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THW Kiel THW Kiel zittert sich zu 27:26 über Leipzig
Sport THW Kiel THW Kiel zittert sich zu 27:26 über Leipzig
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18:26 24.11.2019
Von Merle Schaack
Steffen Weinhold (Mitte) ist wieder fit und mischte im Spiel des THW Kiel gegen Leipzig kräftig mit. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Gute Nachrichten gab es vor dem Anpfiff aus der medizinischen Abteilung des zuletzt von Verletzungen gebeutelten THW Kiel: Zum ersten Mal seit Ende September stand der Halbrechte Steffen Weinhold nach auskuriertem Plantarfaszieanriss im Fuß wieder auf der Platte. Auch Niclas Ekberg (Einblutung an der Achillessehne) und Nikola Bilyk, der gegen Zaporozhye mit Schambeinproblemen pausiert hatte, kehrten zurück in den Kader.

Ein Aufgebot, das keinen Zweifel am Respekt Filip Jichas für den Tabellenachten aus Leipzig ließ. Der THW-Trainer setzte dennoch auf die Spieler, die am Mittwoch beim Unentschieden gegen Zaporozhye auf dem Feld gestanden hatten: Miha Zarabec führte im Rückraum neben Harald Reinkind und Lukas Nilsson Regie, Ole Rahmel startete auf Rechtsaußen. 

Tempospiel dank Zeitstrafe

Schnell war aber klar: Ähnlich wie unter der Woche würde die Partie sich für die Kieler zäh gestalten. Kaum Spielfluss gegen eine aggressive Leipziger Abwehr, Fehler im Angriff und einige Paraden von Leipzigs Keeper Joel Birlhem prägten die Anfangsphase einer zunächst zerfahrenen Partie. 

Schon nach 14 Minuten, beim 3:5-Rückstand der Kieler, zogen sich deshalb Bilyk und Ekberg die Trainingsjacken aus und ersetzten die glücklosen Nilsson und Rahmel. Durch eine Zeitstrafe gegen Leipzigs Bastian Roscheck kam der THW Kiel erstmals ins Tempospiel. Magnus Landin nach einem schönen Tipp-Anspiel hinter dem Rücken von Nikola Bilyk sowie Ekberg und wieder Landin per Gegenstoß drehten den Spielstand in 6:5 (18.).

Leipzig schlägt Kapital aus Fehlern

Und nun war die Zeit für das Comeback von Steffen Weinhold nach rund zwei Monaten Pause gekommen. In der nun auf die 3:2:1-Formation umgestellte Abwehr entlastete der Nationalspieler Harald Reinkind. Und auch im Angriff setzte THW-Trainer Filip Jicha einen neuen Impuls, ließ - wie schon gegen Zaporozhye - Linksaußen Rune Dahmke das Spiel lenken. 

Mit Erfolg: Fünf Minuten lang gelang Leipzig kein Tor, die Kieler, bei denen nun Bilyk für die leichten Tore in der Zweiten Welle sorgte, nahmen Fahrt auf und setzten sich mit 11:7 (26.) ab.

Sobald sich die Zebras allerdings Fehler erlaubten, schlugen die Gäste aus Sachsen daraus Kapital. Immer wieder suchten sie den Weg an den Kreis, drängen die offensive THW-Abwehr schließlich mit dem siebten Feldspieler zurück und verkürzten bis zur Pause auf 11:12. 

Emotionales Ausrufezeichen

Nach dem Seitenwechsel kehrten Nilsson und Rahmel zurück. Vor allem aber drückte nun Leipzigs Franz Semper dem Spiel seinen Stempel auf. Der Halbrechte, der zur kommenden Saison zur SG Flensburg-Handewitt wechselt, fand immer wieder einen Weg durch die THW-Abwehr und an Niklas Landin vorbei, hielt den Spielstand ausgeglichen. Nach 35 Minuten beim Stand von 15:15 räumte Landin seinen Platz zwischen den Pfosten für Dario Quenstedt

Der feierte seine erste Parade in der 46. Minute, kurz nachdem Niclas Ekberg per Siebenmeter zum 20:18 und damit zur ersten Zwei-Tore-Führung der Kieler in der zweiten Halbzeit getroffen hatte, und legte damit den Grundstein für das 21:18 durch Magnus Landin

Aber auch die Drei-Tore-Führung der Kieler nahm keine Spannung aus der Partie. Leipzig steckte nicht auf, kämpfte sich auf 22:21 (49.) heran. Die Sorgenfalten auf Jichas Stirn wurden tiefer, als Ekberg nach seinem Treffer zum 23:21 liegen blieb und behandelt werden musste. Hendrik Pekeler setzte mit seinem erfolgreichen Kampf um den Abpraller eines Wiencek-Wurfes und seinem Tor zum 24:21 (51.) ein emotionales Ausrufezeichen. 

Platz zwei in der Tabelle gesichert

Doch dann drehte der eingewechselte Jens Vortmann im Tor der Leipziger auf, parierte zweimal gegen Wiencek, einmal gegen Bilyk - und der THW-Vorsprung war beim 24:24 (53.) durch Leipzigs Leader Semper wieder blitzschnell geschmolzen. 

Wieder erlebte der THW die nächste Schlussphase unter Hochspannung, in der Nikola Bilyk aufseiten der Kieler in die Rolle des verletzten Anführers Domagoj Duvnjak (Muskelfaserriss) schlüpfte. Der Österreicher rackerte hinten und vorne, schleppte sich zum 26:24 per Gegenstoß. 

Die Entscheidung sollte allerdings erst in der letzten Minute fallen. Nach einer THW-Auszeit 38 Sekunden vor Schluss nahm sich Miha Zarabec den Wurf, scheiterte aber an Jens Vortmann. 21 Sekunden blieben Leipzig für den Ausgleich, doch Hendrik Pekeler hechtete in einen Semper-Pass, nahm entscheidende Sekunden von der Uhr. Nach Ablauf der regulären Spielzeit blieb Philipp Weber nur noch ein direkter Freiwurf aufs THW-Tor. Der erfolgreiche Block der THW-Abwehr ging nahtlos in Jubel über: Mit diesem knappen Sieg stehen die Kieler wieder auf Platz zwei der Bundesliga-Tabelle.

Die Statistik

THW Kiel: N. Landin (1.-35. und ab 54. Minute/5 Paraden), Quenstedt (35.-54./1) – Ehrig n.e., Reinkind 1, M. Landin 3, Weinhold, Wiencek 3, Ekberg 7/4, Rahmel 1, Dahmke, Zarabec 2, Horak, Bilyk 7, Pekeler 2, Nilsson 1.

SC DHfK Leipzig: Birlehm (1.-49. Minute/5 Paraden), Vortmann (ab 49./5) – Semper 9, Wiesmach 4, Witzke 2, Krzikalla 1/1, Binder n.e., Janke, Müller, Roscheck, Weber 3, Mamic, Remke, Gebala 1, Milosevic 1, Santos 5.

Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Altenheim/Elgersweiher) – Strafminuten: THW 6 (M. Landin, 2x Pekeler), DHfK 12 (Roscheck, 2x Mamic, Weber, Wiesmach, Gebala) – Siebenmeter: THW 4/4, DHfK 2/1 (Krzikalla drüber) – Zuschauer: 10285 in der ausverkauften Kieler Sparkassen-Arena.

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Merle Schaack 20.11.2019