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THW Kiel Wer schlüpft in die Duvnjak-Rolle?
Sport THW Kiel Wer schlüpft in die Duvnjak-Rolle?
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06:36 19.11.2019
Von Merle Schaack
Durch den Ausfall von Kapitän Domagoj Duvnjak (Mitte) rücken beim THW Kiel Miha Zarabec und Lukas Nilsson in den Fokus. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Mit erhobenen Händen humpelte Domagoj Duvnjak am Sonntag aus der Halle, in der der THW Kiel gerade Tabellenführer TSV Hannover-Burgdorf mit 32:23 demontiert hatte. „Ich weiß noch gar nichts“, rief der Kroate den umstehenden Neugierigen zu – wohl wissend, dass seine Verletzung neben der Machtdemonstration der Zebras das große Gesprächsthema des Tages war.

Gestern wusste er dann mehr. Eine MRT-Untersuchung offenbarte einen Muskelfaserriss in der linken Wade. Bis zu vier Wochen – und somit voraussichtlich in mindestens acht Spielen – wird der Regisseur fehlen. Und so mischte sich in die Kieler Freude über den großen Sieg doch wieder etwas Sorge. „Ein Riesenausfall“, sagte THW-Trainer Filip Jicha. „Keine Mannschaft der Welt kann einen Spieler wie ihn eins-zu-eins ersetzen.“

Eine kurzfristige Nachverpflichtung für den Rückraum, in dem auch Steffen Weinhold (Fuß) und Gisli Kristjánsson (Schulter) fehlen, ist jedoch keine Option. „Die Verantwortung, die ,Dule’ in jedem Spiel übernimmt, werden wir auf mehrere Schultern verteilen“, sagte Geschäftsführer Viktor Szilagyi.

Duvnjak-Ausfall beflügelte den THW Kiel

Die Verletzung hatte sich Duvnjak gegen Ende der ersten Halbzeit zugezogen. In dieser unkonzentrierten Phase der Kieler, in der aus der 17:8-Führung der 17:12-Pausenstand wurde, hatte der 31-jährige Kroate versucht, einen Gegenstoß zu verhindern. Sein Ausfall ließ die Mannschaft nach Wiederanpfiff enger zusammenrücken.

„Das war für uns ähnlich beflügelnd wie seine Rote Karte gegen Melsungen“, sagte Kreisläufer und Co-Kapitän Patrick Wiencek. Die Folge: Hannover blieb chancenlos, der THW Kiel demonstrierte nach Aussetzern bei den Rhein-Neckar Löwen (25:26) und bei der Heimspiel-Niederlage gegen Porto (27:28) sowie dem hart erkämpften Erfolg im Rückspiel in Portugal (30:29) wieder spielerische Stärke und Treffsicherheit und ist nun nach Minuspunkten die beste Mannschaft der Bundesliga.

Landin: "Hoffe, wir sind wieder im Flow"

„Das bedeutet nichts. Auf die Tabelle können wir in 18 oder 20 Spieltagen noch einmal schauen“, fand Wiencek. Wichtiger war den Zebras die Art und Weise, mit der sie den Tabellenführer gestürzt hatten. „Wir hatten von der ersten Minute an eine gute Präsenz. Ich hoffe, wir sind jetzt wieder im Flow“, sagte Torwart Niklas Landin, mit 21 Paraden in Weltklasse-Form.

Auch Hendrik Pekeler sah „eine gute Antwort auf die drei letzten schlechten Spiele“, warnte aber mit Blick auf die Schlussminuten der ersten Hälfte einmal mehr selbstkritisch vor dem Schlendrian. „Wir müssen es einfach schaffen, mal komplett durchzuziehen, dürfen nicht riskieren, dass es bei uns im Kopf wieder anfängt zu arbeiten.“

Jicha vertraut auf Leistungssteierung bei Nilsson

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt den Kielern nicht – bereits am Mittwoch (19 Uhr) empfangen sie Motor Zaporozhye zum Rückspiel in der Champions League. Youngster Sven Ehrig, zuletzt wegen der Linkshänder-Knappheit in den Profikader aufgerückt, ist gegen den ukrainischen Meister keine Option, darf erst nach der Gruppenphase für den europäischen Wettbewerb nachgemeldet werden.

Im Rückraum wird also mehr Verantwortung auf Lukas Nilsson zukommen. Der Schwede befindet sich jedoch in einem Formtief, machte auch gegen Hannover keine gute Figur. „Er war verkrampft und sauer, und es ist der Beweis, dass junge Leute es schwer haben, aus einem solchen Tief herauszukommen“, sagte Jicha über Nilsson, der am Sonnabend seinen 23. Geburtstag feierte.

„Aber er ist sehr professionell und fokussiert. Wie ich ihn kenne, wird er durch den Ausfall von ,Dule’ den Rucksack der Verantwortung aufnehmen, bis zum Jahresende noch viele Spiele spielen und seine Rolle finden.“

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