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THW Kiel THW Kiel will in Lemgo Tore aufholen
Sport THW Kiel THW Kiel will in Lemgo Tore aufholen
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07:00 04.05.2014
Von Wolf Paarmann
Während Florian Kehrmann (li.) der Lemgoer Rekordtorschütze im Gerry-Weber-Stadion ist, sitzt Niels Pfannenschmidt (re.) am Sonntag erstmals in der Arena in Halle als TBV-Trainer auf der Bank. Quelle: Hagemann
Halle

Die Familie Weber wird Florian Kehrmann anlässlich seines letzten Auftritts im Tennis-Tempel mit einem Stern auszeichnen, der später in den „Walk of Fame“ vor der Arena eingelassen wird. Als einziger Nicht-Tennisspieler zwischen illustren Namen wie Jose Carreras, Whitney Houston, Elton John, Udo Lindenberg oder Rod Stewart.

 An seinen ersten Auftritt im Lemgoer Ausweichquartier kann sich der TBV-Kapitän genau erinnern. Das war 2002, als noch kaum jemand in Deutschland daran dachte, dass Handball einmal die großen Arenen füllen würde. „Als junger Spieler durfte ich Daniel Stephan zur Auslosung der Gerry-Weber-Open begleiten und hatte einen Fototermin mit dem großen Tennis-Nachwuchstalent Roger Federer“, berichtet der passionierte Tennisspieler Kehrmann, der zwei Jahre später, am 6. Mai 2004, das erste Mal mit dem TBV zu einem Handballspiel im Kleinod des Haller Modeunternehmers auflief.

 Vorhänge kamen unters Dach

 Und auch daran hat der einstige Weltklasse-Rechtsaußen noch lebhafte Erinnerungen. „Bei der Premiere vor 11300 Zuschauern gegen den VfL Gummersbach gab es ein riesiges Drumherum. Wir mussten einen Tag vorher dort trainieren, um uns mit den neuen Gegebenheiten vertraut zu machen. Nach dem Abschlusstraining meldete sich Torhüter Eros Ramota zu Wort und wollte wegen der starken Sonneneinstrahlung nur mit einer Sonnenbrille spielen...“ Postwendend wurden Vorhänge unter dem Dach installiert und das Stadion bis zur WM 2007 winterfest gemacht. Den Sieg gegen Slowenien in der Zwischenrunde des „Wintermärchens“ bezeichnet der 36-Jährige bis heute als das emotionalste Spiel, das er je in Halle bestritten hat. Doch auch der einzige Sieg gegen den THW Kiel am 14. März 2010 hat sich eingebrannt.

 Während er Rekordtorschütze (95) im Gerry-Weber-Stadion ist, kennt Trainer Niels Pfannenschmidt die Arena bislang nur von privaten Konzertbesuchen. Als Kehrmann in Spitzenzeiten dreimal pro Saison mit dem TBV im 60 km entfernten Halle/Westfalen aufkreuzte, tummelte er sich noch in der Oberliga Westfalen. Hahlen, Mennighüffen und Nordhemmern lauten die Wegmarken seiner Laufbahn, die für den 40-jährigen Mindener nach zwei Kreuzbandrissen früh beendet war. Das eingetragene Mitglied von Fußball-Bundesligist Hannover 96 diente sich über Trainerjobs im Jugendbereich hoch, fungierte 2007 als Co-Trainer von Richard Ratka bei GWD Minden und heuerte 2009 als Jugendkoordinator beim TBV an. Als Dirk Beuchler im vergangenen Jahr rund um die Lipperlandhalle keine Perspektive mehr sah, ergriff er die Chance – und entpuppte sich als Glücksgriff. Hendrik Pekeler und Finn Lemke schafften unter ihm den Sprung ins Nationalteam. Beim 38:29 gegen den TV Emsdetten, mit dem Mitte April der Klassenerhalt perfekt gemacht wurde, wirkten mit Haenen, Lemke, Höning, Niemeyer und Possehl fünf Akteure mit, die im Drittligateam aufgebaut wurden. Insgesamt schenkte Pfannenschmidt bereits zehn „Lemgoer Youngsters“ das Vertrauen. Mit der Folge eines einmaligen Perspektivwechsels: Gilt Kehrmann als Trainer der Reserve als unumstrittener Chef, so fungiert er bei den Profis als gleichberechtigter Mitspieler der Talente.

 Kompetenzgerangel ist auch für Pfannenschmidt ein Fremdwort. Der zweifache Familienvater, dessen Gattin Jessica beim HSV Minden-Nord auf Drittliganiveau Handball spielt, hat die Mission Klassenerhalt mit Deutschlands jüngstem Bundesligateam mit Bravour gemeistert. „Auch, weil mir Florian Kehrmann und Rolf Hermann mit ihrer Erfahrung stark geholfen haben“, sagt Pfannenschmidt, der erstmals als Trainer im Gerry-Weber-Stadion auf der Bank sitzt: „Und dann gleich gegen die beste Mannschaft und den besten Trainer der Welt. Alfred Gislason ist so etwas wie ein Vorbild. Auf dieses Spiel freue ich mich riesig.“

 Zebras jagen die Rhein-Neckar Löwen

 Spricht Alfred Gislason über den TBV Lemgo, tut er dies voller Respekt. Den Kollegen Niels Pfannenschmidt hält er für einen der „kreativsten Köpfe der Handball-Bundesliga“, die flotte Spielweise lobt er als „erfrischendes Element“. Der Trainer der Kieler geht fest davon aus, dass der TBV auch am Sonntag auf das Gaspedal treten wird. Von seiner Mannschaft erwartet er einen besonnenen Start, anders als beim letztlich deutlichen 37:20-Heimsieg gegen TSV Hannover-Burgdorf, als die Zebras mit großer Hast begannen, weil sie das im Vergleich zum punktgleichen Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen deutlich schlechtere Torverhältnis ausbügeln wollten.

 „Gegen Lemgo geht es nicht darum, Tore aufzuholen“, sagte Gislason. „Es geht darum, dort überhaupt zu gewinnen.“ Hinter Christian Zeitz, der gegen Hannover trotz großer Magenprobleme mitwirkte, stand gestern noch ein Fragezeichen. Gislason hatte dem Linkshänder trainingsfrei gegeben. Unklar war auch noch das Mitwirken von Johan Sjöstrand (Knieprobleme). Wie es am Abend den Löwen im Heimspiel gegen den HSV ergeht, erfahren die Zebras auf der Heimreise. Wenn um 20.15 Uhr das womöglich vorentscheidende Spiel um die Meisterschaft angepfiffen wird, sitzen sie schon wieder im Bus.

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