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THW Kiel THW Kiel verliert Supercup im 100. Derby
Sport THW Kiel THW Kiel verliert Supercup im 100. Derby
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22:29 21.08.2019
Von Merle Schaack
DHB-Supercup: Flensburgs Johannes Golla (links) versucht Kiels Niclas Ekberg am Wurf zu hindern. Quelle: Marius Becker/dpa
Düsseldorf/Kiel

Tragischer Held auf Seiten der Kieler war Domagoj Duvnjak, der seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit auf Augenhöhe mit der SG gehalten hatte, dann im Siebenmeterwerfen aber den entscheidenden Wurf vergab. Durch die 31:32-Niederlage verpassten die Kieler den ersten Titel der Saison, während die Flensburger den Gewinn des Supercups feierten.

60 Minuten Tempo, Abwehrschlacht und Emotionen lagen hinter Duvnjak, als er sich zwei Sekunden vor Ende des Jubiläums-Derbys den Ball schnappte und im letzten Angriff der Partie auf das Tor von SG-Keeper Torbjörn Bergerud abfeuerte. Wenige Zentimeter zu hoch, Schluss-Sirene, Siebenmeterwerfen. Er sah zu, wie Niclas Ekberg an Benjamin Buric scheiterte, sah, wie THW-Neuzugang Dario Quenstedt in seinem ersten Derby überhaupt kalt von der Bank kam, die Nerven behielt und in letzter Sekunde die Beine vor dem Wurf von Simon Jeppsson schloss. Als fünfter und letzter THW-Schütze beim Stand von 31:31 trat Duvnjak an die Linie, täuschte an, entschied sich für die linke obere Ecke – und musste mit ansehen, wie Buric den Ball über die Latte lenkte.

SG teilweise flinker

„Den hat er gut gehalten“, konstatierte er nur wenige Minuten nach der Siegerehrung. „Ich weiß gar nicht genau, wann ich meinen letzten Siebenmeter geworfen habe. Wahrscheinlich 2016 bei Olympia in Rio.“ Ein bisschen „sauer und enttäuscht“ war Duvnjak nach 60 ständig hart umkämpften Minuten, in denen der deutsche Meister Flensburg und der Pokalsieger THW sich ein Duell auf Augenhöhe geliefert hatten. „Aber Flensburg hat verdient gewonnen – so ist der Sport.“

Gelassene Worte nach einem Spiel, das von Anfang an mehr Titelkampf als letzter Test vor dem Bundesliga-Start war. Erst als die SG kurzzeitig auf den einzig verbliebenen Rückraum-Linkshänder Magnus Röd verzichten musste, der nach einem Zusammenprall zunächst auf der Bank Platz nahm, konnte Patrick Wiencek per Gegenstoß den THW beim 11:8 erstmals nennenswert in Front bringen. Anschließend gelang den Kielern jedoch sieben Minuten kein Tor mehr. In einer hektischen Schlussphase der ersten Halbzeit reihten sich Fehlpässe aneinander, erwischte Lukas Nilsson mit zwei Fehlwürfen keinen guten Start, trudelte ein langer Bergerud-Pass am Adressaten Golla vorbei und ungeplant und für Niklas Landin überraschend zum 10:11 (22.) ins THW-Tor. In dieser Phase war die SG flinker, strukturierter und führte deshalb zur Pause mit 14:13.

Enge zweite Halbzeit

Auch in der zweiten Halbzeit blieb es eng – keine der Mannschaften konnte sich mit mehr als zwei Toren absetzen. Mehr und mehr nahm bei den Kielern Kapitän und Leader Domagoj Duvnjak das Zepter in die Hand, bediente erst Hendrik Pekeler mit einem Pass nach rechts am Kreis, während er nach links schaute und bereitete so die 19:18-Führung (41.) vor. Drei Minuten vor Schluss schleppte er sich, nachdem er in Zusammenarbeit mit Magnus Landin in der Abwehr den Ball erobert hatte, zum Gegenstoß und zum 28:26 aus Kieler Sicht. Durchatmen? Fehlanzeige. Es blieb dramatisch, eineinhalb Minuten vor Schluss hatte Hampus Wanne mit einem Doppelschlag wieder ausgeglichen, das Siebenmeter-Drama nahm seinen Lauf. „Es war ein komisches, zerfahrenes Spiel“, sagte Steffen Weinhold. „Flensburg hat es im Angriff clever gemacht, erst das Tempo verschleppt und dann wieder angezogen. Durch diese Tempowechsel haben wir uns vielleicht ein bisschen verleiten lassen, selbst nicht immer Vollgas zu gehen.“

Bundesligastart am Sonntag kann kommen

THW-Trainer Filip Jicha nahm es gelassen, dass er seinen ersten möglichen Titel als Cheftrainer verpasst hatte. „Wir haben quasi unentschieden gegen Flensburg gespielt, gezeigt, dass wir auf Augenhöhe sind“, sagte er. „Siebenmeterwerfen zählt für mich nicht, das ist ja eine Lotterie.“ Deshalb sehe er auch keinen Grund, die Köpfe hängen zu lassen. „Für unseren Bundesligastart am Sonntag gegen Göppingen bedeutet das gar nichts“, sagte er. Die Zahlen geben ihm recht. Fünfmal wurde der THW Kiel in seiner Historie nach einer Niederlage im Supercup deutscher Meister.

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