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THW Kiel THW Kiel verliert 28:29 (15:12)
Sport THW Kiel THW Kiel verliert 28:29 (15:12)
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07:11 12.05.2016
Von Tamo Schwarz
Der THW Kiel hat sein Auswärtsspiel beim SC Magdeburg am Mittwochabend mit 28:29 verloren. Quelle: imago
Magdeburg

Am Mittwochabend stolperten die Zebras beim SC Magdeburg mit 28:29 (15:12) und können nun endgültig alle Titelträume begraben.

Nur eine Viertelstunde lang Wohlfühlgefühl an der Elbe: 7148 Fans feiern den frischgebackenen DHB-Pokalsieger mit einem rot-grünen Lichtermeer. Den Grundstein für einen vermeintlich famosen Handball-Abend auf dem Viereck, das die Welt bedeutet, legt Kiels personifizierter Motor Domagoj Duvnjak mit einem Hattrick zum 3:1 des THW (6.). Der SCM agiert in der Getec-Arena (Taxifahrer in Magdeburg sagen: Bördelandhalle) unpräzise im Passspiel, schlampig im Wurf. Kiel spielt schnell, mit Patrick Wiencek und Duvnjak oder Joan Cañellas im Mittelblock konsequent, liegt mit 7:3 (14.) vielversprechend vorn. Marko Vujin kommt nicht sonderlich gut in die Partie. Ansonsten: Läuft bei den Zebras, die urplötzlich wieder mitten im von der Tordifferenz geprägten Titelrennen gelandet sind.

Drei Minuten später gleicht Nemanja Zelenovic am Ende eines 4:0-Laufes der Gastgeber zum 7:7 aus (17.). Dener Jaanimaa, eingewechselt für Vujin, setzt eher unglückliche Akzente, liefert sich an der Außenlinie ein Scharmützel mit Matthias Musche. Patrick Wiencek gerät mit Finn Lemke in ein Nationalmannschafts-Duell zwischen altem und neuem DHB-Abwehrchef am SCM-Kreis. „Das war schon härter als sonst, aber alles noch im Rahmen“, sagt Wiencek. Christian Dissinger leistet sich drei Fahrkarten. Bruch im Spiel: Läuft so gar nicht mehr bei den Zebras, die plötzlich mit 10:11 hinten liegen (25.). Ab jetzt: Achterbahn an der Elbe, auf der der THW zur Pause oben ist (15:12), nach der Pause von einem endlich treffsicheren Marko Vujin profitiert (18:15; 37.), um dann vom Pokal-Champion in einen Looping nach dem anderen geschickt zu werden.

Bis zum 24:22 (51.) tun sich die Zebras fortan weiter schwer im Positionsspiel gegen eine sattelfeste Magdeburger 6:0-Deckung, liegen aber vorn. Dann schlägt die Stunde von Rechtsaußen Robert Weber, der allein in Halbzeit zwei acht Treffer erzielt. Er netzt per Siebenmeter zum 28:27 (58.) ein, er macht das 29:28 (59.), und dann ist nur noch eine Minute zu spielen. Jetzt avanciert SCM-Torwart Dario Quenstedt zum Matchwinner, pariert einen Wurf von Dominik Klein (60.), pariert gegen Niclas Ekberg (60.). Ekberg fällt! Foul! Siebenmeter! Der Schwede wirft selbst. Weber flüstert Quenstedt etwas ins Ohr. Ist das hier Oliver Kahn und Jens Lehmann 2006? Mit dem linken Fuß ist Quenstedt dran. Gehalten! „Das war schlecht geworfen“, sagt Ekberg selbstkritisch, nimmt die Verantwortung auf sich. Quenstedt geht in einer Jubeltraube unter, die Halle kocht rot-grün, singt: „Hier regiert der SCM!“

Mit versteinerten Mienen schleichen geschlagene Zebras zum Bus. „Ich denke, die Meisterschaft ist gelaufen“, sagt ein maßlos enttäuschter THW-Trainer Alfred Gislason. Was die Spieler denken, geben sie im Moment einer solch bitteren Niederlage nicht preis. Sie sagen: Wir kämpfen weiter, alles andere wäre nicht der THW Kiel.

Statistik

SC Magdeburg: Quenstedt (1.-48. und ab 50. Minute/17 Paraden), Ambrosius (48.-50./0) – Musa 2, Rojewski, Musche 2, Bagersted, Grafenhorst 1, Haaß 1, Bezjak 1, Weber 8/3, Damgaard 9, Zelenovic 3, Lemke 2.

THW Kiel: Landin (1.-60. Minute/14 Paraden), Katsigiannis n.e. – Duvnjak 7, Mamelund n.e., Dissinger 2, Wiencek 3, Ekberg 4/3, Cañellas 2, Dahmke 1, Jaanimaa, Klein 2, Brozovic 1, Vujin 6.

Schiedsrichter: Andreas und Marcus Pritschow (Stuttgart) – Strafminuten: SCM 8 (Lemke, Musche, Bezjak, Quenstedt), THW 4 (Jaanimaa, Dissinger) – Siebenmeter: SCM 3/3, THW 5/3 (Vujin und Ekberg scheitern an Quenstedt) – Spielfilm: 1:0, 1:4 (6.), 3:7 (14.), 7:7 (17.), 7:9, 11:10 (25.), 12:12, 12:15 – 13:16, 15:16 (35.), 17:20 (42.), 20:21 (45.), 22:24 (51.), 25:25 (54.), 27:27, 28:27 (58.), 28:28, 29:28 – Zuschauer: 7148 in der Getec-Arena in Magdeburg.

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