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THW Kiel Großer Abend für einen großen Trainer
Sport THW Kiel Großer Abend für einen großen Trainer
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23:26 26.07.2019
Von Merle Schaack
Seine ehemaligen Spieler ließen Ex-THW-Trainer Alfred Gislason zum Abschied hochleben.
Seine ehemaligen Spieler ließen Ex-THW-Trainer Alfred Gislason zum Abschied hochleben. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Ein letztes Mal steht Alfred Gislason in den Katakomben der Halle, wartet auf den Einlauf. Atmet tief durch, während die Scheinwerfer auf ihn gerichtet sind und auf dem Videowürfel erste Highlights seiner elfjährigen Trainerkarriere beim THW Kiel vorbei flimmern.

Stehende Ovationen gleich zu Beginn, es folgt ein Schnelldurchlauf durch Gislasons Zeit als Handball-Trainer. Grüße aus seinem Heimatland Island – vom amtierenden Präsidenten Gudni Johannesson. In einer Videobotschaft sagt er: „Du bist ein vorbildhafter Vertreter unseres Landes.“ Johannesson ist der Bruder von Gislasons langjährigem Freund, früherem Spieler und aktuellem Trainer beim dänischen Erstligisten Skjern, Patrekur Johannesson.

Viele Stars fühlen sich wie zu Hause

Klein ist Island, klein ist die Handball-Welt. Und so fühlt es sich für viele der Gäste mit großen Namen an wie nach Hause kommen.

Aron Palmarsson freut sich „riesig, hier zu sein“, kommt rund eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn nur mit Schuhen bepackt in die Halle geschlendert. „Wann fängt das hier an?“, fragt er mit einem schelmischem Grinsen.

Silvio Heinevetter hingegen packt die Ehrfurcht. „Ich fühle mich wie ein kleiner Junge hier zwischen den ganzen Legenden“, sagt der Torhüter der Füchse Berlin, der mit dem „Team Alfred“ an der Seite von Spielern wie Olafur Stefansson, Joel Abati und Stefan Kretzschmar zunächst Alfreds „THW Allstars“ um Marcus Ahlm, Dominik Klein, Kim Andersson, Børge Lund, Filip Jicha und Co. mit 9:11 unterliegt und im zweiten Spiel mit ebendiesen „THW Allstars“ 18:13 über die aktuelle Zebraherde gewinnt.

Private Einblicke

Die Fans feiern sie alle, applaudieren für Gislasons Ehefrau Kara Melstad, die in einem Video-Einspieler berichtet, dass sich ab und zu Spieler bei ihr über die Launen ihres Mannes beschwert haben. Private Einblicke, die Moderatorin Anett Sattler dem Paar bei einem Besuch an ihrem Rückzugsort und neuen Heim in Wendgräben entlockt hat. Lacher, viele Umarmungen – Pfiffe gibt es nur für den ehemaligen Geschäftsführer Thorsten Storm, sobald er im Video zu Wort kommt.

Zebras zitieren Gislason-Sprüche

Dann übernimmt Niklas Landin die Regie, bricht das zweite Spiel mit einer Auszeit ab, die seine Mannschaft nutzt, um eine Auswahl der Trainer-Sprüche Gislasons zum Besten zu geben. „So Jungs, ich bin eigentlich der entspannteste Trainer – wenn es läuft“, rezitiert Landin. Niclas Ekberg berichtet, wie Gislason ihn einst in der Abwehr durch ein Hütchen ersetzen wollte und Veganer Ole Rahmel erzählt, wie der Trainer ihm nach einem nicht gefangenen Ball durch eine ruhige Halle „Ole, iss wieder Fleisch!“ zubrüllte.

Ein Platz unter dem Hallendach

Auf viel Spaß folgt Ernst: Gislasons Nachfolger auf der THW-Trainerbank, Filip Jicha, übernimmt die größte Geste des Abends. Zu Coldplay-Klängen („Rule the World“) entrollt er das Transparent unter dem Hallendach, das Gislason nun für immer einen Platz zwischen den THW-Legenden in der Klubeigenen „Ahnengalerie“ sichert.

Die perfekte Staffelstab-Übergabe, die Gislason Hand in Hand mit Ehefrau Kara verfolgt. Nun ist er gefasst, findet klare Worte. „Wir sind kein normaler Klub“, sagt er. „Wir“ – ganz weg ist er noch nicht. Und so folgt neben Dankesworten noch ein Appell: „Die Region muss bereit sein. Spitzenhandball in Kiel ist nichts Automatisches. Ich würde mir sehr wünschen, dass in Zukunft alle an einem Strang ziehen. Es geht um die Sache – um den THW Kiel.“

Hier sehen Sie Bilder von Alfred Gislasons Abschiedsspiel beim THW Kiel.
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KN-online (Kieler Nachrichten) 26.07.2019
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