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THW Kiel Auf der Suche nach dem Killer-Instinkt
Sport THW Kiel Auf der Suche nach dem Killer-Instinkt
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16:56 25.11.2019
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
Kategorie Arbeitssieg: Nikola Bilyk (re.) stellte nicht nur gegen die Leipziger Alan Milosevic (Mitte) und Maximilian Janke unter Beweis, wie wichtig er derzeit für den Rückraum des THW Kiel ist. Der Österreicher erzielte gegen Leipzig sieben Tore. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Kurz blitzte er auf, der unbeirrbare Tor-Riecher, der den THW Kiel so oft auszeichnet. Als Hendrik Pekeler sich in der umkämpften Partie gegen Leipzig in der 51. Minute nach einem Abpraller streckte, über sich hinauswuchs, zwei Gegenspieler übertrumpfte und plötzlich der Weg frei war zum 24:21. Unbeirrbar, kompromisslos.

Aber eben nur kurz. Aus dem folgenden Fehlpass der Leipziger schlugen die Kieler kein Kapital, auch die nächsten beiden Angriffe endeten in den Fängen von SC-Torwart Jens Vortmann – 24:24, alles wieder offen.

Dahmke: "Belohnen uns nicht"

Drei Minuten, symptomatisch für das THW-Spiel in diesen Novembertagen, in denen die Zebras nicht nur gegen die Gegner kämpfen, sondern auch mit der Dauer-Belastung und ein Stück weit mit dem eigenen Kopf. „Es ist irgendwie der Wurm drin“, sagte ein nach zwei Treffern aus sechs Versuchen sichtlich geknickter Patrick Wiencek nach dem knappen Sieg.

Schon vor der Pause hatten die Kieler es verpasst, sich deutlicher abzusetzen, als sie mit 11:7 die höchste Führung der Partie erzielt hatten, Leipzig aber binnen drei Minuten wieder auf einen Treffer herankommen ließen. „Wir belohnen uns nicht dafür, wie gut wir arbeiten“, sagt Rune Dahmke. „Wenn wir es in der Schlussphase schaffen, uns aus diesem schweren Spiel auf plus vier rauszuarbeiten, weiß jeder in der Halle, es ist vorbei. Aber genau diese Dinger machen wir falsch, und dann ist es wieder spannend. Dieser Killer-Instinkt fehlt uns gerade so ein bisschen.“

Rückkehrer Ekberg bleibt eiskalt

Einem allerdings nicht: Niclas Ekberg. Der Schwede, der am Sonntag nach einer Einblutung an der Achillessehne sein Comeback als Feldspieler feierte, war auch während seiner Verletzung eine Bank von der Siebenmeterlinie, hat in den vergangenen zwei Monaten überhaupt nur zwei von 50 Strafwürfen vergeben. Die Kieler Fans applaudierten ihm am Sonntag bereits auf dem Weg zum ersten von vier erfolgreichen Siebenmetern.

„Das habe ich ein bisschen gehört“, sagte der 30-Jährige. „Ein geiles Gefühl. Dass sie an mich glauben, hilft mir sehr und macht es an der Siebenmeterlinie leichter.“

11:7, 24:21 – zwei ganz unterschiedliche Situationen in der Begegnung, wie THW-Trainer Filip Jicha findet. „Die Phase nach dem 24:21 lag auch am Gegner, der eben einfach nicht zu brechen war. Vor der Pause waren es eher unsere Fehler, unangenehme Aktionen in der Abwehr, leichtsinnige Fehler, mit denen wir sie zu einfachen Würfen eingeladen haben.“

Den Gegner eingeladen – ein Bild, das Jicha in den vergangenen Wochen immer wieder zu bemühen gezwungen ist. „Teilweise fehlt uns die Ruhe. Da wären wir besser beraten, Tempo rauszunehmen“, analysierte Rechtsaußen Ole Rahmel nach dem Leipzig-Sieg. „Wir wollen den Gegner dann endgültig kaputtmachen, laden ihn aber immer wieder ein. Vielleicht sind wir dann zu gierig.“

Drei Comebacks machen Mut

Vermisst wird im Kieler Ensemble die nötige Leichtigkeit, die beim 32:23 im Spitzenspiel gegen Hannover für ein Spektakel sorgte. „Wir haben eine Phase, in der wir die Eingespieltheit und die Lockerheit ein Stück weit verloren haben. Das merken glaube ich auch alle. Man muss das aber auch akzeptieren, wie es ist. Man kann nicht gleich wieder mit dem Fahrstuhl in die sechste Etage. Aber solange wir die Spiele gewinnen, bin ich zufrieden“, sagt Rune Dahmke.

Dass Steffen Weinhold, Nikola Bilyk und Niclas Ekberg zurück an Bord sind, sei hilfreich. „Ich bin unglaublich glücklich, dass Steffen zurück ist, der Harald Reinkind in der Abwehr entlasten kann. Er ist unglaublich wichtig für uns mit seiner Erfahrung.“

Weinhold selbst zeigte sich „glücklich, gewonnen zu haben und der Mannschaft wieder helfen zu können“. Er habe erst ein Mal mit der Mannschaft trainiert, wolle jetzt die nächsten Einheiten nutzen. Ein schmaler Grat: „Die, die verletzt waren, dürfen nicht zu sehr belastet werden, sollen aber für Entlastung sorgen. Da müssen wir behutsam sein und leben von Spiel zu Spiel“, sagt THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi.

Was bleibt, ist der rote Faden, sind enge Spiele und spannende Schlussphasen. „Ob wir mit fünf gewinnen oder mit einem, ist mir egal. Die zwei Punkte sind das Wichtigste“, sagt Rechtsaußen Ekberg, der in den finalen Zitterphasen kein Problem für sein Team sieht. Man habe, ergänzt Spielmacher Miha Zarabec, gegen Leipzig „gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“. „Alles liegt an uns. Wir müssen wieder die Konstanz in den Angriff bekommen.“

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Der THW Kiel bleibt in der Handball-Bundesliga in der Spitzengruppe. Am Sonntag besiegten die Zebras den Tabellenachten SC DHfK Leipzig mit 27:26 (12:11). Damit bleibt der THW Kiel die Mannschaft mit den wenigsten Minuspunkten und rückte vorerst wieder auf Rang zwei der Tabelle vor.

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