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THW Kiel Flensburg verspricht prickelndes Derby
Sport THW Kiel Flensburg verspricht prickelndes Derby
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07:57 06.11.2012
Von Reimer Plöhn
Seit Ljubomir Vranjes (re.) in Flensburg das Heft in der Hand hält, läuft’s wieder rund. Auch Holger Glandorf hat seine Krücken nach langer Verletzungspause weggestellt, der Linkshänder ist wieder Leistungsträger im Team. Quelle: Paesler
Kiel

Schon vor dem Saisonstart standen sich die Nordrivalen zweimal gegenüber. 16:16 ging es im Rahmen des „Unser-Norden-Cups“ aus, im Supercup behielt der THW nach einer engen Partie mit 29:26 die Oberhand. SG-Trainer Ljubomir Vranjes ärgerte sich, schöpfte aber zugleich Hoffnung. „Meine Spieler haben einmal mehr gemerkt, dass nicht mehr viel fehlt“, sagte er Ende August nach der Niederlage in München. 13-mal hatten die Flensburger zuletzt in Pflichtspielen gegen den Erzrivalen verloren, zum Teil deutliche Schlappen einstecken müssen.

 Mit dem sportlichen Abstand zwischen den Teams schwand auch die einst hitzige Atmosphäre vor und in den Derbys. Doch die Flensburger haben sich aufgerappelt, haben aufgeholt. Als Motor gilt Ljubomir Vranjes. Der 39-jährige Schwede ist seit November 2010 Chefcoach, in nur zwei Jahren führte er die Flensburger von Platz sechs zurück in die Ligaspitze, feierte in der abgelaufenen Saison die Vizemeisterschaft hinter dem THW und die Rückkehr in die Champions League.

 Zur Zeit belegt die SG bei 12:4 Punkten Platz fünf. Die Bilanz sei in Ordnung, resümiert Vranjes, „immerhin haben wir vier schwere Auswärtsspiele absolviert.“ Unentschieden spielte Flensburg in Wetzlar und Hamburg, die einzige Niederlage gab es mit 27:30 bei den Rhein-Neckar Löwen. Vranjes setzt auf Kontinuität, arbeitet akribisch an seinem „langfristigen Plan, den ich durchziehen möchte. Ich will schnellen Handball, das ist die Zukunft.“

 Der Spielerkader ist im Vergleich zur Vorsaison fast unverändert. Tamas Mocsai (Hannover) und Viktor Szilagyi (Bergischer HC) gingen, wurden durch Steffen Weinhold (Großwallstadt) und Maik Machulla (ASV Hamm) ersetzt. Vranjes muss damit leben, dass spektakuläre Zugänge vorerst ein Traum bleiben. „Hätten wir zwei Millionen Euro mehr, wären wir mit Kiel auf Augenhöhe“, sagt er.

 Einen Rückschlag mussten die Flensburger gleich zu Saisonbeginn mit dem Kreuzbandriss von Jungstar Petar Djordjic wegstecken. Der 22-jährige Rückraumspieler, der schon bei Bundestrainer Martin Heuberger auf dem Zettel stand, verletzte sich beim Supercup gegen Kiel, dürfte mindestens ein halbes Jahr ausfallen. Diese Lücke schloss Arnor Atlason, der aus der Kopenhagener Konkursmasse kam. Im Sommer zieht der Isländer weiter zum französischen Erstligisten St. Raphael.

 Bis auf Djordjic kann Vranjes voraussichtlich sein bestes Aufgebot aufs Parkett der Sparkassen-Arena schicken. Entwarnung gab es gestern für den dänischen Rechtsaußen Lasse Svan Hansen, dessen Wadenverletzung aus dem Argentinien-Länderspiel sich nicht wie befürchtet als Muskelfaserriss herausstellte. „Mein Ziel ist, Kiel in dieser Saison einmal zu schlagen“, sagt Ljubomir Vranjes. Die Kieler werden etwas dagegen haben. Aber möglich ist es: Mit Flensburgs neuer Klasse ist auch das Prickeln zurückgekehrt in den Derby-Klassiker.