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THW Kiel THW siegt bei Zeitz-Rückkehr
Sport THW Kiel THW siegt bei Zeitz-Rückkehr
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20:22 16.02.2020
Von Tamo Schwarz
Harald Reinkind zählte am Sonntag zu den besten Werfern beim Sieg gegen Stuttgart. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Das Klassement führt die Mannschaft von THW-Coach Filip Jicha mit 38:8 Punkten vor dem Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt (36:10) an. Beste Kieler Werfer beim 19. Saisonerfolg waren Niclas Ekberg und Harald Reinkind mit jeweils sieben Treffern. Für die Stuttgarter erzielte Patrick Zieker sechs Tore.

Der frühere Kieler Christian Zeitz, der vom TVB am Donnerstag vom zahlungsunfähigen Drittligisten SG Nußloch verpflichtet worden war, wurde mit viel Applaus an seiner alten Wirkungsstätte empfangen. Am Ende hatte der 39-Jährige vier Treffer auf seinem Konto.

"Zeitzi" stellt individuelle Klasse unter Beweis

Der THW Kiel bleibt damit im Kalenderjahr 2020 verlustpunktfrei. Es ist ein Sonntagnachmittag, der viele Geschichten schreibt. Die des 39-jährigen Zeitz, dessen Konterfei bis zu einem Gerichtsstreit 2018 unter dem Hallendach hing. Die Schlüsselrolle des verletzten David Schmidt kann „Zeitzi“ nicht ausfüllen, aber bei vier Toren und einigen Anspielen seine noch immer vorhandene individuelle Klasse unter Beweis stellen.

Schon zur Pause ist die Partie entschieden

Es ist die Geschichte einer Bittenfelder Gästemannschaft, die bis zum 8:7 (15.) einigermaßen mithält, der auch da schon technische Fehler unterlaufen, ehe sie hoffnungslos unterlegen ist. Das liegt auch an einer Abwehrumstellung des THW, der mit Hendrik Pekeler und Pavel Horak im Innenblock beginnt. Dann verhilft THW-Trainer Filip Jicha, der auf Nikola Bilyk verzichten muss (Fieber), Patrick Wiencek nach den überstandenen Folgen einer Gehirnerschütterung zu seinem Comeback. „Ich wollte ihn nur zehn Minuten pro Halbzeit bringen, das habe ich auch gemacht“, sagt Jicha später. Reicht! – 11:7 (18.), 16:9 (25.), 19:11 zur Pause. Die Partie ist entschieden.

Es ließe sich nun vortrefflich über ein 30-minütiges „Schaulaufen“ nach der Pause berichten, bei dem sich hungrige, beharrliche Zebras teilweise um 16 Tore auf 31:15 (46.) oder 33:17 (51.) absetzen. Jicha rotiert, bringt Ole Rahmel für Niclas Ekberg, schont Hendrik Pekeler, setzt Magnus Landin auf der vorgezogenen Position der 3:2:1-Deckung ein und gönnt Miha Zarabec oder Domagoj Duvnjak Verschnaufpausen, in dem er den hier bewährten Linksaußen Rune Dahmke mit der Spielsteuerung auf der Rückraum-Mitte betraut. Dass aus den 16 Toren am Ende „nur“ zwölf werden (Endstand 35:23) und die Kieler ein paar Körner einsparen – geschenkt!

Starker Quenstedt im Tor

Es sind sowieso andere Geschichten, die eine seltene Ausführlichkeit verdient haben. Die Geschichte von Dario Quenstedt im Tor, der mal wieder Gelegenheit bekommt, aus dem Schatten des großen Niklas Landin hervorzutreten. Quenstedt nervt die gegnerischen Werfer, entschärft Rudolf Faluvegi (9./17.), Zeitz (24.), jongliert gerade noch so vor der Linie mit einem Ball von Max Häfner (28.), pariert gegen den freien Samuel Röthlisberger (39.) oder Nationalspieler Patrick Zieker (40.), harmoniert mit seinen Vorderleuten. „Entscheidend sind die zwei Punkte. Wir haben souverän gewonnen“, sagt Quenstedt

Dahmkes "Tor des Monats"

Von seltener Ästhetik ist auch die Geschichte des 8:5 (12.). Ein Tor wie gemalt, hervorgegangen aus einem Fehlwurf Duvnjaks, der an Jogi Bitter scheitert. Rune Dahmke schnappt sich geistesgegenwärtig den Abpraller und bugsiert das Spielgerät in den Kreis springend mit einer pirouettenhaft paradiesisch-spektakulären 180-Grad-Schraub-Rückhanddrehung ins gegnerische Tor. Sofort möchte man eine Petition starten, bei der Redaktion der ARD-„Sportschau“ die Zulassung von Handballtreffern bei der Wahl zum „Tor des Monats“ beantragen. Vielleicht käme dann auch Dahmkes Pendant von der rechten Seite, Ole Rahmel, in die engere Wahl. Eigentlich gar nicht möglich, wie der Linkshänder im überschäumenden Rausch des Gegenstoßes den Ball zum 13:8 (21.) an Jogi Bitter vorbei ins Stuttgarter Tor schlenzt. Zuvor hatte Christian Zeitz einen Fehlpass in die Arme von Rune Dahmke geworfen. Schlenzer, Pirouetten und die Rückkehr eines Publikumslieblings – Geschichten eines illustren Handballnachmittages. 

Am Donnerstag reisen die Kieler zum HBW Balingen-Weilstetten. Keine 48 Stunden später müssen sie dann in der Champions League beim HC Brest in Weißrussland antreten. Sie stehen als Erster ihrer Gruppe bereits fest und haben sich damit für das Viertelfinale der Königsklasse qualifiziert.

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Klicken Sie hier, um Bilder vom Sieg des THW Kiel über den TVB Stuttgart am 16. Februar 2020 in der Handball-Bundesliga zu sehen.

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