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THW Kiel THW Kiel verliert gegen Lemgo
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21:55 15.04.2017
Von Niklas Schomburg
Stach auf der Mitte diesmal nicht: Rune Dahmke (li., hier gegen Christian Klimek, re. Anton Mansson) und der THW Kiel konnten sich im Lemgo nicht durchsetzen. Quelle: Angela Grewe
Lemgo

In der nicht ganz ausverkauften Lipperlandhalle in Lemgo herrschte eine merkwürdige Stimmung – der Fanblock des TBV Lemgo blieb zu Beginn leer, eine Protestaktion der Fanklubs gegen Trainer Florian Kehrmann. Dieser hatte seine Lemgoer aber offenbar hervorragend auf den THW Kiel eingestellt: Die Gastgeber schlugen mit Spielmacher Tim Suton ein hohes Tempo an, warfen alles in die Waagschale und übertölpelten den THW Kiel damit. Zwar konnten die Zebras die schnelle 2:0-Führung des TBV egalisieren, zu einer Kieler Führung sollte es über die gesamten 60 Minuten aber nicht reichen. Die THW-Abwehr um Patrick Wiencek und René Toft Hansen war einfach zu langsam, bekam keinen Zugriff auf die lange ausgespielten Lemgoer Angriffe und musste ein Gegentor nach dem anderen verkraften.

Weil die Kieler in der Offensive einen schwarzen Tag erwischten, reihenweise Bälle wegwarfen und sich bis zur Pause acht technische Fehler leisteten, hechelten sie dauerhaft einem Rückstand hinterher. 3:4, 6:7, 9:10 – ab der 20. Minute war auch der Lemgoer Fanblock gefüllt. Und nun gab der TBV richtig Gas.

Lemgo bestrafte THW Kiel

Konsequent bestraften die Lipper die teils haarsträubenden Abspielfehler des THW Kiel, der wie im Pokalfinale mit Rune Dahmke auf der Mitte begonnen hatte. Auf den Halbpositionen konnten aber weder Steffen Weinhold noch Christian Dissinger das Vertrauen von THW-Coach Alfred Gislason rechtfertigen. „Vor allem die Spieler, die frisch waren, müssen wesentlich mehr bringen“, bemängelte der Isländer nach der Partie. Dahmke stach nicht, die Abwehr hielt nicht, die Torhüter waren nicht im Spiel, der Angriff schlug nicht zu: Lemgo witterte seine Chance und zog mit vielen Gegenstoßtoren durch Tim Hornke und Tom Skroblien sowie per Rückraumdampframme Donat Bartók davon. Als Skroblien wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff per Wurf auf das leere Tor zum 16:11 traf, stand die Lipperlandhalle Kopf.

Nach dem Seitenwechsel stand ein auf fünf Positionen veränderter THW Kiel auf der Platte. Unter anderem übernahm Blazenko Lackovic auf der Mitte, Dahmke rückte auf Linksaußen, ins Tor kam Niklas Landin für den quasi nicht existenten Andreas Wolff. Doch es wurde nur noch schlimmer: In Unterzahl erhöhte Lemgo auf 18:12, weil die Kieler im Angriff erneut mit Fehlpässen glänzten. Was nun? Gislason versuchte alles, brachte den eigentlich verletzten Nikola Bilyk in den Rückraum, stellte die Abwehr auf 3:2:1 um, setzt auf Halb auf Lukas Nilsson und Marko Vujin. „Bilyk und Nilsson haben sehr gut gespielt“, sagte Gislason später. Das hatten sie, nur – es half nicht.

Was ist mit dem THW Kiel los?

Die Fans beider Lager schienen sich zu fragen: Was ist mit denen los? Während der THW Kiel weiter wenig auf die Kette bekam, spielte sich Lemgo in einen Rausch und ließ die Gäste nicht einmal mehr an der Wende schnuppern. Beim 15:20 war der THW noch am nächsten dran, danach gelang es Lemgo erneut, davonzuziehen. Beim 22:28 aus Kieler Sicht (50.) war eigentlich schon alles gelaufen, auch wenn sich die Zebras nun gegen die Niederlage stemmten. „Ich würde nichts sagen, dass heute nichts ging“, sagte Coach Gislason später. „Aber wir haben einfach zu viele technische Fehler gehabt, zu viele Pässe gespielt, die wir so nie spielen dürfen.“

Mit breiter Brust machte dagegen Lemgo weiter und ließ sich das Heft zu keiner Zeit aus der Hand nehmen. „Wir haben kompakt gestanden und uns gegenseitig geholfen“, bilanzierte TBV-Trainer Florian Kehrmann nach der Partie. „Und wenn das Selbsvertrauen plötzlich da ist, passieren Dinge, die du auch nicht trainieren kannst.“ Am Ende siegte der TBV 34:30, und die Kieler stapften missmutig aus der Halle. „Sie waren schneller, explosiver, haben gekämpft bis zum Umfallen – in der Bundesliga ist das dann so, vor allem auswärts. Dann verlierst du“, sagte ein ansonsten recht ratloser Lackovic. Die anderen Zebras wollten sich erst gar nicht zur Pleite äußern.

Das tat der Trainer: „Ich bin sehr enttäuscht von unserem Spiel“, sagte Alfred Gislason. „Wir waren in der Abwehr zu langsam, hatten dadurch auch keine Torhüter-Leistung. Und vorne haben wir viel zu viele Fehler gemacht. Dadurch haben wir Lemgo Sicherheit gegeben.“ Die muss sich der THW bis Mittwoch wiederholen, dann empfangen die Zebras mit GWD Minden eine ganz ähnliche Mannschaft aus Ostwestfalen.

TBV LemgoTHW Kiel 34:30 (16:11)

TBV Lemgo: Maier (1.-50. Minute/9 Paraden), Wyszomirski (bei einem Siebenmeter und 50.-60./1) – Månsson 1, Kogut 1, Ramba n.e., Ebner 8, Theuerkauf 2, Hornke 5/1, Skroblien 6, Suton 3, Bartók 5, Valiullin 2, Klimek 1.

THW Kiel: Wolff (1.-30. und 40.-57./4 Paraden), Landin (31.-40. und 57.-60./1) – Toft Hansen 1, Lackovic 1, Weinhold 1, Dissinger 1, Wiencek 1, Ekberg 8/3, Dahmke 1, Brozovic 1, Vujin 4, Bilyk 4, Nilsson 6, Santos 1.

Schiedsrichter: Christoph Immel/Ronald Klein (Tönisvorst/Ratingen) – Strafminuten: TBV 6 (Kogut, Hornke, Suton), THW 8 (Lackovic, Weinhold, 2x Wiencek) – Siebenmeter: TBV 2/1 (Hornke neben das Tor), THW 4/3 (Ekberg scheitert an Maier) – Spielfilm: 2:0 (4.), 2:2, 4:4 (11.), 7:7, 10:8 (21.), 12:10, 13:11, 16:11 – 18:12 (33.), 20:15 (38.), 22:16, 24:18, 26:19 (46.), 28:22, 30:25, 32:27 (57.), 34:30 – Zuschauer: 4559 in der Lemgoer Lipperlandhalle.

Drei Tage hatte der Kieler Coach Alfred Gislason seinen Pokalsiegern frei gegeben, am Donnerstagnachmittag steigen die Zebras wieder ins Training ein. Am Sonnabend (19 Uhr) ist der THW Kiel in der Handball-Bundesliga beim TBV Lemgo gefordert.

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