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THW Kiel THW Kiel siegt in Lemgo ohne Glanz
Sport THW Kiel THW Kiel siegt in Lemgo ohne Glanz
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19:53 06.10.2019
Von Tamo Schwarz
Mit 30:27 siegte der THW Kiel in Lemgo. Niclas Ekberg (Mitte) erzielte zehn Tore. Quelle: Noah Wedel
Lemgo

30:27, das sieht am Ende knapp aus – war es aber nicht. Der von Weltmeister Florian Kehrmann geleitete TBV spielt ohne Fünf, und neuerdings auch noch ohne Spielmacher Tim Suton (Kreuzbandriss). Wer dachte, den Ostwestfalen sei das Gehirn geraubt, sieht sich am Sonntag in der zweiten Halbzeit arg eines Besseren belehrt. Aber der Reihe nach.

Der THW geht mit 12:6 in Führung (19.)

Der THW Kiel agiert von Beginn an in höchster Konzentration. Das Fehlerfestival aus dem Pokalspiel in Wetzlar soll sich nicht wiederholen, die Bälle sollen ins Tor. Klappt! Harald Reinkind, der mit Domagoj Duvnjak und Nikola Bilyk die Rückraum-Achse bildet, sieht Patrick Wiencek am Kreis, Niclas Ekberg per Siebenmeter, Pavel Horak in der zweiten Welle, dreimal Bilyk, ein Heber von Wiencek – Kiel konzentriert, Kiel fokussiert, Kiel treffsicher, Kiel mit 10:5 (17.) und 12:6 nach einem schönen Ekberg-Dreher (19.) in Führung. 

Kehrmann: "Wir spielen zunächst zu brav"

Unterschiedlicher könnten die Gemütslagen der ehemaligen Lemgoer Teamkameraden Florian Kehrmann und Filip Jicha nicht sein. TBV-Trainer Kehrmann findet: „Wir spielen zu brav, haben nicht den Glauben, den großen THW Kiel zu schlagen.“ THW-Cheftrainer Jicha sagt: „Wir haben alles fest im Griff.“ Die Kieler Defensive steht konzentriert, beweglich, Horak harmoniert zuerst mit Wiencek, dann mit Hendrik Pekeler im Innenblock. Jicha hat ein gutes Gefühl, spürt die mittlerweile schon obligatorische Gelegenheit, sein Personal rotieren zu lassen, bringt Ole Rahmel, Miha Zarabec, Lukas Nilsson. 17:12 zur Pause – alles unter Kontrolle.

Als Niklas Landin im Liegen mit dem Fuß einen Ball von Dani Baijens abwehrt (34.), Niclas Ekberg im Gegenzug per Siebenmeter das 19:13 für den Rekordmeister erzielt (35.), die Zebras kraftstrotzend auf ihre offensive 3:2:1-Abwehr umstellen, zeichnet sich eine Machtdemonstration ab. Doch vor mehr als 4000 (Kehrmann: „Eine Belohnung für unseren tollen Pokalfight“) lässt sich der TBV nicht abschütteln, hat plötzlich nicht mehr diesen „riesengroßen Respekt, der uns gehemmt hat“ (Jonathan Carlsbogård). 

Bis zum 24:26 bleibt es spannend

„Ich weiß nicht genau, was passiert ist“, gibt THW-Kapitän Domagoj Duvnjak später zu Protokoll. Es ist eine Verkettung verschiedener Faktoren. Auch ohne Tim Suton agiert der TBV clever, hat mit Baijens einen ständigen Unruheherd im Rückraum (und gefährlichen Schützen) sowie mit Linksaußen Bjarki Mar Elisson den Mann des Tages. Der Isländer – Neuzugang von den Füchsen Berlin – erzielt 13 Tore. Wichtige Tore, die auch die Zuschauer immer wieder zurück ins Geschehen ziehen, die Halle auf ein hohes Dezibel-Niveau bringen. Aber auch die Kieler haben ihren Anteil daran, dass es bis zum 24:26 (54.) spannend bleibt. Harald Reinkind, in Abwesenheit des verletzten Steffen Weinhold erneut zu physischen Höchstleistungen gezwungen, hat keinen guten Tag erwischt. Der Norweger weit drüber (37.), Schrittfehler (38.), Zeitstrafe (46.). Elissons 24:26 fällt nach einem missglückten Kempa-Trick-Versuch von Miha Zarabec und Rune Dahmke.

Niclas Ekberg trifft am Ende zehnmal

Also müssen andere die Punkte nach Hause holen. Oder besser gesagt ein anderer: Zwischen der 49. und 60. Minute trifft für den THW nur noch Niclas Ekberg, insgesamt fünfmal, behält in dieser Phase allein viermal vom Siebenmeterstrich die Nerven. „Da merkt man dann, dass der THW eine Spitzenmannschaft ist. Die spielen das einfach ohne Stress weiter“, sagt Florian Kehrmann, der gerade erst sein 20. Dienstjubiläum als Spieler und Trainer in Lemgo feierte. Und Filip Jicha weiß: „Ich freue mich über die zwei Punkte, aber an dem Weg dorthin werden wir weiter arbeiten müssen.“ Nächste Gelegenheit: Am Donnerstag (19 Uhr) in der Kieler Sparkassen-Arena gegen die HSG Nordhorn-Lingen.

TBV Lemgo Lippe - THW Kiel 27:30 (12:17)

TBV Lemgo Lippe: Wyszomirski (1.-19. und ab 49. Minute/5 Paraden), Johannesson (19.-49./4) – Elisson 13/7, Guardiola, Carlsbogård 3, van Olphen 1, Schagen, Zerbe 1, Cederholm 1, Hangstein n.e., Engelhardt, Rose n.e., Reimann n.e., Klimek 1, Baijens 7.

THW Kiel: N. Landin (1.-60. Minute/12 Paraden), Quenstedt (bei einem 7m/0) – Duvnjak 2, Reinkind 4, M. Landin, Kristjánsson n.e., Wiencek 3, Ekberg 10/6, Rahmel, Dahmke 1, Zarabec 1, Horak 1, Bilyk 5, Pekeler 1, Nilsson 2.

Schiedsrichter: vom Dorff/vom Dorff (Kaarst) – Strafminuten: TBV 2 (Baijens), THW 8 (Rahmel, Pekeler, Dahmke, Reinkind) – Siebenmeter: TBV 7/7, THW 6/6 – Spielfilm: 0:2, 2:5 (10.), 4:9, 6:12 (19.), 10:15, 12:17 – 13:19, 15:20 (38.), 18:22, 21:24 (49.), 21:26, 24:26 (54.), 24:28, 26:29 (59.), 27:30 – Zuschauer: 4027 in der Phoenix Contact Arena in Lemgo.

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In Lemgo wird gebaut. An der ehemaligen Lipperlandhalle (Phoenix Contact Arena) entsteht bis Mitte Dezember ein 13 Meter hohes Parkhaus. Doch die „Baustellenbesichtigung“ des THW Kiel am Sonntag (16 Uhr, Liveticker auf KN-online) in der Handball-Bundesliga könnte umfangreicher ausfallen.

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