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THW Kiel Heimspiel-Rausch
Sport THW Kiel Heimspiel-Rausch
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18:40 27.03.2018
Miha Zarabec vom THW Kiel (Mitte) wird von Bence Banhid und Szabolcs Zubai (rechts) eingekesselt. Quelle: pae
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Kiel

Sie gehen nun mit einem komfortablen Polster von sieben Toren in das Rückspiel am 1. April. Kiel ist geladen, genervt ob des Heimrecht-Tausch-Hick-Hacks, das den Zebrafans das Osterfest verhagelt und stattdessen ein Hinspiel-Heimspiel im Achtelfinale am ungeliebten Mittwochabend beschert hat.

Die 8500 in der nicht ausverkauften Arena machen ihrem Unmut Luft, pfeifen den ungarischen Vizemeister beim Einlaufen gehörig aus und sorgen nach dem kultigen Schiffshorn-Dröhnen für einen Dezibel-Saisonrekord. Willkommen im Kieler Kolosseum, mögen die Spiele beginnen! Sie beginnen mit Ausrufezeichen in den ersten zehn Minuten, mit vier tollen Paraden von Niklas Landin und drei Toren des erneut entfesselten Marko Vujin. Der Kraftaufwand in der Kieler 6:0-Deckung ist enorm. Vorne zieht der kleine Slowene Miha Zarabec die Fäden mit Vujin und Nikola Bilyk (phasenweise auch Domagoj Duvnjak und später Christian Dissinger) an seiner Seite. So richtig geschmiert ist die Maschine allerdings noch nicht, weil die Gäste mit ihrer 5:1-Formation mit dem schwedischen Routinier Jonas Källman an der Spitze unangenehm zu Werke gehen.

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Jedes Tor erfordert viel Aufwand, und dennoch erzeugen Landin und Niclas Ekberg mit einem phänomenal punktgenauen Tempogegenstoß zum 10:8 (20.) so etwas wie Kieler Momentum. Doch die Szegediner geben die Kontrolle des Geschehens nicht ab. Besonders mit dem Kreisläuferspiel hat die THW-Hintermannschaft, in der Sebastian Firnhaber und Patrick Wiencek eine gute Leistung zeigen, Probleme. An der Linie trifft Bence Bánhidi dreimal in Folge (11:11/24.). Alfred Gislason nimmt eine Auszeit und trifft drei folgenschwere (und wirkungsvolle) Entscheidungen: Emil Frend Öfors (defensiv top!) ersetzt Raul Santos auf Linksaußen, Christian Dissinger (druckvoll, mutig) kommt auf Halblinks, und die Abwehr probiert’s ab jetzt in einer 3:2:1-Aufstellung mit dem in dieser Rolle so leidenschaftlichen Domagoj Duvnjak an der Spitze. Zur Pause steht es 14:14, alles ist offen, aber diese Entscheidungen werden sich auszahlen. Denn längst ist bei Dissinger, dem Mann der langen Wege, der Knoten geplatzt – drei Tore in Folge zum 18:16 (36.). Denn Ole Rahmel, Dissinger, Duvnjak bilden nach der Pause ein bissiges Dreigestirn in der Deckung, strahlen besonders hell ab der 42. Minute, als der Abwehr Ballgewinn um Ballgewinn gelingt.

Eben noch trafen die vom Salami-Riesen „Pick“ getauften Ungarn per Kempa-Trick (19:19/42.), plötzlich brechen die Gäste unter dem Druck der Arena zusammen. Jetzt tritt Patrick Wiencek am Kreis ins Licht, wird schön in Szene gesetzt. Frend Öfors, der so lange und geduldig die Rolle des Bankdrückers angenommen hatte, zahlt das Vertrauen mit selbstbewussten Aktionen zurück.

Und als Marko Vujin mit seinem achten Tor (fast alle schön!) zum 25:19 einnetzt (49.), ist der Heimspiel-Rausch nach dem Heimspiel-Tausch perfekt. Immer wieder feuert Duvnjak – in Überzahl ordnende Hand im Angriff – die 8500 an. Jetzt wach bleiben! Immer wieder gibt Miha Zarabec den kleinen großen Leader, immer wieder steht da hinter der Deckung Teufelskerl Niklas Landin zwischen den Pfosten. Landin gegen Bánhidi (38.), Landin gegen Balogh (46.), Landin gegen Bánhidi (57.) – jetzt explodiert sogar der sonst so ruhige Däne. „Mit so einem Publikum werden wir noch viele große Siege in der Zukunft feiern“, sagt Landin. Eins nach dem anderen! Doch den Termin für das Viertelfinale in der Woche nach den Osterferien dürfen sich die THW-Fans rot im Kalender anstreichen.

Von Niklas Tamo/ Schomburg Schwarz

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