW hatte ein Bollwerk errichtet. Ein Bollwerk gegen Pfiffe, aufs Feld fliegende Gegenstände und Feuerwerkskörper. Ein Bollwerk gegen Stas Skube und Dainis Kristopans, das Herzstück des Vardar-Angriffs. Ein Bollwerk nahe der Perfektion.

Während Wiencek, Pekeler und Duvnjak die Zebras schnell in Führung warfen (4:0/6.), katapultierte sich Niklas Landin mit einer Parade gegen den völlig freien Kristopans in die Köpfe der Vardar-Spieler. Elf Minuten vergingen, ehe Ivan Cupic per Strafwurf das erste Tor für den Titelverteidiger erzielte. Weitere neun dauerte es, bis Kristopans der ersten Treffer aus dem Spiel heraus gelang. Zu diesem Zeitpunkt war der THW bereits auf zehn Tore enteilt – die Vorentscheidung.

Jicha "unglaublich stolz"

„Ich bin unglaublich stolz auf meine Jungs“, sagte Filip Jicha später. „Wenn ich eine Idee für die Abwehr habe, ist das eine Sache. Aber sie müssen es umsetzen. Die erste Halbzeit war die schönste, die ich mit den Jungs bisher hatte. Dieses Spiel hat gezeigt, dass wir immer innovativ bleiben und immer den höchsten Anspruch an uns selbst haben wollen – auch wenn wir zwei Spiele in 48 Stunden spielen.“

In Zahlen bedeutete das eine beeindruckende Pausenführung von 16:4 und Vardars schlechteste Angriffsleistung in einer ersten Hälfte seit 13 Jahren.

Unorthodoxe zweite Hälfte

Skopjes Trainer David Pisonero reagierte, stellte auf eine offensive Abwehr in 3:3-Manier um. Die Folge: ein unorthodoxes Handballspiel in der zweiten Hälfte. Die Kieler versuchten, Vardar mit sieben Feldspielern zurück in die 6:0-Formation zu zwingen. Ein Schachzug, der ihnen nach Ballverlusten im Angriff einige Gegentreffer ins leere Tor bescherte. Vardar holte auf, war beim 18:23 fast wieder in Schlagdistanz.

"Da hätte das Spiel noch kippen können", sagte Hendrik Pekeler später. Ein Fall für Domagoj Duvnjak. Der THW-Kapitän spielte all seine Routine aus, auch Pekeler steuerte in dieser Phase wichtige Treffer bei. Als Landin einmal mehr gegen Dibirov parierte, verließen die ersten Vardar-Fans die Arena. Die übrigen feierten ihre Mannschaft.

Noch eine halbe Stunde nach dem Spiel bebte die Stehtribüne. „In dieser Atmosphäre so zu gewinnen, fühlt sich einfach unglaublich gut an“, sagte Pekeler. Und Zarabec fügte hinzu: „Einfach weiter so.“

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