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THW Kiel Unentschieden zwischen THW und Kielce
Sport THW Kiel Unentschieden zwischen THW und Kielce
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13:48 01.10.2019
Von Merle Schaack
Es blieb ein Ringen um jeden Zentimeter, jede Zeitstrafe, jedes provozierte Foul. Nicht schön, aber hitzig und intensiv - und spannend bis zum Schluss. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Mit einem prestigeträchtigeren Spiel hätte der THW Kiel nach einem Jahr im EHF-Cup kaum in die Champions League zurückkehren können. Erstes Königsklassen-Heimspiel seit 511 Tagen, zu Gast der Vorjahres-Halbfinalist PGE Vive Kielce, in dessen Reihen der erst im Sommer aus Kiel nach Polen gewechselte Nationaltorwart Andreas Wolff

Auch Bundestrainer Christian Prokop hatte das „Spiel der Woche“ in der Champions League in die Kieler Sparkassen-Arena gelockt. 

Zwei hochkonzentrierte Mannschaften

Er sah zwei Mannschaften, die sich zu Beginn hochkonzentriert abtasteten. Kaum ein Fehler unterlief beiden Angriffsreihen. Erst nach acht Minuten warf Kielces Alex Dujshebaev über das Kieler Tor und Miha Zarabec traf mit dem 6:4 zur ersten Zwei-Tore-Führung der Partie. 

Anschließend waren es aber die Kieler, die sich mehr Patzer im Angriff leisteten. Zwar hatten die THW-Fans Andreas Wolff mit einem Sonderapplaus begrüßt. Weniger euphorisch registrierten sie die Paraden, die der 28-Jährige gegen Miha Zarabec, Hendrik Pekeler, Rune Dahmke und Co. sammelte – siebenmal blieb er in der ersten Hälfte Sieger gegen seine ehemaligen Teamkollegen.

Taktik: Zeitstrafen gegen Zebras schinden

Diese hatten in Dario Quenstedt keinen so starken Rückhalt. Nach rund 20 Minuten beim Stand von 12:10 für Kielce machte er mit nur einer Parade Platz für Niklas Landin.

Die laut THW-Trainer Filip Jicha „abgezockten“ Gäste machten ihrem Ruf alle Ehre. Sowohl Spielmacher Igor Karacic als auch Trainer-Sohn Dujshebaev verstanden es, mit dem Gesicht den gegnerischen Arm zu suchen und so Zeitstrafen gegen die Zebras zu schinden. 

Die Kieler brauchten eine Weile, sich auf diese Gangart einzustellen. Dann aber griffen auch sie in die Trickkiste, Wiencek ließ sich von Dujshebaev wohlwollend ins Straucheln bringen, provozierte so ein Stürmerfoul und Lukas Nilsson traf zum 12:13 ins in Unterzahl verwaiste Kielce-Tor. 

Glück zunächst nicht auf Kieler Seite

Nickligkeiten wie diese befeuerten die Stimmung in der mit 8223 Zuschauern besetzten Sparkassen-Arena. Als Dujshebaev einen Kempa zum 14:12 vollendete, sah THW-Keeper Niklas Landin ihn schon vor sich im Kreis stehen und suchte das Gespräch, das in einem Wortgefecht mündete. Kurz vor der Pause markierte Niclas Ekberg von der Siebenmeterlinie den 14:15-Pausenstand. Der THW Kiel war dran, aber nicht am Drücker. 

Auch nach Wiederanpfiff war das Glück zunächst nicht auf Kieler Seite. Erst prallte ein Dujshebaev-Wurf von Landins Kehrseite zum 17:15 ins THW-Tor, dann parierte der THW-Torwart einen Wurf des Halbrechten. Pekelers Gegenstoß zum 17:17 wurde abgepfiffen.

Dann drehte Steffen Weinhold auf. Erst wackelte der Linkshänder zweimal Romaric Guillo aus, dann erzielte er den Ausgleich, holte sich hinten sofort den Ball wieder und traf zur 18:17-Führung (37.). Auch Nikola Bilyk hatte einen bärenstarken Tag erwischt, traf beim 20:18 (42.) zur ersten Kieler Zwei-Tore-Führung seit der achten Minute. 

Hadern mit den Entscheidungen der Schiedsrichter

Dennoch blieb es eng. Die nun offensive 5:1-Abwehr der Polen störte den Kieler Spielaufbau in einer Partie, die ohnehin von Einzelaktionen geprägt war. Nach dem 20:20-Ausgleich (43.) zog THW-Trainer Filip Jicha das nächste Register, stellte auf eine 3:2:1-Abwehr um. 

Immer häufiger haderten die Kieler auch mit den Entscheidungen der slowenischen Schiedsrichter. Erst verwehrten sie Duvnjak einen sicheren Freiwurf, dann bekam Rune Dahmke Rot, als er Dujshebaev beim Gegenstoß störte. 

Es blieb ein Ringen um jeden Zentimeter, jede Zeitstrafe, jedes provozierte Foul. Nicht schön, aber hitzig und intensiv - und spannend bis zum Schluss. Zwar ließ der THW Kiel einige 100-prozentige Chancen aus, aber auch Kielce gelang in der Hitze der Schlussphase nicht mehr alles. 

Eine Sekunde vor Schluss das 30:30

60 Minuten Kampf verdichteten sich auf die letzten 20 Sekunden. Mit einem Tor Vorsprung nahm Filip Jicha eine Auszeit, Kielce die Zebras anschließend in Manndeckung. Vier Sekunden vor Schluss nahm Miha Zarabec sich den Wurf, scheiterte an Wolff – bei dessen zwölfter Parade. Auszeit Kielce, ein schneller Tempowechsel, Durchbruch von Dujshebaev auf der rechten Seite. Eine Sekunde vor Schluss traf er zum 30:30. Jubelnde Polen, hängende Köpfe bei den Kielern.

Für die Zebras geht es am Donnerstag in der Liga beim Bergischen HC weiter. Kommendes Wochenende reisen sie in der Champions League nach Veszprem.  

Die Statistik

THW Kiel: Quenstedt (1.-22. Minute/2 Paraden), N. Landin (ab 22./6) – Duvnjak 1, Reinkind 1, M. Landin, Kristjánsson n.e., Weinhold 5, Wiencek 2, Ekberg 4/3, Rahmel 1, Dahmke 2, Zarabec 3, Horak, Bilyk 7, Pekeler 3, Nilsson 1.

PGE Vive Kielce: Wolff (1.-60. Minute/12 Paraden), Kornecki n.e. – Karacic 2, A. Dujshebaev 5, Pehlivan, Aguinagalde 3/2, Janc 3, Lijewski, Jurkiewicz 2, Kulesh 5, Moryto 3/2, Fernandez, Karalek 4, Guillo 3.

Schiedsrichter: Lah/Sok (Slowenien)

Strafminuten: THW 14 (Duvnjak, Rahmel, 2x Weinhold, Pekeler, 2x Wiencek), Kielce 16 (Pehlivan, 2x Fernandez, Jurkiewicz, 2x Kulesh, Karacic, Guillo)

Rote Karte: Dahmke (45./Foul)

Siebenmeter: THW 3/3, Kielce 5/4 (N. Landin pariert Moryto)

Zuschauer: 8223 in der Kieler Sparkassen-Arena.

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