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THW Kiel Hanning: "Der Rest ist nicht gut genug"
Sport THW Kiel Hanning: "Der Rest ist nicht gut genug"
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07:39 06.11.2019
Von Tamo Schwarz
Sieht die Probleme der Top-Teams "hausgemacht": Füchse-Manager Bob Hanning. Quelle: imago/Tilo Wiedensohler
Berlin/Kiel

Handball-Fans reiben sich – Anfang November, also zu einem frühen Zeitpunkt in der aktuellen Spielzeit – verwundert die Augen. Hinter dem THW Kiel (16:2 Punkte) und der TSV Hannover-Burgdorf (19:3) schleppen die „Großen“ des Oberhauses – Meister SG Flensburg-Handewitt (16:6), der SC Magdeburg (16:8), die MT Melsungen (15:7), die Rhein-Neckar Löwen (14:8) oder die Füchse Berlin (14:8) – bereits ungeahnten Ballast auf der Sollseite ihres Punktekontos mit sich herum. Ein Aufbegehren der „Kleinen“? Zufall? Liga paradox?

Hanning: "Das Problem ist hausgemacht"

Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin, hat eine klare Antwort: „Das Problem ist hausgemacht, hat nichts mit den Mannschaften von unten zu tun.“ Der Berliner Boss und Vizepräsident des Deutschen Handballbundes hat bei allen Mannschaften unerwartete „Ups and Downs“ festgestellt. „Alle außer Kiel – die machen es momentan sehr souverän. Und eine Überraschungsmannschaft gibt es immer – das ist in diesem Jahr Hannover. Der Rest dahinter ist einfach nicht gut genug.“ Flensburg, so Hanning, habe den Abgang von Abwehrchef Tobias Karlsson „nicht kompensiert gekriegt“, die Löwen seien nicht mehr stabil, Melsungen „eine Wundertüte“. Und auch mit seiner eigenen Mannschaft geht der Manager hart ins Gericht: „Wir hatten eine Antriebslosigkeit, die es nicht rechtfertigt, sich als Spitzenteam zu titulieren. Wir dürfen niemals gegen Balingen oder Minden verlieren, tun es aber trotzdem. Die Top-Klubs müssen immer mit ihrer ganzen Breite dagegenhalten. Das darf so nicht passieren.“

Der THW kann seine Vormachtstellung weiter ausbauen

Am Sonntag haben die Berliner in einem unterdurchschnittlichen Match mit 23:22 gegen die Rhein-Neckar Löwen gewonnen, zuvor aber gegen Minden (25:29) und Balingen (30:31) Federn gelassen. Die Löwen indes unterlagen mit 26:31 in Melsungen, das jüngst beim 26:38 in Kiel völlig unter die Räder kam. Die Zebras marschieren mit nunmehr sechs Ligasiegen in Folge, sind Minuspunkte-Spitzenreiter und könnten ihre Vormachtstellung mit Siegen bei den Löwen (morgen, 19 Uhr) und gegen Hannover (17. November, 13.45 Uhr) weiter ausbauen. 

SG-Manager Dierk Schmäschke: "Ausgeglichene Liga tut allen gut"

Flensburgs Manager Dierk Schmäschke sieht anders als Hanning nicht nur hausgemachte Ursachen bei den Spitzenteams. „Wir sehen seit Jahren, dass alle Vereine in der Bundesliga daran arbeiten, auf ein Niveau zu kommen, auf dem sich der THW oder die SG seit 20 Jahren befinden. Eine ausgeglichene Liga tut allen gut, das macht es doch interessanter.“ Er habe, so der SG-Geschäftsführer, „Respekt davor, dass andere aufholen“. Dem müsse man „sich stellen, stark genug sein“. 

Kleine Teams mit neuem Selbstverständnis

Ähnliche Beobachtungen hat auch THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi gemacht. „Der Unterschied zwischen den Großen und den anderen Mannschaften ist nicht mehr so groß, die anderen Mannschaften haben deutlich aufgeholt. Es hat sich letzte Saison schon abgezeichnet. Da standen die SG und wir zwar vorne, aber dahinter gab es viele enge Spiele. Gleichzeitig schwächeln momentan einige Teams von oben.“ Kleinere Mannschaften wie Balingen würden mittlerweile mit einem ganz anderen Selbstverständnis auftreten, sich viel Selbstvertrauen gegen die Top-Teams holen. „Ich finde, dass sich eine gewisse Ausgeglichenheit, die ich so erwartet hatte, auch bewahrheitet. Es wird sicher ein heißer Kampf um die europäischen Startplätze. Mitte Dezember wird man sicher eine bessere Übersicht haben, wer sich oben etablieren kann“, sagt Szilagyi.

Schmäschke trauert zwar dem einen oder anderen Punkt hinterher, blickt aber ebenso gespannt auf die heiße Phase im November und Dezember. „Wir hätten gern drei oder vier Minuspunkte weniger auf dem Konto, aber mal sehen, wie es Anfang Februar in der Liga aussieht“, sagt der erfahrene Manager. „Nach unserer zweiten deutschen Meisterschaft 2018 haben uns sechs Spieler verlassen, das war eine Riesenveränderung. Und dann sind wir im nächsten Jahr gleich wieder deutscher Meister geworden. Wir fangen jetzt so richtig an, die Mannschaft mit Geduld und Rückendeckung zu entwickeln. In der vergangenen Saison hatten wir bis Januar null Minuspunkte, es gab einen Zweikampf mit dem THW. Das kann aber nicht in jedem Jahr so funktionieren.“ Es habe schließlich auch schon „Meistertitel mit minus 16 oder 17 Punkten“ gegeben. Aber davon – so paradox sich die Saison in der Handball-Bundesliga bis dato auch darstellt – ist mit Blick auf die derzeitigen beiden Spitzenteams kaum auszugehen.

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Der unorthodoxe Freestyle-Handball von Motor Zaporozhye machte dem THW Kiel am Sonntag das Leben schwer. Aber auch mit der eigenen Einstellung als haushoher Favorit waren die Zebras nicht ganz zufrieden. Bis zum Liga-Duell bei den Rhein-Neckar Löwen müssen sie sich vor allem im Angriff steigern.

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