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THW Kiel Zebras kassieren Niederlage gegen Kielce
Sport THW Kiel Zebras kassieren Niederlage gegen Kielce
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13:25 25.02.2018
Von Tamo Schwarz
Nikola Bilyk wird von Mariusz Jurkiewicz und Michal Jurecki zum Abspiel genötigt. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Platz zwei vor Augen, doch jetzt droht Platz fünf. Bester Kieler Werfer in einer dramatischen Partie war Patrick Wiencek mit acht Toren. Neben den Punkten verloren die Zebras in der ersten Halbzeit auch Steffen Weinhold, der mit einer Oberschenkelverletzung ausfiel. Aufschluss über die Schwere der Verletzung muss am Montag eine MRT-Untersuchung geben.

„Ich bin traurig über die verlorenen Punkte, aber auch sehr stolz auf meine Mannschaft“, sagt THW-Trainer Alfred Gislason nach einem turbulenten Spiel, in dem der THW gegen körperlich starke, mal das Angriffsspiel verschleppende und dann wieder explosive Polen anfangs keinen Zugriff in der Deckung bekommt, hinter der es bis zur 24. Minute dauert, bis Andreas Wolff die erste Kieler Parade überhaupt gelingt. Wenige Sekunden zuvor scheidet ein an diesem Tag starker Steffen Weinhold unmittelbar nach einer feinen Einzelleistung zum 14:14 (24.) verletzt aus. Kiel agiert bis dahin im Angriff blockweise: meist mit Miha Zarabec in der Mitte und Christian Dissinger und Weinhold auf den Halbpositionen, in Überzahl mit Lukas Nilsson, Nikola Bilyk und Marko Vujin.

Dieses Rezept geht zunächst voll auf, auch weil sich der Sonnabendnachmittag zu einem Tag des Assists entwickelt. Weltklasse-Mann Patrick Wiencek profitiert am Kreis gegen die offensive 5:1-Deckung Kielces von sehenswerten Zuspielen von Zarabec, Nilsson, Weinhold und schließlich von einem No-Look-Rückhand-Tipp-Pass Christian Dissingers, der reif fürs Handball-Museum ist. Bis zum 18:17 (32.) bleibt der THW in Führung, leistet sich dann bis zur 40. Minute allerdings eine kapitale Schwächephase, die in besonderer Weise auch das Gesicht von Marko Vujin trägt. Dem Serben unterlaufen technische Fehler, gefolgt von schlecht vorbereiteten Würfen. Vujin findet keine Bindung zum Spiel, muss auf die Bank, Gislason versucht es zunächst mit drei Rechtshändern, beordert dann Niclas Ekberg („Ich habe früher auch auf Halb gespielt“) in den halbrechten Rückraum und Ole Rahmel nach Rechtsaußen.

Dem 2:9-Lauf zum , der Erinnerungen an die Niederlage in Hannover am Donnerstag wach werden lässt, folgt allerdings eine exemplarische Aufholjagd. „Wir haben Moral bewiesen“, sagt Steffen Weinhold nach dem Abpfiff. Er kann mitansehen, wie Wiencek erster Adressat für geschmackvolle Anspiele an den Kreis bleibt, wie Nikola Bilyk mit Würfen aus dem Rückraum Verantwortung übernimmt, der THW Tor um Tor aufschließt, nach dem 19:24 (40.) sogar wieder ausgleicht (26:26 durch Wiencek/49.). Er sieht aber auch, wie Dahmke frei nur die Latte trifft (41.), Bilyk einen dieser zu häufigen Risikopässe über das ganze Feld im Gegenstoß nicht an den Mann bringen kann (45.) und wie Ole Rahmel im Gegenstoß von einem gegnerischen Spieler schlicht „umgegrätscht“ wird, die Unparteiischen aus Kroatien jedoch Schrittfehler gegen den verständlicherweise zögernden Niclas Ekberg pfeifen.

Die Halle kocht, pfeift, buht, steht hinter den Zebras, die die Begegnung bis zum 28:28 (54.) ausgeglichen gestalten. Dann nimmt die dramatische Schlussphase ihren Lauf: Zarabec scheitert per Siebenmeter an Torwart-Fuchs Slawomir Szmal (56.), Routinier Michal Jurecki macht im Gegenzug das 30:28 für Kielce (56.). Dann scheitert Dahmke an Szmal (58.), der gleich noch einen Strafwurf von Ekberg pariert (59.). Rahmel gelingt noch das 29:30 (60.), dann wird’s unsportlich, als Mateusz Jachlewski von den Kielern ungehindert aufs Tor zugehen könnte, den Ball jedoch nach hinten zurück- und die Uhr runterspielt. Noch ein Pass von Andreas Wolff, ein letzter, verzweifelter Wurf von Bilyk, dann ist das Spiel aus. „Jetzt wissen wir, was wir in Paris zu tun haben“, sagt Ole Rahmel. Schon ein Punktgewinn beim Tabellenführer der Gruppe B könnte den Absturz auf Rang fünf, der im Achtelfinale ein Auswärts-Rückspiel bedeuten würde, verhindern.

THW Kiel – KS Vive Kielce 29:30 (17:16)

THW Kiel: Wolff (1.-14. und ab 21. Minute/9 Paraden), Landin (14.-21./0) – Duvnjak n.e., Firnhaber, Weinhold 4, Dissinger 2, Wiencek 8, Ekberg 5/3, Frend Öfors, Rahmel 1, Dahmke 1, Zarabec 1, Vujin 2, Bilyk 3, Nilsson 2, Santos n.e.

KS Vive Kielce: Szmal (1.-25. und ab 52. Minute/6 Paraden), Ivic (25.-52. und bei einem 7m/5) – Jurecki 6, Dujshebaev 4, Kus n.e., Aguinagalde 4, Bielecki 3/2, Jachlewski 2, Strlek 4, Janc 3, Lijewski 1, Jurkiewicz 1, Zorman 1, Mamic, Bombac, Djukic 1.

Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien) – Strafminuten: THW 4 (Firnhaber, Wiencek), Kielce 6 (2x Mamic, Bielecki) – Siebenmeter: THW 5/3 (Zarabec und Ekberg scheitern an Szmal), Kielce 3/2 (Wolff pariert Bielecki) – Spielfilm: 1:0, 2:3 (6.), 5:5, 7:6 (11.), 9:9, 11:10 (17.), 11:13, 12:14, 15:14 (25.), 17:15, 17:16 – 18:17, 18:21 (35.), 19:24 (40.), 21:25, 26:26 (49.), 28:28 (54.), 28:30, 29:30 – Zuschauer: 10 000 in der Kieler Sparkassen-Arena.

Hier sehen Sie Bilder vom Spiel.

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